WEIN
05. Juli 2009

Winzer und Gentechnik

Viele Winzer wären nach Ansicht von Forschern bereit, gentechnisch veränderte Weinreben zu pflanzen, um die Verluste durch Schädlinge einzudämmen. Und um sich damit selbst vor zu viel Pestiziden zu schützen

«Die Winzer stehen dem ganz offen gegenüber und beurteilen neutral und ohne Emotion: Was ist der Vorteil, was ist der Nachteil einer solchen Technologie?», sagte Stefan Schillberg vom Fraunhofer-Institut für Molekularbiologie und Angewandte Oekologie aus Aachen in einem Gespräch mit dpa. «Die wären froh, wenn sie den Einsatz der Pestizide verringern könnten.» Allerdings hätten sie Probleme, den Wein auch zu verkaufen, «nicht weil der Verbraucher ihnen das nicht abkauft, sondern die großen Handelsketten. Die würden so einen Schritt nicht wagen.»

Schillberg versucht derzeit mit seinem Team, eine virusresistente Weinpflanze zu schaffen. An einer Modellpflanze sei es bereits geglückt, die Zellen so zu verändern, dass ein bestimmter Virus der Pflanze nichts anhaben könne. «Wir haben Strategien entwickelt, um die viralen Erreger zu hemmen», erläuterte der Wissenschaftler. «Die Viren sind schwer zu bekämpfen.» Normalerweise würde man Virozide - die gehören zur Gruppe der Pestizide - einsetzen. Diese hätten aber oft nicht die gewünschte Wirkung oder seien gesundheitsgefährdend.

Nach Schillbergs Worten brauchen die Winzer Rebsorten, die sich gegen Schädlinge und Krankheiten wehren können und gleichzeitig auch noch schmecken. «Es gibt gewisse Qualitätsmerkmale, die erhalten bleiben müssen.» Mit Hilfe der Gentechnik soll nun versucht werden, den Geschmack nicht zu verderben und die Rebe gegen Viren resistenter zu machen. «Wir bringen Antikörper in diese Pflanzen hinein», erklärte der Molekularbiologe das Verfahren, das seit fünf Jahren in Aachen erprobt wird. Befalle der Virus die Pflanze, werde er außer Gefecht gesetzt. «Der kann sich nicht mehr vermehren.»

Schillberg sucht nun international Hilfe bei Spezialisten. «Es ist eine große Herausforderung, Wein gentechnisch zu verändern.» Möglicherweise seien Wissenschaftler aus den USA oder Chile dazu in der Lage. Selbst wenn es erst in zehn Jahren den ersten Gen-Wein gäbe, ist Schillberg skeptisch, ob dieser gleich reißenden Absatz finden wird. «Wein ist ein hoch qualitatives Produkt. Das hat einen gewissen Edelstatus, aber auch einen gewissen Reinheitsstatus.» In Deutschland und weiten Teilen Europas sei es sehr schwierig, die Verbraucher davon zu überzeugen, dass gentechnisch veränderte Lebensmittel nicht gesundheitsgefährdend seien.

«Was viele Verbraucher natürlich vergessen ist der starke Pestizid-Einsatz in den Weinbergen.» Durch Gentechnik könnten die Chemikalien auf ein Minimum zurückgedrängt werden. «Die Zeit spielt für diese Technologie.»

Niko meint: Das ist durchaus ein Diskussionsansatz. Es gibt sehr viele Regionen, in denen biologischer Weinanbau aus klimatischen Gründen nicht funktioniert. Die Winzer könnten sich selbst besser schützen, wenn sie weniger spritzen müssen. Immer noch sterben sehr viele Winzer verfrüht an Krebs, der durch jahrelanges Spritzen hervorgerufen wurde.