WEIN
02. Dezember 2009

Winebank Balthasar Ress

Fotos: Ress/Winebank

Erste Weinbank im Rheingau zum Einlagern von Wein im Weingut Balthasar Ress

Vom Bankschließfach zum Weinschließfach: Im Rheingau will ein Winzer mit einer neuen Geschäftsidee Kunden locken - Christian Ress vom Weingut Balthasar Ress in Eltville-Hattenheim stellte jetzt die «Winebank» vor.

Der Clou dabei: Wer dort seinen Wein einlagert, erhält eine Chipkarte und damit rund um die Uhr Zugang zu dem Weingewölbe. Dort kann er seine in vergitterten Fächern eingeschlossenen Kostbarkeiten bewundern - oder auch gleich trinken, denn eingebaut ist in dem Keller gleich auch eine Theke.

Dieses Konzept sei in dieser Form einmalig in Deutschland, sagt Christian Ress. Der 35-Jährige ist bekannt für seine Marketingideen. Im Sommer legte er den nördlichsten deutschen Weinberg auf Sylt an und verschaffte sich damit bundesweit Aufmerksamkeit.

Die Weine anderswo als im eigenen Keller einlagern zu lassen, ist dagegen nichts Neues. Nicht jeder hat schließlich überhaupt einen Keller oder einen Raum, der für die Lagerung des kostbaren Rebsaftes geeignet ist. «Man kann seinen Wein oft auch direkt beim Winzer einlagern lassen», sagt Ernst Büscher vom Deutschen Weininstitut. Denn dort herrschten ideale Bedingungen. Eine Alternative sind spezielle Weinkühlschränke, die den kostbaren Rebsaft bei konstanten Temperaturen halten. Auch bei einigen Restaurants sei es möglich, seine Weine dort zu lassen, erzählt Christian Ress.

Sobald sich die schwere Eingangstür zur «Winebank» in Eltville-Hattenheim öffnet, geht das Licht an und Musik erklingt. Über eine Treppe geht es dann in ein Gewölbe, das in Teilen bereits im 17. Jahrhundert erbaut und zuletzt nicht mehr genutzt wurde, wie Ress berichtet. Dort stehen große Regale mit Gittern vor den einzelnen Fächern. 223 Schließfächer in verschiedenen Größen und drei begehbare Weinkeller stehen bereit. «Was für die Frau der begehbare Kleiderschrank, ist der begehbare Weinkeller für den Weinenthusiasten», sagt der Winzer.

Zwei der drei Weinkeller hat er bereits vermietet. Ein amerikanischer Geschäftsmann aus Washington hat in einem seinen Rheingau-Wein eingelagert. Nur etwa zehn Tage im Jahr sei der Mann hier, erzählt Ress. 1400 Flaschen hat er in den Regalen stehen, etwa 2700 passen insgesamt hinein. «Dort unten», wie Ress den Keller gerne nennt, herrschen für den Wein ziemlich optimale Lagerbedingungen. Die Temperaturen bewegten sich über alle Jahreszeiten konstant zwischen 13 und 15 Grad Celcius, sagt Ress. Die Luftfeuchtigkeit liegt bei 60 bis 70 Prozent. Eingebaut sind LED-Lampen, die kaum Wärme abstrahlen und auch sonst den Wein mit ihrem Licht nicht schädigen.

Weingut Ress versenkt den Wein Resspekt im See

Ganz billig ist ein Schließfach nicht: Etwa 50 Euro pro Monat Miete werden alleine für ein kleines Fach fällig, in das etwa 35 Weinflaschen passen. Über die Preise für die begehbaren Keller will Ress gar nicht erst sprechen. «Da sind wir diskret, auch dem Kunden zuliebe.» Sein Angebot richte sich an Unternehmer, aber auch «Weinfreaks.» Offiziell eröffnet wird die «Winebank» an diesem Samstag. (Jan Brinkhus, dpa) www.winebank.de