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30. Januar 2009

Wie Rose und Litschi: Gewürztraminer

Wein-Seminar über den Gewürztraminer in 6 Akten mit Marlene "bottleplot" Duffy, Fabian Lange und der Kellerei Tramin

Vorspiel

Gelblich schimmert der Gewürztraminer im Glas. Der Duft von Rosen, Litschis und Honig steigt in die Nase. Ein Geschmacksfeuerwerk aus einer Mischung von tropischen Früchten und schweren orientalischen Gewürzen wie Zimt und Vanille trifft den Gaumen. "Dieser Wein ist ganz opulent, extrem in den Aromen und dadurch blind zu erkennen", sagt Sommelière und bottleplot-Macherin Marlene Duffy aus Hamburg. Von einer "einzigartigen Rebsorte" spricht auch Fabian Lange, Weinkritiker und Autor aus Frankfurt/Main. Viele, die den Wein zum ersten Mal probieren, hätten den Eindruck, dass etwas Künstliches daran sei. "Der Gewürztraminer ist der Freak unter den Weißweinen."

Die Herkunft

Etwas weniger drastisch urteilt sich Willi Stürz von der Kellerei Tramin: "Der Gewürztraminer ist ein sehr eigenständiger Wein, der als Spezialität getrunken und verkauft wird." Die nach dem Ort Tramin in Südtirol benannte Traube gilt als eine der ältesten, wenn nicht sogar als die älteste Kulturrebsorte der Welt. Schon in Dokumenten aus dem 13. Jahrhundert finden sich Hinweise auf den Wein, im 15. Jahrhundert war er wohl die am häufigsten angebaute Sorte in Südtirol.   

Heute macht er in der nördlichsten Region Italiens gerade 8 Prozent der gesamten Weinanbaufläche aus. Gut 90 Prozent des heimischen Traminers trinken die Italiener selbst. "Das Land schreit förmlich nach Südtiroler Gewürztraminer", sagt Stürz. Anderswo greifen Kunden deshalb vor allem zu Produkten aus dem Elsass: Dort sei der Traminer die bekannteste Sorte und werde auf rund 20 Prozent aller Weinberge angebaut, sagt Sommelière Duffy. Aber auch in Deutschland wird er angebaut, vor allem in Baden und in der Pfalz. "Hier ist es keine von der Menge her bedeutende Sorte, aber eben eine Kultrebsorte, die ihre Fangemeinde hat."

Die Rebe

Die Farbe der vergleichsweise kleinen Beeren ist rötlich, je nach Sonneneinstrahlung könne sie aber von leicht rosa bis hin zu orange-gelb variieren, sagt Winzer Stürz. Die Rebe sei sehr blühanfällig. Das heißt: "Wenn es während der Blüte regnet, bekommen wir eine derart geringe Traubenanzahl, dass die Erträge der einzelnen Jahrgänge stark schwanken." Die Früchte erzielen laut Duffy hohe Mostgewichte, es bildet sich also viel Zucker darin, so dass später viel Alkohol entstehen kann.  

Generell werde der Gewürztraminer in Südtirol trocken ausgebaut, sagt Stürz. Unterschiede zwischen den einzelnen Lagen gebe es dennoch: "Am südlichen Alpenhauptkamm bekommt der Traminer bei uns mehr Sonne und ist dadurch würziger. Am nördlichen Kamm fällt er dagegen blumiger aus." In den nördlich von Südtirol gelegenen Regionen ist der eher süßliche, halbtrockene Ausbau verbreitet. Dadurch sei der Wein zum Beispiel aus dem Elsass etwas runder, sagt Lange. Zwischen 13 und 15 Prozent Alkoholgehalt hat der Südtiroler Wein, aber auch die 12,5 bis 13,5 Prozent im Elsass sind schon viel.

Die Aromen

Der fertige Wein hebt sich von anderen Sorten deutlich ab: Er sei im Gegensatz zum säurehaltigen Riesling mild in der Säure, erklärt Duffy. Lange bezeichnet ihn als ausdrucksstärker und vielschichtiger als zum Beispiel Chardonnay. Das Leitaroma Rose unterteilt er noch einmal: "Der Duft von gelben Rosen macht den Wein schön schwermütig und marzipanig, rote oder rosa Rosen lassen ihn dagegen spritziger erscheinen". Neben dem dominanten Litschi-Aroma sei oft auch der Geschmack von vollreifen Mirabellen, Aprikosen oder einer sehr reifen Banane zu entdecken. Die herben, würzigeren Traminer-Sorten haben laut Duffy das Aroma von Ingwer, Muskatblüten oder Anis.

Die Speisen

Die Verbindung mit Speisen bietet sich also an, auch wenn der Traminer oft als typischer Aperitifwein gilt. Fabian Lange empfiehlt ihn als Begleiter eines intensiven, scharfen Essens mit Curry oder Zitronengras, aber auch zu Couscous mit arabischen Gewürzen. Auch das würzige, rauchige Aroma von Südtiroler Speck bringe der Wein gut zur Geltung, sagt Stürz. Verbinden lasse er sich außerdem mit Meeresfisch oder Krustentieren. Ein trockener bis ganz leicht süßer Traminer passe zu einem Rotschimmelkäse, eine edelsüße Variante zu Blauschimmelkäse wie Roquefort.  

Klassisch elsässisch dagegen ist die Kombination mit Leberpastete. Auch zu Flammkuchen werde er dort getrunken, erläutert Duffy. Die süßlich karamellisierten Zwiebeln darauf harmonierten mit der süßen Note des Gewürztraminers. Auch Gerichte, die normalerweise nicht mit einem Weißwein getrunken werden, hält sie für kompatibel: eine kross gebratene Ente in Orangensoße mit Sternanis zum Beispiel.  

Der Abgang

Schließlich dürfen auch die Süßspeisen nicht fehlen. "Zu Desserts geht er, wenn er restsüß ausgebaut ist, zum Beispiel als Beerenauslese", sagt Expertin Duffy. Ein interessanter Gegensatz zu dem fruchtig-floralen Wein sei Schokolade, eine harmonische Einheit bilde dagegen eine Crème brulée mit Rosenblütenaroma. Als ideale Trinktemperaturen gelten neun bis elf Grad Celsius, am besten wird die Flasche nach dem Einschenken weiter gekühlt. (Nina C. Zimmermann/dpa)