Berlin
11. Mai 2010

Wir fahren nach Berlin

Der Berlin-Tourismus boomt und bleibt der Hauptstadt bestes Zugpferd

In Zeiten weltweiter Krisenstimmung muten die anhaltenden Rekordserien im Berlin-Tourismus wie exotische Zahlen aus einer fernen Märchenwelt an. Aber Tourismuschef Burkhard Kieker kann mit seinem Werbeteam für die Hauptstadt in diesen Tagen ganz real mit einigen Gläschen anstoßen. Neuerdings feiert die Hauptstadt im ersten Quartal mit mehr als vier Millionen Übernachtungen und einem satten Plus von 17,4 Prozent sogar in den kalten Wintermonaten selten gesehene Erfolge. Im Januar, Februar und März lahmt die Branche sonst eher auffällig.

Doch trotz miserablen Wetters erinnerten sich Besucher aus der ganzen Welt vor allem an die schönen TV-Bilder aus Berlin vom Jubiläum des Mauerfalls vor 20 Jahren und von der Leichtathletik-WM 2009. Sie reisten wenige Monate später in Scharen nach Berlin: 1,8 Millionen waren es von Januar bis März diesen Jahres und damit über 14 Prozent mehr als im Vorjahreszeitraum.

«Wir sehen eine nachlaufende Welle des Mauerfalls mit den damals herzerwärmenden Bildern und nach der fabelhaften Atmosphäre der Leichtathletik-WM, vor allem der Marathonläufe durch die Stadt», sagte Kieker am Dienstag der Nachrichtenagentur dpa in seiner Bilanz. Auch nach den weltweit von Millionen gesehenen Fan-Partys der Fußball-WM 2006 am Brandenburger Tor hatten sich im Jahr darauf so viele Menschen wie nie zuvor für Berlin interessiert und in Massen die Stätten aufgesucht, die sie im Fernsehen erlebt hatten.

«Wir freuen uns enorm über diesen Steigflug in Berlin», sagte Kieker. Jetzt komme es aber darauf, «sich nicht an das Außergewöhnliche zu gewöhnen». Berlin müsse ständig neue Ideen entwickeln, um Menschen hierher zu locken. Nach dem Modell des «Winterzaubers» mit seinen vielen Weihnachtsmärkten plant die BTM einen «Summer of Berlin», vor allem mit Angeboten für junges Publikum. Dazu zählen zum Beispiel Treffpunkte wie die zahlreichen Strandbars oder auch die neue Inline-Skaterbahn auf dem Gelände des früheren Flughafens Tempelhof.

An der grundsätzlichen Strategie, sich auf den deutschen Markt mit einem nach wie vor starken Berlin-Reiseanteil von etwa 59 Prozent zu konzentrieren, wollen die Tourismuswerber festhalten. Aber international werden zunehmend neue Schwerpunkte gesetzt - zum Beispiel mit Kampagnen in den sogenannten «Bric-Ländern». Gemeint sind laut Kieker Brasilien, Russland, Indien und China. «Das sind Märkte der Zukunft mit einem Potenzial von mehreren hundert Millionen Menschen», sagte Kieker. Brasilien ziehe deutlich an. So hätten die südamerikanischen Gäste mit 22 000 Übernachtungen im ersten Quartal sogar erstmals die Japaner (18 000) überholt.

In Europa sieht sich Berlin gesichert im absoluten Spitzenfeld hinter London und Paris, aber vor Rom und Barcelona. Die genauen Zahlen aus diesen Konkurrenzmetropolen liegen der BTM allerdings noch nicht vor. Interessante Verbündete hat Kieker mit Städten wie Prag und Budapest gewonnen. In Brasilien warb er kürzlich nach eigenen Angaben mit Erfolg für einen Doppel-Trip in die beiden attraktiven und nachbarschaftlich gelegenen europäischen Hauptstädte. (Hans-Rüdiger Bein, dpa)