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14. Juli 2018

Weinbaugebiet Saale-Unstrut Weinlese schon Anfang September

Weinbaugebiet Saale-Unstrut | Weinlese schon Anfang September, Foto © DWI

Junge Reben kämpfen mit der Trockenheit, älteren geht es besser, sagen Thüringer Winzer. Richtig alte Rebstöcke gibt es im Freistaat kaum, dafür aber Lagen mit Geschichte. Kann man schmecken, auf welcher Parzelle der Wein gewachsen ist?

Von Stefan Hantzschmann

Thüringer Winzer rechnen in diesem Jahr mit einer ungewöhnlich frühen Weinlese, bleiben aber zurückhaltend mit Aussagen zum erwarteten Ertrag. Während der Start ins Weinjahr gut lief, setzte vor allem jungen Reben die Trockenheit der vergangenen Wochen zu, wie eine Umfrage der Deutschen Presse-Agentur unter größeren Winzerbetrieben mit Anbauflächen im Freistaat ergab. Fast alle heutigen Thüringer Weinlagen wurden erst nach 1990 wiederbelebt. Ihre Geschichte reicht aber teils Hunderte Jahre zurück. Einige Winzer versuchen, den eigenen Charakter ihrer Lagen herauszuarbeiten und das "Terroir" der Weine schmeckbar zu machen.

Die Winzervereinigung Freyburg-Unstrut vermarktet beispielsweise die Weine von der Lage Weimarer Poetenweg separat. "Diese Weine unterscheiden sich geschmacklich sehr deutlich von unseren anderen Weinen", sagt Hans Albrecht Zieger, Geschäftsführer der Winzergenossenschaft. Man folge dabei dem "Terroir"-Gedanken.

Der in Frankreich geprägte "Terroir"-Begriff beschäftigt die Weinszene in Deutschland seit vielen Jahren. Das "Terroir" eines Weines beschreibt dabei nicht nur den Boden, auf dem die Reben gedeihen, sondern auch das (Mikro-)Klima der Weinlage. Der Begriff ist weit gefasst, einige Winzer sagen auch, er sei "dehnbar" oder "unscharf". "Es geht bei dem Begriff um alle Einflussfaktoren auf den Wein", sagt Manuel Bretschi, Leiter der Schulungsabteilung beim Deutschen Weininstitut im rheinhessischen Bodenheim (Rheinland-Pfalz). Für einige Winzer gehe es bei dem Begriff nur um Einflüsse von Boden und Klima, "andere zählen auch den Einflussfaktor Mensch dazu."

Zieger sieht die Weimarer Weine vor allem durch den Boden geprägt: "Die Reben wachsen auf Böden mit einem höheren Kalkgehalt. Die Weine haben eine höhere Mineralität", sagt er. Die Winzervereinigung Freyburg-Unstrut aus Sachsen-Anhalt bewirtschaftet rund 48 Hektar Rebfläche in Thüringen.

Die Weinberge im Freistaat gehören zum Weinbaugebiet Saale-Unstrut. Im Jahr 1995 wurden in Thüringen nur auf rund 12 Hektar Trauben geerntet, wie aus Daten des Weinbauverbands Saale-Unstrut hervor geht. Aktuell sind es demnach mehr als 112 Hektar. Flächen mit sehr jungen Pflanzen, die noch keinen Ertrag liefern, sind hier nicht mit eingerechnet.

Mit dem bisherigen Verlauf des Weinjahres ist Zieger weitgehend zufrieden: "Wir hatten hohe Temperaturen und einen milden Winter. Wir gehen derzeit von einem Vegetationsvorsprung von etwa 14 Tagen aus." Er rechne damit, dass bereits in den ersten Septembertagen mit der Ernte begonnen werden könne.

Auch Andreas Clauß plant derzeit mit einem ungewöhnlich frühen Start der Weinlese. "Aber wir bräuchten jetzt dringend Regen. Das würde sich positiv auf Ertrag und Qualität auswirken", sagt der Geschäftsführer des Thüringer Weinguts Bad Sulza. Ältere Reben kämen mit dem Trockenstress besser klar als jüngere, weil sie mit ihren meist längeren Wurzeln in tieferen Bodenschichten noch Wasser fänden.

Das Weingut Bad Sulza gehörte nach der Wende zu den ersten im Freistaat. Clauß' älteste Reben sind um die 20 Jahre alt. Junge Pflanzen wässert er derzeit mit viel Aufwand, wie er sagt. Das Weingut bewirtschaftet eigenen Angaben zufolge rund 50 Hektar, aufgeteilt auf drei Lagen. Zum "Terroir"-Begriff habe er ein gespaltenes Verhältnis, sagt Clauß. "Boden, geografische Lage und Klima bilden nur einen kleinen Ausschnitt." Beim Weinmachen gebe es unzählige Parameter, auch der Einfluss des Winzers gehöre dazu. Der Begriff "Terroir" verleite aber dazu, den Charakter eines Weines vor allem mit der jeweiligen Bodenbeschaffenheit zu erklären.

Nach Ansicht von Wolfram Proppe ist das "Terroir" gerade für Winzer in Thüringen von großer Bedeutung: "Wir sind hier in einer sehr nördlichen Anbauregion und sind auf Nischen angewiesen. Boden, Klima, Wasserversorgung und die Ausrichtung der Lage sind ganz entscheidend", sagt er. Diese Bedingungen könnten bereits innerhalb einer Ortschaft sehr unterschiedlich sein. "Je klarer ich angebe, wo der Wein herkommt, desto deutlicher muss sich diese Herkunft auch im Geschmack widerspiegeln", findet Proppe, der in Laasdorf (Saale-Holzland-Kreis) auf rund 3,5 Hektar Weinreben anbaut.

Der Winzer André Zahn nutzt eine genaue Lagenbezeichnung vor allem als Qualitätsmerkmal: "Je genauer die Herkunft angegeben ist, desto hochwertiger der Wein", sagt er. Frankreich mache das seit vielen Jahren vor. Zahn zufolge ist etwa die Lage Kaatschener Dachsberg vor fast 800 Jahren das erste Mal urkundlich erwähnt worden. Das Weingut in Großheringen bewirtschaftet nach eigenen Angaben derzeit rund 13 Hektar. Bislang laufe das Weinjahr gut, aber es könne noch viel passieren. "Zu viel Feuchtigkeit in den letzten Wochen vor der Lese ist auch nicht gut", sagt Zahn. dpa