Weingut Schloss OrtenbergGroßes vom Granit

Wer den Blick über die malerischen Weinberge der Ortenau, das namensgebende Schloss und die endlose Weite der Rheinebene schweifen lässt, denkt kaum daran, welche Naturgewalten einst für die Entstehung dieser idyllischen Landschaft sorgten. Granit entstand tief im Erdinneren, wo Magma unter hohem Druck langsam abkühlte. Wird dieses außergewöhnlich harte Gestein durch die Bewegungen der Erdplatten an die Oberfläche gedrückt, verwittert es. Das Gestein ist eines der ältesten der Erde und entstand vor vielen Million Jahren. Granitgestein zählt zu den sauren Böden mit hohen pH-Werten. Die Weine, welche auf diesen sauren Böden wachsen, erweisen sich in Ihrer Säurewahrnehmung als eher umgekehrt, d.h. man empfindet sie als weniger sauer.

Top-Lagen auf Granitverwitterungsböden

Während die bekanntesten europäischen Granit-Rebflächen im nördlichen Tal der Rhône und im Norden Portugals liegen, weist die kleine Ortenau in Baden als einziges deutsches Weinbaugebiet eine größere, zusammenhängende Fläche auf. Einfach zu bewirtschaften sind Granitböden nicht. Sie erwärmen sich schnell und sind gut durchlüftet, aber auch ausgesprochen karg mit einer schlechten Wasserhaltefähigkeit. Das führt mehr als anderswo zu Trockenstress der Reben. Dem kann durch eine organische Düngung zur Steigerung des Humusgehaltes entgegengewirkt werden, die Erträge bleiben aber niedriger und die Trauben kleiner, was wiederum eine frühe, wenn auch durch die Kühle des Schwarzwaldes hinausgezögerte Reife begünstigt.

Für die Bildung eines ausgeprägten Aromas und wenn man wie das Weingut Schloss Ortenberg auf Qualität statt auf Quantität setzt, ist das sehr von Vorteil. Denn so anspruchsvoll die Bewirtschaftung des Ortenberger Granitbodens auch sein mag: Am Ende belohnt er in Kombination mit dem kühlen Schwarzwaldklima, dem warmen Rheintal und traditionsreichen Toplagen wie Schloss-, Andreas- und Spitalberg mit Weinen, die sich durch eine ausgeprägte, feingliedrige Mineralität und eine oft kühl wirkende, straffe Eleganz auszeichnen.

Das namensgebende Schloss Ortenberg 

Angesichts dieses besonderen Terroirs wundert es nicht, dass Top-Hotelier und Weinliebhaber Thomas Althoff das Weingut Schloss Ortenberg 2021 pachtete, um den 45-Hektar-Betrieb zum vinophilen Herzstück der Althoff-Gruppe zu entwickeln. Von Anfang an setzte er auf Exzellenz, holte Unterstützung von namhaften Beratern ein und stellte auf Bio um. Das Weingut führte den sanften Rebschnitt ein, änderte die Stilistik und investierte kräftig in den Keller. So war die Freude groß, als die GOURMETWELTEN das Weingut im Herbst 2023 besuchten und die Weine verkosteten. Auch ein bisschen Überraschung schwang mit, wie sehr sich das Team um Geschäftsführer Matthias Wolf und Kellermeister Hanspeter Rieflin mit viel Leidenschaft für höchste Qualität engagierte. Nach zwei Jahren Bemühungen zeigten sich damals schon terroirgeprägte Weine mit immensem Potenzial, die bereits ahnen ließen, was in der Zukunft noch möglich sein würde.

Freude über die Falstaff-Kollektion des Jahres: Thomas Althoff, Hanspeter Rieflin, Andreas Schmitt, Matthias Wolf

Inzwischen ist Ortenberg kein Geheimtipp mehr, auf eine Auszeichnung folgt die nächste. Den Anfang machte die „Kollektion des Jahres“ beim „Rotwein-CUP der GOURMETWELTEN 2024“. Bei der "Falstaff Weintrophy", die im November 2025 anlässlich der Vorstellung des „Weinguide Deutschland 2026“ im „Althoff Grandhotel Schloss Bensberg“ statt fand, wurde das Weingut Schloss Ortenberg mit der „Kollektion des Jahres“ und damit für die herausragende Gesamtheit an Weinen, die in der neuesten Guide-Ausgabe bewertet wurden, ausgezeichnet. Gleichzeitig stufte der Falstaff das Weingut auf vier von fünf Sternen hoch.

Im Parkers Wine Advocate erhielt das Weingut mit bis zu 94 Punkten ebenfalls Top-Bewertungen. Beim „VINUM Deutscher Rotweinpreis 2025“ wurde der St. Andreas Spätburgunder Spitalberg GG mit 92 Punkten ausgezeichnet und zählt damit zu den 15 besten Spätburgundern Deutschlands. „Die Bewertungen zeigen die Leidenschaft und Sorgfalt in unserer Arbeit sowie das große Potenzial unseres einzigartigen Granit-Terroirs“, freut sich Wolf.

Aber wie genau schmeckt denn eigentlich Granit? Durch den oben erwähnten hohen Mineralstoffgehalt wird bei Granitweinen gerne mit dem unter Profis nicht unumstrittenen Geschmacksprofil „mineralisch“ gearbeitet. Bloß hat kaum jemand schon einmal Steine probiert, und kann man Bodentöne und mineralische Noten tatsächlich sensorisch erfassen? „Ich bin mit der Geschmacksbeschreibung mineralisch etwas vorsichtig, da man Mineralien im Wein nachweislich nicht schmecken kann. Es ist vielmehr die pure Eleganz und die Frucht in den Weinen mit einem klaren Duftbild der jeweiligen Sorte“, sagt Matthias Wolf. „Dennoch gibt die Herkunft den Grundton im Wein vor. Danach ist es der Mensch, der diesen durch sein Zutun betonen oder verwischen kann.“

Riesling-Trauben wachsen gut auf Granit

Im Weingut Schloss Ortenberg fiel die Entscheidung klar auf terroirbetonte Weine. Und da geht es als erstes um die Auswahl der richtigen Rebsorte, also der, die zum Granitboden passt. Das Team um Matthias Wolf setzt vor allem auf Burgundersorten, mit denen inzwischen 50% der Rebfläche bepflanzt sind. Riesling und Sauvignon passen ebenfalls sehr gut, wie die Auszeichnungen für Weine aus diesen Sorten zeigen. Auch Syrah und Viognier würden ein sehr großes Potential für die Zukunft zeigen, so Wolf. Dabei profitieren nicht nur die Ersten und Großen Gewächse aus der St. Andreas-Linie vom Granit, auch die „Schloss Ortenberg“-Weine mit den Guts-, Granit- und Collectionsweinen spiegeln den kargen Boden wider: Sie alle verbindet die klare Handschrift der Ortenau, geprägt von ihren seltenen Granitverwitterungsböden. Damit dieses besondere Terroir unverfälscht im Glas erlebbar wird, werden die Weinberge biologisch bewirtschaftet, im Keller setzen die Weinmacher auf eine behutsame, zurückhaltende Vinifikation.

Elegante, terroirbetonte Spätburgunder

„Die Herkunft ist das Einzige, das dir niemand nehmen kann - unsere Weine müssen nach Granit schmecken“, sagt Matthias Wolf. „Wir produzieren Weine, die nie aus der Mode kommen werden.“ Wer würde dem widersprechen wollen.

Die GOURMETWELTEN haben ausgesuchte Granitweine vom Weingut Schloss Ortenberg verkostet. Hier sind die Punkte:

Weißburgunder Granit 2024

Weiße Blüten und Holunder in der Nase, am Gaumen Salzzitrone, feine Säure, gut abgefedert, asketischer Strahlewein mit Druck, florale Eleganz, kühle Energie – 93 Punkte

Grauburgunder Granit 2024

Reife Frucht in der Nase, am Gaumen kühle Säure, gelbe Früchte, Steinobst - 92 Punkte

Collection Sauvignon Blanc et Gris 2024

Leicht grasig und grüner Spargel in der Nase, klare Stilistik, grüner Pfeffer, wenig Frucht, dafür sehr kräuterig, sehr schlank geradezu eine verlockende Kargheit, 93 Punkte

Sankt Andreas Andreasberg Riesling 1G 2023

Intensive Nase, gelbe Frucht, Steinobst, rauchige Quitte, tolle Säure-Balance, puristischer Riesling mit Tiefe, schöne Würze, vibrierend – 94 Punkte

Sankt Andreas Spätburgunder Schlossberg GG 2022

In der Nase Schwarzkirsche, burgundische Eleganz und Tiefe, Gewürze, Zimt, Länge und Potenzial, ein Wein der nach der Ente schreit, egal ob lackiert oder gebraten -  95 Punkte

Collection Furore Rotweincuvée QbA trocken

Duft nach schwarzen Beeren, Pfeffer und Rauch, am Gaumen mit zarter, eleganter Frucht, feine Säure, griffige Tannine. Vielschichtig, harmonische, mineralische Länge. Hohes Reifepotenzial, am besten ein paar Jahre liegen lassen. 93 Punkte

Fazit

Granit Weine haben den Cool Climate-Effekt, verführen mit kühler Eleganz und puristischer Tiefe. Sowohl bei den Weißen als auch bei den Roten handelt es sich um Weine von großer Klarheit, feiner Struktur und ausgeprägter Mineralität.