REISE
26. Dezember 2017

Kanadas Skiresort Nummer eins Wintersport in Whistler

Kanadas Skiresort Nummer eins | Wintersport in Whistler, Foto: Whistler Blackcomb © Destination British Columbia

Whistler boomt. Nordamerikas größtes Skigebiet zieht Skiurlauber und Profis magisch an. Kanadas Skiresort Nummer eins hat einfach alles. Wer es in British Columbia ruhiger mag, fährt nach Sun Peaks oder - ganz exklusiv - zum Heliskiing.

Von Bernhard Krieger

Whistler ist die Diva unter den nordamerikanischen Skiresorts. Wunderschön, verführerisch und umschwärmt - aber auch ein bisschen launisch. Mit Wärmeeinbrüchen und Regen im Tal stellt sie die Liebe ihrer Verehrer immer wieder mal auf die Probe. Auf 652 Metern Höhe in den kanadischen Coast Mountains nördlich von Vancouver gelegen, ist Nordamerikas größtes Skigebiet zumindest im Ort anfällig für Wetterkapriolen. Die Nähe zum Pazifik ist an wenigen Tagen im Winter ein Fluch, ansonsten aber ein Segen. "Denn wenn es unten wirklich mal heftig regnet, schneit es oben wie verrückt", sagt Darryl Bowie. Im Durchschnitt zwölf Meter pro Jahr.

Bowie ist einer der vielen leidenschaftlichen Skifahrer und Snowboarder, die der Diva verfallen sind. Schon die Anfahrt von Vancouver über den Sea-to-Sky-Highway vorbei an Fjorden und Bergen ist überwältigend, die Kulisse des von tausenden Lichterketten in Szene gesetzten Resorts atemberaubend. Rundherum glitzern mächtige Gletscher, wuchtige Gipfel ragen in den Himmel.

Whistlers Skiberge, Blackcomb mit dem Horstman Gletscher und der 2182 Meter hohe Whistler Mountain, scheinen wie geschaffen für Wintersportler. Seitdem beide durch die Peak 2 Peak Gondola verbunden wurden, ist ihr Lift- und Pistennetz annähernd perfekt. Über 3024 Meter hinweg spannt sich das Seil der Gondelbahn 436 Meter über dem Fitzsimmons Creek-Tal. Damit ist die Peak 2 Peak Gondola die längste und höchste frei über Grund schwebende Seilbahn der Welt.

Anders als in Alpen-Skigebieten darf man in Whistler innerhalb der Skigebietsgrenzen überall abfahren. "Ski what you can see", laute das Motto, sagt Bowie. So bieten sich unzählige von der Ski Patrol auf Lawinengefahr hin überwachte Tiefschneeabfahrten rechts und links der präparierten Pisten. Diese sind die Spielwiese für Könner wie Bowie. Der frühere Ski-Freestyle-Spitzensportler ist einer der Coaches von Extremely Canadian. Speziell ausgebildete Skilehrer unterrichten in kleinen Gruppen mit Videoschulung, wie man extrem steile Hänge und tiefen Pulverschnee bewältigt.

"Whistler ist zwar ein Skigebiet für jedermann, will man aber sein gesamtes Potenzial nutzen, muss man verdammt gut sein", erzählt Bowie. Und das sind viele in Kanadas Vorzeigeskigebiet. Kein Skigebiet Nordamerikas zieht Freeride-Stars so magisch an wie Whistler. Vor allem sein Hinterland im Garibaldi Provincial Park ist ein wahres Tourengeher- und Tiefschneefahrer-Paradies.

Die Experten treibt es immer häufiger hinaus ins einsame Backcountry, weil es ihnen im Skigebiet zu voll wird. Der Austragungsort der Ski-, Bob- und Rodel-Wettbewerbe der Olympischen Spiele von 2010 in Vancouver boomt. In der Nebensaison ist Whistlers Fußgängerzone mit ihren imposanten Hotels, mehr als 200 Läden sowie über 150 Restaurants und Bars voller als andere Skiresorts in den Weihnachtsferien.

Der Run auf Whistler lässt sich leicht erklären: Kein Skiresort in Nordamerika bietet mehr Abwechslung auf und abseits der Pisten, und kaum ein Skiresort hat in den vergangenen Jahren so viel und regelmäßig Schnee bekommen. Auch der günstige Kanadische Dollar hilft. Dass der US-Ski-Konzern Vail Resorts 2016 Whistler für schätzungsweise knapp eine Milliarde Dollar gekauft hat, gibt einen zusätzlichen Schub. Die Vail Resorts investieren gezielt in Optimierungen der Hütten und Lifte und schaffen mit dem in diesem Winter eröffneten Skywalk über der Whistler Bowl neue Attraktionen.

Wem Whistler zu trubelig wird, findet in der Nachbarschaft genügend Alternativen. British Columbia (BC) bietet ein Dutzend international bekannter Skiresorts. Das 350 Kilometer entfernte Sun Peaks liegt am nächsten und ist mit Whistler sogar durch ein Shuttle-Bus-System verbunden. Sun Peaks ist eine Art Whistler im Boutique-Format. Fast alle Unterkünfte bieten Ski-in-Ski-Out. Auf Skiern gleitet man durch die Fußgängerzone an den paar Restaurants, Cafés und Bars vorbei zu den Liften. Die führen hinauf auf die zwei Hausberge Mount Morrissey und Mount Tod, der kürzlich um ein ansehnliches Expert Terrain mit unpräparierten Hängen erweitert wurde.

Sun Peaks ist berühmt für seine oft menschenleeren Pisten und die mystischen Snowghosts, wie die Kanadier die von Schneekrusten überzogenen Bäume auf den Gipfeln nennen. Auf Sun Peaks rieseln zwar durchschnittlich "nur" sechs Meter Schnee pro Saison, dafür ist er aber viel trockener als in den Coast Mountains rund um Whistler, so dass er das Prädikat "Champagne Powder" wirklich verdient.

Sechs Meter Schnee sind für die Heliskiing Lodges nördlich von Sun Peaks und Whistler nichts. In den Hochlagen ihrer Gebiete fallen zum Teil über 20 Meter Schnee pro Saison. In der weißen Winterwildnis British Columbias verstecken sich einige der besten Heliskiing Anbieter der Welt. Der Erfinder und Weltmarktführer Canadian Mountain Holidays (CMH) betreibt dort die "Cariboos Lodge", Heliskiing-Legende Mike Wiegele das größte einzelne Heliskiing-Resort in Blue River.

Wer weiter nördlich in den Heli steigt, nutzt in der Regel Whistler als Warm-up für seine Höhenflüge bei Anbietern wie Bearpaw Heliskiing oder Bella Coola Heli Sports an der Küste. Bella Coola hat mit fast 10.700 Quadratkilometern das größte private Heliskiing-Terrain der Welt. Auf einer Fläche, die größer ist als die gesamten Schweizer Alpen, verteilen sich gerade einmal vier Lodges. Während in den Schweizer Alpen in einer Woche Hunderttausende Skifahrer und Snowboarder unterwegs sind, sind es im Bella Coola-Areal maximal 40. dpa

Reiseziel: Whistler ist das größte Skigebiet Nordamerikas. Der Austragungsort zahlreicher Wettbewerbe der Olympischen Spiele von 2010 in Vancouver liegt in der kanadischen Provinz British Columbia. Von Vancouver ist Whistler knapp zwei, von Kanadas zweitgrößtem Skigebiet, Sun Peaks, viereinhalb Autostunden entfernt.
Skigebiets-Daten: Whistler (675 bis 2182 Meter), rund zwölf Meter durchschnittlicher Schneefall pro Jahr, über 200 Abfahrten (20 Prozent leicht, 55 Prozent mittel, 25 Prozent schwer), 37 Lifte.
Sun Peaks (1255 bis 2152 Meter), rund sechs Meter durchschnittlicher Schneefall pro Jahr, 135 Abfahrten (10 Prozent leicht, 58 Prozent mittel, 32 Prozent schwer), 12 Lifte.
Anreise und Formalitäten: Die meisten Flüge nach Vancouver (Whistler) und Kamloops (Sun Peaks) bietet Air Canada (www.aircanada.de). Von beiden Airports und zwischen den Skiresorts fahren Busse. An den Flughäfen gibt es Mietwagenstationen. Deutschen Reisenden reicht ein gültiger Reisepass und eine vorher online eingeholte elektronische Reisegenehmigung (eTA) zur Einreise.