Wein
19. Oktober 2009

Weinlese in Deutschland

Die Bilanz der Lese 2009 von der Pfalz bis zum Rheingau - Das sagen die Winzer: hohe Qualität, geringe Menge

Die Winzer in Deutschland freuen sich in diesem Herbst über die teils hervorragende Qualität der Trauben, müssen jedoch bei der Erntemenge deutliche Einbußen hinnehmen. «Das werden fruchtbetonte typische Riesling-Weine, die durch die gute Reife ein tolles Aroma haben», sagt der Vorsitzende des Moselwein-Vereins, Adolf Schmitt, in Trier. Grund dafür seien die guten klimatischen Bedingungen in diesem Jahr. Einziger Wermutstropfen sei, dass sich die Blüte in mittleren Lagen verzögert habe. «Deshalb haben wir von der Menge her rund 20 Prozent weniger.»

Nach einer Krise auf dem Markt für Fasswein im Vorjahr würden die Preise für Wein von der MOSEL nun wieder anziehen. Dennoch: «Das Preis-Leistungsverhältnis wird einmalig sein», sagt Schmitt. Vereinzelt sei zwar schon mit der Lese begonnen worden, doch die Hauptarbeit stehe für die meisten Mosel-Winzer noch an und soll bis zum Monatsende abgeschlossen sein. Blieben die Trauben noch länger hängen, könnten sie beim Mineralstoffgehalt zulegen. «Unsere Riesling-Reben lieben das gemäßigte Klima», sagt Schmitt. «Es gab viel Sonne und es gehört eben auch Regen dazu.»

Auch am MITTELRHEIN sind die Winzer zuversichtlich. «Von der Menge her wird es etwas weniger, aber dafür ist die Qualität sehr gut», sagt die Sprecherin des Vereins Mittelrhein-Wein, Hiltrud Specht, in St. Goar. Zudem sei das kühle und oft neblige Herbstwetter bisher optimal. «Aber man soll den Jahrgang nicht loben, bevor er im Keller ist.» Zu viel Regen sei Gift für die Reben. Bisher seien nur die «frühen Sorten» und die Rotweine geerntet worden. Nun gehe die Weinlese erst richtig los.

Ganz anders sieht es an der AHR aus. Dort wollten viele Winzer ihre Weinlese schon an diesem Wochenende abschließen. «Einen Traum von Qualität» erwartet Reinhold Kurt vom Ahrweiler Winzer-Verein. Die Reben hätten all das, was für einen Rotwein nötig sei. Doch auch hier ist die Ausbeute geringer als zuletzt. Im Vergleich zum Vorjahr habe es beim Spätburgunder Einbußen von bis zu 40 Prozent gegeben, sagt Kurt. Grund sei ein Kälteeinbruch zur Blütezeit im Juni gewesen.

An der NAHE konnten die Winzer in diesem Jahr bei einem «bilderbuchmäßigen Wetter» mit der Lese beginnen, sagt Udo Bamberger, Oenologe am Staatsweingut in Bad Kreuznach. In den mit Riesling und Spätburgunder bepflanzten Weinbergen hingen viele Trauben noch an den Reben. «Jetzt sind die Winzer in Lauerstellung und warten mit der Lese nochmal ab.» Bei den Trauben, die bereits in den Kellern seien, zeichneten sich «äußerst erfreuliche Mostgewichte» ab - also ein hoher Zuckergehalt, ein wichtiges Kriterium für die Weinqualität.

Wegen der Trockenheit im August und im September werde die Menge auch an der Nahe deutlich geringer ausfallen als 2008. Der Saftanteil in den Beeren sei eher gering - was jedoch dem Weinaroma zu Gute komme. «Wegen der Konzentrierung konnten wir phänomenale Qualitäten ernten», sagt Bamberger. Vor allem der Riesling, von dem erst rund zehn Prozent eingefahren seien, werde wohl «bombastisch gut», beim Spätburgunder seien bereits «so hohe Mostgewichte wie nie zuvor» gemessen worden. «In der Summe sind wir also äußerst zufrieden, einziges Manko ist die Menge.»

Auch die Winzer an der PFALZ müssen in diesem Jahr mit weniger Most auskommen als im Vorjahr, da das Wetter während der Blüte nicht optimal war. Durch den eher trockenen Spätsommer seien die Beeren zusätzlich nicht so sehr in die Dicke gewachsen, sagt Weinbaupräsident Edwin Schrank. Es seien «exorbitante Mostgewichte» gemessen worden. In der Pfalz holen die Weingüter derzeit die letzten Traubenfuhren in die Keller. «Und da kann dann nicht mehr viel schiefgehen», sagt Schrank. «Ich bin sehr optimistisch, dass was Gutes draus wird.»

Nach einem ruhigen und guten Verlauf der Lese hätten die Winzer Trauben von «hervorragender Qualität» in den Keller fahren können, sagt auch die Sprecherin des Bauern- und Winzerverbandes Rheinland- Pfalz Süd, Andrea Adams. Allerdings beklagten die Weingüter bei den Mengen Einbußen von rund zehn Prozent im Vergleich zum Vorjahr. Einige lassen dennoch Trauben hängen - und hofften auf eine gute Eisweinernte. Die Chancen stehen nach den Worten von Adams gut, da es in diesem Herbst kaum Probleme mit Fäulnis gebe.

Die Winzer in Baden-Württemberg freuen sich in diesem Herbst über eine hervorragende Qualität ihrer Trauben. Kleiner Wermutstropfen: Sie müssen bei der Erntemenge deutliche Einbußen hinnehmen. Dennoch: Die diesjährigen Weine haben sich noch viel besser entwickelt als angenommen, meint ein Sprecher des Weinbauverbands Württemberg in Weinsberg bei Heilbronn. «Dieser Jahrgang wird dem Jahrhundertjahrgang 2003 qualitativ folgen», ist sich auch Präsident Hermann Hohl sicher. Die bisher geernteten Sorten lägen alle im Prädikatswein-Bereich. Nach Ansicht von Hohl «spricht alles dafür, dass auch unsere spätreifenden Sorten wie Lemberger, Schwarzriesling und Riesling diese Qualitätsstufe erreichen».

Die idealen Wetterbedingungen mit sonnigen Spätherbsttagen und nächtlichen Temperaturrückgängen, die vor allem die Aromareife nochmals verstärken, hätten den Trauben den letzten Schliff gegeben. Die Mengenbilanz schätzt Hohl auf bis zu 20 Prozent weniger als im Vorjahr, was einer Mosternte von knapp unter 100 Millionen Liter entspricht. Der Chef der Württembergischen Weingärtner- Zentralgenossenschaft (WZG) in Möglingen bei Ludwigsburg, Dieter Weidmann, geht sogar von Erntemindererträgen bis zu 25 Prozent aus.

Auch die Winzer in Baden sind äußerst zufrieden. «Der Jahrgang ist traumhaft», wirbt Gerhard Hurst, Präsident des Badischen Weinbauverbands. «Wir haben gesunde Trauben, es war eine unkomplizierte Lese.» Die Qualität sei hoch, allerdings hätten die Trauben durch die warme Witterung auch an Gewicht verloren. Daher sänken die Erträge. «Es wird Preiskorrekturen geben, das ist sicher», sagte Hurst. Auch aus dem Badischen werde im kommenden Jahr ausschließlich «mindestens Kabinettqualität» verkauft. Insgesamt rechnet Hurst mit 80 bis 85 Hektolitern Wein.

Die Rheingauer Winzer dürfen auf eine gute, aber nicht besonders ertragreiche Lese hoffen. «Die Qualitäten, die geerntet wurden, sind sehr sehr gut», berichtet der Geschäftsführer des Weinbauverbandes, Harald Sperling. «Wir können uns auf einen sehr guten Jahrgang freuen und hoffen, dass das auch preislich honoriert wird.» Der Geschäftsführer der Bergsträßer Winzer eG Otto Guthier sieht «einen außerordentlich guten Jahrgang» und «eine hervorragende Qualität» kommen. Gewinner seien die Verbraucher: «Sie bekommen Spätlesequalität zu günstigen Preisen.»

Eine erfreuliche Bilanz zieht auch der fränkische Weinexperte Hermann Mengler: «Wir haben ein langsames Wachstum gehabt. Wir haben ausreichend Niederschläge immer zum richtigen Zeitpunkt gehabt. Es war relativ warm, aber nicht zu hitzig.» Die Weingüter in Franken ernteten «kerngesundes Traubenmaterial» mit einer «guten stabilen Säure».

Die Winzer an Saale und Unstrut sind zufrieden: «Die Mostgewichte sind im Durchschnitt zehn Prozent höher als im vergangenen Jahr», sagt der Geschäftsführer der Winzervereinigung, Gerald Lange. In Sachsen wird wegen Frostschäden mit einem vergleichsweise geringen Ertrag gerechnet - dafür mit einem sehr guten Jahrgang. Das warme und sonnige Wetter kurz vor der Lese habe den Zuckergehalt in die Höhe schnellen lassen, erklärt Winzer Lutz Müller aus Dresden. (Andrea Löbbecke und Tobias Goerke, dpa)

Hintergrund:

Weinanbaugebiete in Deutschland