Wein
23. August 2018

Weingut Dr. Bürklin-Wolf 10 Jahre biodynamisch zertifiziert

2001 wagte Bettina Bürklin-von Guradze die wegweisende Umstellung ihres Weingutes auf biodynamischen Weinbau, als eines der ersten Spitzenweingüter Deutschlands - 2008 folgte dann die Zertifizierung.

2001 wagte Bettina Bürklin-von Guradze die wegweisende Umstellung ihres Weingutes auf biodynamischen Weinbau. Die ersten Ergebnisse waren so überzeugend, dass die radikale Umstellung bereits vier Jahre danach komplett vollzogen war. 2008 folgte dann die Zertifizierung. Heute, 10 Jahre später, weiß die engagierte Winzerin, dass dieser Schritt nicht nur logisch war, sondern sich alle Mühen gelohnt haben: Nie waren ihre Weine besser, nie waren sie gefragter als jetzt.

Weingut Dr. Bürklin-Wolf | 10 Jahre biodynamisch zertifiziert

Es ist ein Überzeugungstäter, der Bettina Bürklin-von Guradze zur Überzeugungstäterin gemacht hat, oder besser gesagt sein Buch "Beseelter Wein". Auf einer Geschäftsreise in die USA greift sie es neugierig aus dem Bücherregal einer Freundin. Nicolas Joly, der querdenkende Winzer von der Loire, widmete sich damals als Erster tiefgründig einem Thema, das Wenige im Visier hatten, die Biodynamie. Die Begeisterung springt sofort auf sie über. Denn der Zeitpunkt ist perfekt. Bettina Bürklin-von Guradze befindet sich in einer Findungsphase. Obwohl sie bereits im Besitz bester Lagen in der ganzen Pfalz ist, sucht sie nach neuen Wegen. Ihr Ziel, die Qualität der Bürklin-Wolf-Weine noch deutlich zu steigern, wird von der einen zentralen Frage untermauert: Wie kann der Schatz, der sich in den wertvollen Weinbergslagen befindet und die Basis der Lagenphilosophie mit G.C. und P.C. ist, in die Flasche gebracht werden und damit die Herkunft noch individueller schmeckbar machen? Schnell wird ihr klar, dass dies nicht mit kellerwirtschaftlichen Neuerungen, sondern nur in enger Zusammenarbeit mit der Natur gelingen würde.

Das Familienweingut Dr. Bürklin-Wolf hatte sich bereits seit den 70er-Jahren intensiv mit dem umweltschonenden Weinbau beschäftigt. Den Sprung in die Ökologie hatte es jedoch nie gewagt. 2001 nimmt Bettina Bürklin-von Guradze ihren ganzen Mut zusammen und beginnt mit der Umstellung. Ein konventionelles "Weiter wie bisher" kommt für sie nicht mehr in Frage. Ein intensiver Austausch mit biodynamisch arbeitenden Kollegen beginnt. Zur Seite steht ihr vor allem ein Biodynamie-erfahrener Nachbar aus dem Elsass, der Winzerkollege Marc Kreydenweiss. Sie lässt sich und das Team darüber hinaus viele Jahre von den namhaften biodynamischen Beratern Andrew Lorand, Georg Meissner und Matthew Waldin begleiten und schulen.

Was auf einer Fläche von acht Hektar in den Ruppertsberger Weinbergen startet, wird sie und ihr gesamtes Team schon bald derart in den Bann ziehen, dass nur vier Jahre später, im Jahr 2005, die gesamte Weingutsfläche von 85 Hektar auf biodynamischen Weinbau umgestellt ist. "Die Weine haben sich vollkommen anders präsentiert. Fast so als seien sie dankbar und wollten unsere Mühen belohnen. Die lebendigen Böden haben sich genial in unseren Weinen gezeigt. Die Weine spiegeln in bewundernswerter Weise ihre Lagentypizität wider. Sie sind Solitäre, die nicht kopierbar sind", kommt die Pfälzer Weinunternehmerin ins Schwärmen. Überzeugt wird sie 2005 als erstes deutsches Weingut Mitglied bei BIODYVIN, dem Verband biodynamisch arbeitender französischer Winzer, dem sie bis heute angehört und durch den im Jahr 2008 auch die Zertifizierung erfolgt. Motiviert zum Beitritt hat sie die langjährige Erfahrung der meisten Mitgliedsbetriebe mit dem Thema Biodynamie, vor allem aber, dass diese es immer aus qualitätsorientierten Gründen als Werkzeug einsetzten. Denn auch für Bettina Bürklin-von Guradze stand das Thema marketingtechnisch niemals im Vordergrund und wurde nach außen zurückhaltend kommuniziert.

In den Köpfen, den Weinbergen und den Weinen des Weingutes hat sich seitdem vieles positiv verändert. Durch die Biodynamie erreichen die Vorstellungen von Spitzenqualität und schmeckbarer Herkunft eine neue Dimension im Bürklin-Team. "Wir sind der Natur ein großes Stück nähergekommen und betrachten diese mit großer Ehrfurcht, Bewunderung und Dankbarkeit. Für uns alle ist es ein beruhigendes Gefühl, die Zusammenhänge unseres eigenen Ökosystems heute so viel besser zu verstehen. Und es ist lohnend zugleich. Die Ergebnisse zeigen sich jeden Tag - stabile, gesunde Trauben. Das macht zufrieden und bestärkt uns immer wieder aufs Neue, den eingeschlagenen Weg kontinuierlich und ruhig weiter zu beschreiten, entgegen einer Welt, die sich immer schneller zu drehen scheint", findet Bettina Bürklin-von Guradze. Für sie ist ihr unternehmerisches Handeln im Einklang mit der Natur inzwischen viel mehr als eine Weltanschauung, sondern eine Lebenseinstellung, die sie ihrem persönlichen Ziel entscheidend näher bringt: lagentypische, terroirgeprägte, trockene Spitzenrieslinge, die Zeit benötigen, um zu ihrer wahren Größe heranzureifen und unter den Besten der Welt rangieren.

Die Biodynamie - ein in sich geschlossener Mikrokosmos

Die biologisch-dynamische Landwirtschaft ist eine Feldwirtschaft, Viehwirtschaft, Saatgutproduktion und Landschaftspflege umfassende Wirtschaftsweise, die auf den Ideen Rudolf Steiners beruht. Diese ganzheitliche Lehre beschreibt einen landwirtschaftlichen Betrieb als einen in sich geschlossenen Mikrokosmos mit einer Vielfalt an Pflanzen und Tieren, ein komplexes Ökosystem. Neben den im organisch-biologischen Weinbau verwendeten Pflanzenstärkungsmitteln kommen zusätzlich spezifisch wirkende Präparate wie Hornkiesel- und Hornmistpräparate sowie verschiedene Pflanzenauszüge unterstützend zum Einsatz. Chemisch-synthetische Dünger und Herbizide sind verboten. Der Weinbergsboden soll lebendig sein. Deshalb wird er begrünt und regelmäßig mit selbst hergestelltem Kompost versorgt. Die ganzheitliche Betrachtung schließt zudem biorhythmische Betrachtungen wie jene des Tag-Nacht-Rhythmus und der Mondphasen auf Organismen mit ein. Biologisch-dynamische Weingüter sind zudem im gesamten Betrieb frei von Gentechnik.