REISE
30. Oktober 2009

Wintersport in Arosa

Unterwegs mit Skiern, Snowboards und dem Heißluftballon in Arosa in der Schweiz

Es ist ein klarer, fast windstiller Wintermorgen. Einsam dreht ein Langläufer seine Runden auf dem zugefrorenen Obersee, und nur einige Hundebesitzer sind mit ihren Vierbeinern unterwegs. Betriebsamer wird es in Arosa in der Schweiz erst später an diesem Vormittag. Dann rollen immer mehr Jeeps, alle mit Anhängern, auf die Eisfläche. Große Pakete und Körbe werden entladen.

«Sie werden staunen, wie schnell aus einem kleinen Knubbel mit einem Volumen von 1,5 Kubikmetern ein Ballon wächst, der mehr als 4000 Kubikmeter Volumen besitzt», sagt einer der Piloten. Schon nach einer halben Stunde ist ein Dutzend bunter Ballons prall mit heißer Luft gefüllt und startklar zum Abheben. «Lust zum Mitfahren?», fragt der Pilot. Zwei Gäste sind mutig und klettern in den Korb. Rasch werden die Seile gelöst, und der Ballon steigt langsam auf. Aus der Vogelperspektive erleben die Mitfahrer, wie schön diese Bergwelt mit ihren weißen Riesen ist.    

Arosa, am Ende des Schanfiggtals auf 1800 Metern gelegen, hat seinen Besuchern aber noch viel mehr zu bieten. Schon die Anreise von Chur ist ein Erlebnis. Wer mit dem Auto kommt, meistert auf der 30 Kilometer langen Strecke 365 Kurven und überwindet dabei 1150 Höhenmeter. Eine bequeme Alternative ist die Fahrt mit der Rhätischen Bahn. Eine Stunde braucht der feuerrote Zug, um sich nach oben zu arbeiten. Dabei verschwindet er 19 Mal in schwarzen Tunnels und überquert zahlreiche Brücken, darunter den 62 Meter hohen Landwasserviadukt über die Plessur, eine technische Meisterleistung. Die Fahrt führt an zerklüfteten Berghängen vorbei, an die sich weiß gepuderte Fichten klammern. In Arosa angekommen, öffnet sich das Tal.    

Wie ein Spinnennetz überziehen Lifte und Bergbahnen die Südhänge der Skiarena und bieten rund 60 Kilometer präparierte Pisten. Die Gondeln der Weisshornbahn zum Beispiel bringen die Wintersportler in zwei Etappen auf den 2653 Meter hohen Gipfel. «Bevor Sie die Skier anschnallen, genießen Sie doch erstmal die wunderbare Aussicht auf die schneebedeckten Bergketten», rät der Skilehrer Rene Arn. Dann geht es die mittelschwere Abfahrt hinunter bis zur Mittelstation oder zur Tschuggenhütte. «Wir haben zwar auch einige schwarze Pisten wie die Abfahrt vom Hörnli. Doch wer zeigen will, was er kann, ist vielleicht anderswo besser aufgehoben», sagt Rene.    

Das Aroser Weisshorn bietet aber auch steile Rinnen und Abfahrtsmöglichkeiten für anspruchsvolles Freeriden. Rettich nennt sich die große Rinne, die man während der Gondelfahrt auf den Gipfel auf der linken Seite einsehen kann. Der Einstieg ist sehr steil, aber nicht allzu eng. Nach 400 rasanten Höhenmetern kommt ein Flachstück. Danach folgt ein Steilhang, der direkt auf die Piste und zur Mittelstation führt.    

Auch wer nicht auf Skiern oder Snowboards stehen will, kommt in Arosa auf seine Kosten. Es gibt mehr als 60 Kilometer präparierte Wanderwege, viele davon schlängeln sich mitten durch die Skigebiete. Eine der schönsten Routen führt über die mächtige Schulter des Weisshorngipfels. Die Wanderer starten von der Bergstation und schlagen den Weg hinunter zur Sattelhütte ein. Über einen kurzen steilen Aufstieg auf das Brüggerhorn führt der Pfad weiter bis zur Scheidegg. Von dort können sie direkt nach Prätschli laufen oder sich für eine längere Wanderung über den Aussichtspunkt Rot Tritt entscheiden. Beide Strecken locken mit Aussichten auf das Schanfigg bis zum Weissflühgipfel.

«Schauen Sie, das da unten ist mein Arbeitsplatz», sagt Rene Arn und beschreibt mit seinem Skistock einen Bogen über die Loipen des Langlaufzentrums Maran. Schon vor einigen Jahren hat der gelernte Koch die Enge einer Restaurantküche gegen die Weite der Bergwelt eingetauscht, eine Entscheidung, die er bis heute nicht bereut.    

Immer mehr Besucher genießen die Bergwelt auch beim Schneeschuhlaufen. «Anfänger führen wir im leichten Gelände durch die Wälder und Lichtungen der Maraneralp, die Wanderung auf dem Prätschlitrail geht dagegen auf die Höhen der Prätschalp», sagt Rene.    

Begonnen hat die Tourismus-Karriere Arosas als Höhenluftkurort. Das Klima erwies sich als ideal für Tuberkulosekranke. 1888 wurde das erste Sanatorium eröffnet. Erst als Mitte der 1950er Jahre neue Medikamente auf dem Markt erschienen, wurde die Therapie umgestellt. Aus den Krankenhäusern wurden Hotels und aus den Pflegern Skilehrer.    

Heute präsentiert sich Arosa aktiv, sportlich und alpin. Um mit der Zeit zu gehen, wurde ein Humorfestival ins Leben gerufen, das inzwischen zum größten Kleinkunstfestival der Schweiz geworden ist. Die 18. Ausgabe findet vom 3. bis 13. Dezember 2009 statt.    

Stolz ist Pascal Jenny, Direktor von Arosa Tourismus, auch auf das Berg-Spa. Wie gläserne Segel ragen die Dachspitzen der «Tschuggen Bergoase» 13 Meter hoch aus dem Berghang. Am Tag lenken sie die Sonnenstrahlen in den Wellnessbereich des Grandhotels, nachts leuchten sie in die Bergwelt Arosas und gelten als neues Wahrzeichen des Ferienorts. (Detlef Berg, dpa)

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