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20. April 2009

Weinkönigin - ein Vollzeitjob im Wandel

Das Amt der Wein-Königin will gelernt sein: Sie muss gute Reden halten, selbstbewusst auftreten, sich rund um Oechsle und Xylose auskennen und in Tokio, Taipeh und Hongkong charmant auftreten. Um sich für den königlichen Posten vorzubereiten, wurden am Wochenende in Trier 25 angehende Kronenträgerinnen gecoacht

Die ehemalige deutsche Weinkönigin Lydia Bollig-Strohm (1991/1992) bringt den jungen Frauen das königliche ABC bei, damit sie überzeugen und begeistern können. Für den Wein natürlich. "Es ist ein wichtiges Amt, bei dem man viel bewegen kann", sagt die 39-Jährige, die heute in Offstein (Rheinhessen) mit ihrem Mann ein Weingut führt, zu den Damen.

Grundlage sei viel Wissen über Wein, aber noch wichtiger sei, Freude zu vermitteln. Und je nach Veranstaltung die richtige Ansprache und passende Kleidung zu finden. "Bei einer Party von jungen Winzern müsst Ihr natürlich anders auftreten als beim Seniorennachmittag", sagt Bollig-Strohm, die seit 15 Jahren Prinzessinnen und Königinnen in Franken, in der Pfalz und an der Mosel trainiert.

Seit der ersten deutschen Weinkönigin vor 60 Jahren hat sich das Amt deutlich verändert. "Früher durfte sie anstoßen und zuprosten, aber nur in außergewöhnlichen Ausnahmen reden", sagt der Sprecher des Deutschen Weininstituts (DWI), Ernst Büscher. Bei ihren Auftritten trugen sie brav und stolz Trachten, hielten Zepter und Weinglas in den Händen und reisten maximal bis nach Bonn oder Berlin.

Ende der 1980er kam der Wandel: "Da wurden die Damen auf einmal kesser", sagt Büscher. Petra Mayer (1988/1989) trug plötzlich Jeans und küsste auf einer Schifffahrt US-Präsident George Bush sr. Mit forschen Frauen wurde das Amt moderner und entspricht heute einer "Botschafterin des deutschen Weines" - national und international.

"Das Amt der Gebiets- und deutschen Weinkönigin ist schon ein Vollzeitjob", sagt Bollig-Strohm. Rund 250 Termine warten immerhin auf eine deutsche Weinhoheit. Weltweit. Tokio, Taipeh, Hongkong sind Routine. Und ab diesen Jahr wirbt die deutschen Kronenträgerin erstmals auch in der Luft für deutschen Wein. Sieben Weinproben in der First Class seien 2009 bei Lufthansa geplant, sagt Büscher.

"Der Job geht nur, wenn man ihn als Hobby sieht", sagt Michaela Zimmer (25), Saar-Obermosel-Prinzessin. Auch wenn andere junge Leute sie manchmal belächelten - sie sei stolz, "etwas für die Kultur, Tradition und Region zu tun", sagt die Bankkauffrau. "Ihre" Königin Judith Schmitt (25), die Freizeit- und Tourismusgeografie an der Uni Trier studiert, liebt ihren Job auch. "Vielleicht bewerbe ich mich dieses Jahr als Gebietsweinkönigin", sagt sie.

Die Damen seien mit den Jahren anders geworden, meint Bollig-Strohm. Anfangs stammten alle Königinnen aus einer Winzerfamilie. Das war Pflicht. "Heute sind es noch wenige", sagt sie. Erzieherinnen, Studentinnen, Medienwissenschaftlerinnen - die Bewerbungen sind bunt und vielfältig. Und älter seien sie im Schnitt auch geworden. "Sie haben einfach eine Liebe zum Wein entdeckt."

Büscher findet den Wandel der jungen Frauen gut: "Sie tragen dazu bei, das Bild des deutschen Weines zu verändern und das Amt der Weinkönigin moderner zu machen", sagt er. Sie hätten erkannt, dass sie ein wichtiger Teil der Kommunikation für den deutschen Wein seien. Und dass ihr Ehrenamt auch ein politisches Amt sei.

Das auch Spaß macht. Im Ausland, gerade in Asien, würden die Königinnen hofiert und bewundert. Japaner wollten sich immer einzeln mit den Hoheiten ablichten lassen. Nur in Großbritannien übt die deutsche Majestät Zurückhaltung. "Da lassen wir sie nicht mit Krone auftreten. Da sind die Engländer dann doch ein bisschen empfindlich", sagt Büscher. (Birgit Reichert/dpa)