10. April 2008

Weinrallye 10: Über La Coulée de Serrant, Nicolas Joly und die Poesie der Rapsfelder

Der La Coulée de Serrant ist einer dieser Weine der Welt, deren Namen schwer auszusprechen und schwer zu schreiben sind. Nachdem ich ein paarmal geübt habe, klappt es inzwischen ganz leidlich. Mit beidem.

Die Anstrengung lohnt sich mit dem La Coulée de Serrant, dem berühmtesten aller Chenin blanc. Dem Wein-Mythos mit den vielen Superlativen. Denn es ist auch einer der am schwersten zugänglichen Weine der Welt. Er braucht Zeit zum Reifen und zum Altern.

Dafür vergisst man seinen Geschmack nicht. Ich erinnere mich an einen 98er, den ich mit Georg vor ein paar Jahren in Heiligendamm im Restaurant Friedrich Franz getrunken habe. Es hatte damals noch keinen Stern, die Atmosphäre war zu steif und das Essen teurer als gut.

Aber der Coulee, nee, Honig, würzige Reife, das typische Rapsfeld schon etwas verblüht, Heu, sehr langer Nachhall. Ein großer Wein, den man vor dem Kamin austrinken sollte.

Bei jungen Coulees steht mir immer ein volles, blühendes Rapsfeld vor Augen. Groß und gelb, wie ich sie aus Norddeutschland kenne. Dann gedenke ich meines Freundes Wolfram, der vor Jahren mit seiner kleinen Cessna über einem Rapsfeld abstürzte.

Den letzten Coulee hatte ich kürzlich in Düsseldorf beim wunderbaren BioDyn-Tasting der Gruppe Renaissance des Appelations um Nicolas Joly, dem Erfinder des Coulee und damit des berühmtesten Weins, der Biodynamisch hergestellt wird.

Nicolas Joly tanzte wie ein Weinguru durch das Seminar und verkündete auf seine verschmitze und kecke Art seine Einsichten über die Natur, die eigentlich jeder Mensch teilen kann, egal ob Physiker oder Chemiker, es hat alles seine charmante Logik.

So hole sich die Pflanze 95 Prozent ihrer Energie aus dem Licht, nur fünf Prozent aus dem Boden. Materie existiere nicht, nur die Atome. Die werden durch Gravitation zusammengehalten (hier zitiert Joly Max Planck). Durch Düngung geben Winzer der Rebe Salz zu, das sie durch hohe Wasseraufnahme wieder kompensiere, daher würden diese Weine auch "wässrig" schmecken.

Für mich ist Wein pures Sonnenlicht. Niko kann die ganzen Fragen zur Biodynamie: "Und wo sind die Beweise" nicht mehr hören. Wer Jolys Weine probiert, schmeckt das sofort.

Der in Düsseldorf verkostete 2006er war natürlich Baby-Mord, ein volles Rapsfeld sprang mir in die Nase, Honig, Klee, etwas Harz, Würze und Klarheit. Noch sehr verschlossen, aber mit wunderbarem Säurespiel und langem Abgang.

Es ist ein eigenes Universum, der Coulee de Serrant.

Grüße, Niko

(Hätte mir übrigens jemand etwas von der Bochumer Coulee-Verkostung gesagt, wäre ich doch glatt vorbeigekommen, für Coulee fährt Niko meilenweit. Und dann passt der Wein auch noch so schön zur Wein-Rallye 10 von Originalverkorkt, wo ab heute alles über die Rebsorte Chenin blanc steht).

Ach ja, nicht vergessen: demnächst erscheint Jolys neues Buch im Verlag Kornmayer. Das alte, "Beseelter Wein", findet sich ab und zu im Antiquariat.