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04. Januar 2019

Weinkönigin Carolin Klöckner First Lady des Weins

Fotos: DWI

Fotos: DWI

100 Tage im Amt: Deutschlands Weinkönigin Carolin Klöckner wollte als Kind Astronautin werden - Sie ist die erste Majestät aus dem Anbaugebiet Württemberg seit 32 Jahren - Wie lautet ihre Bilanz nach gut drei Monaten?

Von Wolfgang Jung

«Vergangene Woche war ich in Wien, heute bin ich hier in Karlsruhe, nächste Woche gehts nach Berlin», sagt die junge Frau und streicht eine blonde Strähne zurück. «Die ersten Monate gingen unheimlich schnell vorbei.»

Weinkönigin Carolin Klöckner | First Lady des Weins

Weinkönigin Carolin Klöckner inmitten ihrer Wein-Prinzessinnen

Seit 100 Tagen ist Klöckner im Amt. Ende September gewann sie in Neustadt (Pfalz) die Jubiläumswahl, nun trägt sie als 70. Weinkönigin seit der Premiere 1949 ein Jahr lang die Krone. «Es ist immer noch unwirklich», sagt die 23-Jährige aus Vaihingen bei Stuttgart.

An diesem Tag gastiert Carolin Klöckner bei einem Weinseminar in Karlsruhe. In einem Einkaufszentrum der badischen Stadt moderiert sie ein Mehrgang-Abendessen und informiert die etwa 25 Gäste über die ausgeschenkten Weine. Für Getränke, Lachs, Hirschrückensteak und Bratapfel zahlen die Besucher 20 Euro. «Ich gönne mir mal etwas», sagt eine 38 Jahre alte Arzthelferin, die mit ihrem Mann am festlich gedeckten Tisch sitzt. Dass die Weinkönigin selbst den Wein ausschenkt, findet der 40-jährige Gatte «eine tolle Sache».

Charmant und kenntnisreich führt Klöckner durch den Abend. «Jetzt kommt mal ein Wein aus der Pfalz», sagt die Linkshänderin mit viel Schwäbisch in der Stimme und gießt einen trockenen Wein ein. Immer wieder greifen Gäste zum Mobiltelefon und schießen Selfies mit der Majestät. «Zum Silvaner passt klassische Musik ganz gut - zum Beispiel Beethoven», erzählt sie. Die «First Lady des Weins» sei eine perfekte Botschafterin der Branche, verlautet aus Winzerkreisen. Erste Erfahrung machte sie als regionale Weinkönigin in Württemberg.

Klöckner vertritt rund 20 000 deutsche Winzer aus 13 Anbaugebieten bei etwa 250 Terminen rund um den Globus. Bis 1999 galt als Bedingung, dass Kandidatinnen ledig sein und aus einer Winzerfamilie stammen mussten. In den ersten Jahrzehnten zählte vor allem ein hübsches Aussehen - längst ist aber auch Fachwissen wichtig. «Es ist erstaunlich, dass immer noch viele glauben, bei der Weinkönigin macht nur mit, wer es nicht zur Miss-Wahl geschafft hat», sagt Klöckner.

Fast jede ihrer Vorgängerinnen hat das Amt anders interpretiert. Aber nur wenige ehemalige Weinköniginnen sind so im Gedächtnis geblieben wie Julia Klöckner, die jetzige Bundeslandwirtschaftsministerin. Sie trug 1995, im Geburtsjahr von Carolin Klöckner, die Krone, und sie war bei der Wahl ihrer Namensvetterin in der Halle. «Klöckner und Klöckner: das ist natürlich der Running Gag», sagt Carolin Klöckner. Sie werde oft auf die Politikerin aus Bad Kreuznach angesprochen.

Gerade ist Pause in Karlsruhe. Carolin Klöckner isst ein Stück Lachs. «Das ist eine der größten Herausforderungen: Man bekommt immer lecker zu essen, hat aber kaum Zeit für Sport. Wie schaffe ich es also, auch weiter in meine Kleider zu passen?», fragt sie und lacht. Klöckner erhält vom Deutschen Weininstitut in Bodenheim (Rheinland-Pfalz) eine Aufwandsentschädigung. Für die Garderobe muss sie aber selbst sorgen. «Ich kaufe nicht für jede Veranstaltung neue Kleider. Jedoch würde es auffallen, wenn man oft dasselbe trägt. Ein Wechsel sollte sein.»

Klöckner studiert Agrarwissenschaften in Hohenheim bei Stuttgart. Universität und Amt lassen sich gut vereinbaren, wie sie sagt. Und wie geht es weiter nach der Amtszeit? «Die Gefahr ist natürlich, dass man in ein Loch fällt. Ich möchte in den nächsten Monaten in Ruhe nachdenken, in welche Richtung der Zug weiterfahren soll», meint sie.

Vorher möchte sie intensiv für deutschen Wein werben. «Winzersekte befinden sich auf Augenhöhe mit der internationalen Konkurrenz, auch mit Champagner. Das ist noch nicht genug bekannt», sagt Klöckner. Der warme und sonnige Sommer hat den deutschen Winzern eine deutlich größere Ernte eingebracht. «Wir werden sehr gute Mengen und eine sehr gute Qualität haben», sagt Ernst Büscher vom Deutschen Weininstitut.

Mit etwas mehr als 100 000 Hektar Ertragsrebfläche ist Deutschland - im Vergleich etwa zu Spanien oder Frankreich - vielleicht keine Weinanbauweltmacht. Aber deutscher Wein kommt international gut an. Etwa ein Achtel des Weins aus deutschem Anbau geht in den Export (2017: etwa 110 Millionen Liter). Deutschlands 70. Weinkönigin soll beitragen, diese Bilanz weiter zu verbessern: Das traditionsreiche Amt ist für die Branche auch ein wichtiges Marketing-Instrument. dpa