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05. August 2018

Winzer an Saale und Unstrut Ernteverluste bis zu 30 Prozent

Die Hitze treibt den Winzern an Saale und Unstrut die Schweißperlen und Sorgenfalten auf die Stirn. Die Reben müssen vom Stock, eher als sonst - und es sind weniger als im Superjahr 2017. Wie die Qualität wird

Die Winzer an Saale und Unstrut rechnen laut Weinbauverband mit Einbußen bei der Erntemenge für den Jahrgang 2018 von 20 bis 30 Prozent. «Das wird wohl so sein», sagte der Präsident des Weinbauverbandes Saale-Unstrut, Siegfried Boy. Grund sei die extreme Trockenheit und Hitze. Im Vergleich zu anderen Weinanbaugebieten habe es in Ostdeutschland in den vergangenen Monaten viel weniger bis gar nicht geregnet. «Der Wein durstet», sagte er.

Die Trauben seien wegen der vielen Sonnenstunden aber auch sehr gehaltvoll gewachsen. Die Weinernte werde daher so früh wie lange nicht beginnen, zuletzt sei dies 2003 so gewesen.

Fast alle heutigen Thüringer Weinlagen wurden erst nach 1990 wiederbelebt. Ihre Geschichte reicht aber teils Hunderte Jahre zurück. Einige Winzer versuchen, den eigenen Charakter ihrer Lagen herauszuarbeiten und das «Terroir» der Weine schmeckbar zu machen. Die Winzervereinigung Freyburg-Unstrut bewirtschaftet in Thüringen rund 48 Hektar Rebfläche.

Die Lese für den Federweißen stehe eventuell schon in zwei Wochen an. Dieser sehr junge und vom Geschmack her eher süße Wein mit wenig Alkohol wird traditionell vor der großen Lese hergestellt. Dazu gehören laut Boy Ortega und Bacchus.

Nach Angaben des Deutschen Weininstituts (DWI/Bodenheim/Rheinland-Pfalz) wird die Weinlese angesichts der Witterung in diesem Jahr bundesweit außergewöhnlich früh beginnen. Die Reben sind den Angaben zufolge im Vergleich zum langjährigen Mittel ihrer Entwicklung teils drei Wochen im Voraus.

Ob die Qualität der Weine Mengeneinbußen für die Winzer wettmachen wird, hängt vom Wetter während der Lese ab und kommt letztlich nach der Verarbeitung im Weinkeller zum Vorschein. Die Weinbauern an Saale und Unstrut hatten laut Boy im Vorjahr im Vergleich zu allen anderen deutschen Weinanbaugebieten eine der besten Ernten der vergangenen Jahre eingefahren. Der Ertrag lag bei gut 5,5 Millionen Liter Wein.

Das mehr als 1000 Jahre alte und rund 770 Hektar große Anbaugebiet umfasst neben Lagen in Thüringen auch in Sachsen-Anhalt und Brandenburg. Es gehört zu den kleinen unter den 13 Anbaugebieten von Qualitätswein in Deutschland und ist geprägt von Weinbergterrassen und einer Vielfalt vor allem an weißen Sorten und Raritäten, etwa beim Rotwein der André.

Zu den typischen Weinen gehören die Weißweine Müller-Thurgau, Silvaner, Weiß- und Grauburgunder sowie der Riesling, beim Rotwein Portugieser und Dornfelder. Das Landesweingut Kloster Pforta (Bad Kösen/Burgenlandkreis) bewirtschaftet nach eigenen Angaben Flächen, die zu den ältesten Weinbergen in der Region zählen. Größter Weinbauproduzent in Ostdeutschland ist die in Freyburg (Burgenlandkreis) ansässige Winzervereinigung.

Nach Angaben von Geschäftsführer Hans Albrecht Zieger hat die Vegetation im Weinberg einen deutlichen Vorsprung gegenüber früheren Jahrgängen. Deshalb werde wohl schon am 1. September mit der Lese begonnen, erklärte er. Dadurch würden sich auch Termine für die Bonituren - die Inspektion in den Weinbergen vor der Lese - nach vorn verschieben.

Bislang wurde meist erst nach dem Freyburger Winzerfest (7. bis 10. September 2018), das traditionell am zweiten Septemberwochenende gefeiert wird, für die Mitglieder der Genossenschaft der Start für die Lese für den neuen Jahrgang gegeben. dpa