Wein
08. Juni 2010

Weingut Ress versenkt seinen Wein Resspekt

Fotos copyright Weingut Ress

Wein der Woche: Auf dem Grund eines Sees im Rheingau kann der Riesling Resspekt in Ruhe reifen. RESSpekt ist eine Aktion zur Unterstützung von Wein hilft

Ein kurzes Blubbern noch, dann ist die Kiste mit dem Wein von der Wasseroberfläche verschwunden. Was da heute im Baggersee in Diez bei Limburg untergeht, soll aber in absehbarer Zeit wieder auftauchen. Eine Zwölf-Liter-Flasche und 18 Magnumflaschen gefüllt mit Wein sollen - in Metallkisten verpackt - in 18 Metern Tiefe heranreifen. Versenkt hat sie dort der Rheingauer Winzer Christian Ress hat, der seinen Riesling erst in drei Jahren wieder an die Oberfläche holen will.

«Die Idee ist nicht unsere», sagt Ress, Besitzer des Weinguts Balthasar Ress in Hattenheim, und Hobbytaucher. In Frankreich etwa versenke ein großes Champagnerhaus Flaschen zur Lagerung im Atlantik. «Aber wir sind vielleicht die ersten, die das in Deutschland machen.» Auch Ernst Büscher vom Deutsche Weininstitut (DWI) in Mainz, der Marketingorganisation für deutsche Weine, kann sich an keine ähnliche Aktion von einem anderen deutschen Winzer erinnern.

Noch eine Aktion: Zur Ress-Weinbank

Neben der vom Weingut erhofften Werbung hat die Tauchaktion einen ernsthaften Hintergrund. Der edle Rebsaft liegt in 18 Metern Tiefe und auf dem Grund des Sees herrscht das ganze Jahr über eine Temperatur zwischen sechs und acht Grad - der Wein ist außerdem abgeschottet von Tageslicht. «Die Temperaturen da unten sind sicherlich konstant», sagt Büscher. Außerdem gelte: «Je wärmer die Weine lagern, desto eher finden Alterungsprozesse im Wein statt.»

Johann Seckler von der Forschungsanstalt für Weinbau in Geisenheim, hält eine gleichbleibende Temperatur zwischen 12 und 15 Grad Celsius für wichtig, damit sich Wein gut hält. «Darüber hinaus altert der Wein dann schneller. Umso kühler, umso besser ist es», berichtet der Experte für Getränketechnologie. Entscheidend sei aber auch, dass die Luftfeuchtigkeit konstant und nicht zu hoch sei.

Niedrigere Temperaturen zu erzielen ist mit normalen Mitteln eigentlich unmöglich - und eine ökologische wie ökonomische Abwägungsfrage. So gibt es zwar spezielle Kühlschränke zur Weinlagerung, diese kosten aber einiges an Energie. Auch die Extra- Kühlung eines Lagerraums sei nur mit großem Aufwand möglich. «Der Stromzähler tickt», verdeutlicht Seckler.

Die Lagerung von Wein in einem See - wie in Diez - dürfte aber trotzdem keine Schule machen. «Ich denke nicht, dass das in großem Stil machbar ist», sagt Büscher vom DWI mit Blick auf den großen Aufwand. Darum geht es Ress aber auch nicht. Das Weingut feiere in diesem Jahr 140-jähriges Bestehen. Da habe man eben etwas ganz Besonderes machen wollen, erzählt der junge Winzer vor dem Tauchgang.

Damit er in drei Jahren keine böse Überraschung erlebt - der Baggersee ist beliebt bei Tauchern - hat er die Weinflaschen, die oben versiegelt und somit wasserdicht sind, besonders gesichert. Sie sind verpackt in Metallkisten mit Vorhängeschlössern. Über die Kisten stellten die Taucher außerdem einen 250 Kilo schweren Stahlkäfig.

«Damit dürfte dann nichts mehr passieren», sagt Ress. Doch um sicherzugehen will er öfters einmal nachschauen. (Jan Brinkhus, dpa)

Und wie schmeckt der Wein? Niko meint: extrem mineralisch mit eleganter gelber Würze, einer knackigen Säure und laaaangem Abgang. Sehr komplex und konzentriert. Wie nannte das ganz spontan Kai Schattner? Respekt!

Die Weine können auf Ebay ersteigert werden. Alle Infos