11. September 2009

Winzer protestieren gegen geplante Moselbrücke

Protest von Molitor, Prüm und Autor Hugh Johnson: Der Bau der geplanten Moselbrücke zwischen Ürzig und Rachtig (Kreis Bernkastel-Wittlich) ist nach Ansicht von Spitzenwinzern eine ernste Gefahr für einige der besten Weinlagen Deutschlands

«Wir befürchten, dass sich der Bau negativ auf den Wasserhaushalt der Weinberge auswirkt», sagte Manfred Prüm vom Weingut Joh. Jos. Prüm in Bernkastel-Wehlen. Seine Reben stehen in bekannten Lagen wie «Zeltinger Sonnenuhr», «Wehlener Sonnenuhr» und «Graacher Himmelreich». Bei einem «Last Chance Wine Forum» protestierten heute Winzer in Ürzig gegen den Hochmoselübergang, einem der größten Brückenbauprojekte Deutschlands.

Wenn das Erdreich oberhalb der Steilhänge für den Straßenbau versiegelt werde, könnte das Oberflächenwasser nicht mehr in den Berg versickern, sagte Prüm. «Dann könnten sich die Reben in heißen Sommern nicht mehr über ihre tiefen Wurzeln mit Wasser aus den Schiefer-Klüften versorgen. Das könnte existenzbedrohend sein.» Auch das Mikroklima könnte sich durch die 1,7 Kilometer lange und 160 Meter hohe Brücke quer durchs Moseltal verändern. «Es gibt bislang keine wissenschaftliche Studien dazu.» Das Großprojekt hatte im Sommer 2008 nach jahrelangem Rechtsstreit grünes Licht bekommen. Ende April begannen die Bauarbeiten.

«Diese Brücke wird die Schönheit der Kulturlandschaft Mosel zerstören», sagte Winzer Markus Molitor aus Bernkastel-Wehlen. All die Schädigungen der Trauben «passierten nicht irgendwo, sondern genau dort, wo einige der seltenen großen Lagen der Mosel liegen, sagte er.

«Wir werden damit ein kulturelles Juwel zerstören, das einmalig in der Welt ist», fügte der britische Weinautor Hugh Johnson hinzu. Die Mosel wisse gar nicht, wie besonders sie sei. Zum Moselriesling gebe es weltweit keine Parallele, sagte der Weinexperte. Sein voller Charakter mit mäßigem Alkoholgehalt mache ihn so besonders. Mit dem Hochmoselübergang könnte sich alles verändern. Es sei völlig unklar, wie sich die Umweltverschmutzung durch die neue Bundesstraße 50 auf den Wein auswirke. «Seine Entstehung in der Natur ist so vielschichtig, kompliziert, ja auch mysteriös. Er kommt eben aus der Natur», sagte Johnson.

Dass das Großprojekt bereits beschlossene Sache ist, schreckt die Winzer nicht ab: «Man muss so lange kämpfen, wie es nur geht», sagte Johnson. Ab 2016 soll die 20 Kilometer lange Strecke bis Longkamp das Autobahnkreuz Wittlich mit der Hunsrückhöhenstraße verbinden. dpa www.hochmoseluebergang.rlp.de