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27. Mai 2014

Weinhändler BASF: Chemiekonzern hortet eine Million Flaschen

Bekannt ist die BASF vor allem als größter Chemiekonzern der Welt. Ihre Mitarbeiter haben aber nicht nur mit Reagenz-, sondern auch mit Weingläsern zu tun: Das Unternehmen handelt im großen Stil mit Rebensaft

Von Sandra Kathe

Wenn man an das Ludwigshafener Chemieunternehmen BASF denkt, fallen einem eine ganze Menge Superlative ein. Das Werk, in dem rund 36 000 Menschen arbeiten, ist nicht nur einer der stärksten Arbeitgeber der Region, sondern auch Stammsitz des weltweit größten Chemiekonzerns. Dass dieser 2013 auch einer der absatzstärksten Weinhändler Deutschlands war, wissen dagegen die wenigsten.

Dabei begann die Geschichte der BASF-Kellerei schon 1901, als das Gesellschaftshaus des Chemie-Unternehmens eingeweiht wurde. Dort sollten zum einen Gäste und Geschäftspartner der damals "Badische Anilin- und Soda-Fabrik" genannten Firma mit Weinen aus der Region versorgt werden, zum anderen sollten auch die eigenen Mitarbeiter die Möglichkeit haben, nach Feierabend das ein oder andere Gläschen zu genießen. Denn zur Zeit der Pferdekutschen gehörten Wochenendausflüge in die nahen Weinanbaugebiete für die Arbeiter nicht zum Alltag.

Etwa 800 Weine, davon etwa 100 aus der Region, führt der Weinhandel der BASF aktuell. Fast eine Million Flaschen lagern im eigens angelegten Weinkeller in der Anilinstraße in direkter Nachbarschaft zum Gesellschaftshaus, wo seit 1901 unzählige Liter Wein ausgeschenkt wurden. Bernhard Wolff, Leiter des Weinkellers, kennt sich aus in diesem Labyrinth aus Plastik-Containern, Holzkisten und Flaschen, die in den großen und kleinen Räumen des Kellers lagern. Er rät dem Besucher, ihm auf den Fersen zu bleiben, bevor er verloren geht.

Verdursten würde man da unten sicher nicht, dafür auf Dauer aber ganz schön frieren. Die Lagertemperatur in den riesigen Räumen beträgt zwölf Grad, die Luftfeuchtigkeit liegt zwischen 70 und 90 Prozent. Wer den 4000 Quadratmeter großen Keller besichtigen will, kann bei einer der zahlreichen Weinproben auch an Führungen teilnehmen.

Wolff findet viele Gründe, sich für Wein zu begeistern, dazu gehören auch Details wie die Etiketten, und die Geschichten, die sie erzählen. Etwa das Etikett des Weinguts Geheimer Rat Dr. von Bassermann-Jordan, das den römischen Kaiser Probus abbildet. Die Geschichte besagt, dass er der erste Kaiser war, der Weinbau nördlich der Alpen für die Versorgung seiner Legionäre gestattete - und damit die Basis für die Weinkultur hierzulande geschaffen hat.

900 000 Flaschen setzte die BASF im vergangenen Jahr ab, sie wanderten entweder über die Theken der beiden Filialen in Ludwigshafen oder wurden von den sieben Mitarbeitern im Versand verpackt und in die ganze Welt verschickt. An ausländische Töchter des Unternehmens, Geschäftspartner und Privatkunden in den USA, Südafrika, Russland, Japan oder Australien. Statistisch gesehen war die BASF damit der neuntgrößte Weinhändler Deutschlands. Dabei ist der Verkauf von Wein nur ein Nebenzweig des Unternehmens.

Von weltweit rund 112 000 Mitarbeitern arbeiten lediglich 23 im Weinhandel, darunter Winzermeister, ehemalige Weinköniginnen und Weinbau-Ingenieure. 15 davon probieren mehrere tausend Weinsorten im Jahr. Ist eine besonders vielversprechend, kauft die BASF sie gerne schon mal exklusiv auf. Eines der Wein-Highlights im nächsten Jahr, in dem die BASF ihr 150-jähriges Bestehen feiert, ist der australische Wein "Spirit of 1865", dessen edle Shiraz-Reben im Gründungsjahr der BASF gepflanzt wurden.

Ganz unüblich sind firmeninterne Kellereien nicht, sagt der Präsident des Weinbauverbandes Pfalz, Edwin Schrank. Auch die Bayer AG in Leverkusen unterhält einen Weinkeller. Und die ehemalige Hoechst AG aus Frankfurt betrieb sogar ein Versuchsweingut in der Pfalz. Dennoch spiele die BASF-Kellerei für die Weinregion Pfalz und die Verbreitung ihrer Produkte eine bedeutende Rolle: "Die Kellerei ist wie der Mutterkonzern BASF in der Pfalz fest verankert", sagt Schrank, der auch Vizepräsident des Deutschen Weinbauverbandes ist.

Das Besondere an seinem Weinkeller sei für ihn die Vielfalt, die Wein biete, sagt Wolff. "Jeder Tropfen erzählt uns die Geschichte eines Zusammenspiels unzähliger faszinierender Faktoren. Aus welchem Land stammt der Wein? Wie war der Boden beschaffen, auf dem er wuchs? Welchen Wettereinflüssen, war er ausgesetzt?" Wein sei für ihn "ein wunderbarer Einstieg in viele Geheimnisse". dpa