07. Oktober 2011

Winzer erwarten sehr guten Jahrgang 2011

Das Weinjahr 2011 bedeutet für viele Weingüter ein Wechselbad der Gefühle. Nach Frostschäden im Mai und Hagel im August kam im September die Wende: Perfektes Lesewetter rettet den Jahrgang

Nach einer Saison mit Höhen und Tiefen erwarten die rheinland-pfälzischen Weingüter einen sehr guten Jahrgang 2011. Die Winzer seien zu einem der frühesten Termine seit Beginn der Aufzeichnungen in die Lese gestartet und freuten sich nun über durchweg gesunde und reife Trauben, sagt der Sprecher des Deutschen Weininstituts, Ernst Büscher, in Mainz. Vor allem der trockene, sonnige Spätsommer sorgte für einen Qualitätsschub.

Weniger gut hatte es in einigen Weinbergen im Mai ausgesehen, als unter anderem in der Pfalz und in Rheinhessen ein später Frost die Blüten erfrieren ließ. Die erwartete Erntemenge liegt landesweit etwas unter dem Durchschnitt der vergangenen zehn Jahre - das Statistische Landesamt rechnet mit rund sechs Millionen Hektoliter Weinmost.

«Der 2011er hat die Chance, zu einem großen Jahrgang zu werden», sagt der Präsident des Verbandes der Deutschen Prädikatsweingüter (VDP), Steffen Christmann, im pfälzischen Neustadt. Ob es ein Jahrhundertjahrgang in der Tradition der «Elfer» wird, entscheide sich nun im Keller. So gilt der 1811-Jahrgang als legendär und wurde sogar von Johann Wolfgang von Goethe gepriesen. «Viele Winzer haben dieses Jahr ein Wechselbad der Gefühle erlebt», berichtet Christmann. Mit dem idealen Lesewetter sei nun eine Reife erreicht, «die man so dem Jahrgang nicht mehr zugetraut hätte».

Erste Stimmen der VDP-Winzer

Bei den Qualitäten rage dieses Jahr im größten deutschen Weinbaugebiet Rheinhessen neben dem Riesling der Silvaner heraus, sagt der Sprecher von Rheinhessenwein, Bernd Kern. Die Rotweine seien sehr farbintensiv und zeigten ein dichtes Aroma. Daher gelte für die rheinhessischen Winzer trotz einiger Wetterkapriolen «Ernte gut - alles gut».

Glückliche Gesichter auch auf dem Weingut Wagner in Essenheim nahe Mainz: «Top von der Qualität, brauchbar von der Menge», fasst Andreas Wagner den 2011er zusammen. Nach den mengenmäßig eher kleinen Jahrgängen 2009 und 2010 seien bei ihm viele Weinsorten ausverkauft. Dank der frühen Lese könnten nun voraussichtlich schon Anfang Dezember die ersten neuen Weißweine in den Verkaufsregalen stehen, sagt Wagner.

Winzer Felix Prinz zu Salm-Salm ist mit der Ernte auf seinem Weingut Villa Sachsen in Bingen ebenfalls rundum zufrieden. Das Verhältnis vom Zuckergehalt zur Säure sei «wie im Bilderbuch». Auch die Nahe-Winzer erwarten einen «tollen Jahrgang». Das warme Wetter der vergangenen Woche sei aber auch eine Herausforderung gewesen: Um eine unkontrollierte Gärung zu vermeiden, habe während der Lese mitunter sogar Trockeneis eingesetzt werden müssen, hatte die Gebietsweinwerbung Weinland Nahe mitgeteilt.

«Die Qualität ist hervorragend», heißt es von der Mosel, wo die Rieslinglese in den Steillagen noch im vollen Gange ist. Viele Weingüter ließen die gesunden Trauben bewusst noch bis zur Vollendung reifen, da so weitere Mineralstoffe gebildet werden, sagt Adolf Schmitt, Geschäftsführer der Saar Mosel Winzersekt GmbH in Trier. «Dies bedeutet, dass die Ernte vereinzelt bis Anfang November andauert.»

Die deutschen Winzer haben nach Einschätzung des Deutschen Weininstituts von den Klimaveränderungen der vergangenen Jahre profitiert. Extrem kalte Jahre, in denen man wie noch bis vor rund 25 Jahren in den nördlichen Regionen um die Vollreife mancher Sorten bangen musste, habe es seit Ende der 1980er Jahre nicht mehr gegeben. dpa