25. Juni 2010

WM 2010 in Südafrika gibt Konsum den Kick

Bierbrauer, Kneipenwirte, Restaurants und Einzelhändler freuen sich - die WM in Südafrika lässt die Kassen klingeln

Das offizielle WM-Trikot der Nationalelf von Jogi Löw ist im Moment der Renner. Bereits vor dem Anpfiff des Turniers in Südafrika wurden allein in Deutschland nach Angaben des Sportfachhändlerverbundes Intersport gut 150 000 Stück verkauft. Und weil das DFB-Team nach dem Spiel gegen Ghana in die nächste Runde gekommen ist, läuft der Absatz weiter blendend.

Auch wenn das globale Sportereignis diesmal nicht im eigenen Land stattfindet, sorgt es in einigen Branchen für eine Sonderkonjunktur: In Biergärten und auf Fanmeilen fließt das Bier teils in Strömen. Grillwürste, Knabbersachen und Fanartikel finden reißenden Absatz.

«Die WM sorgt für gute Stimmung in den Läden», freut sich der deutsche Einzelhandel. Dennoch werde sie nicht der Umsatzbringer sein wie vor vier Jahren, als das Spektakel im eigenen Land ein Sommermärchen bescherte. «Jetzt profitieren hauptsächlich Lebensmittelsupermärkte und Sportgeschäfte», betont Branchensprecher Kai Falk. Aber auch in den Warenhäusern seien viele Kunden unterwegs, um sich mit Trikots, Fußbällen und Fanartikeln einzudecken.

2006 sorgte die WM bei den Einzelhändlern für ein zusätzliches Umsatzplus von 0,6 Prozent. Allein der schwarz-rot-goldene Fahnenrausch spülte den Geschäften damals rund 25 Millionen Euro in die Kassen. Deutschlandweit wurden etwa fünf Millionen Deutschlandflaggen verkauft. Mit einer ähnlich großen Nachfrage rechnen viele Hersteller auch diesmal.

Adidas freut sich als Ausrüster von zwölf WM-Teams bereits über einen kräftigen Umsatzschub. Im Vergleich zur vergangenen WM erwartet das fränkische Sportartikelunternehmen ein Plus von 25 Prozent. Weltweit seien schon sechs Millionen WM-Trikots verkauft worden, doppelt so viele wie vor vier Jahren. Und auch auf dem Heimatmarkt liege der Absatz von Trikots, Fußbällen und anderen Fußballprodukten schon jetzt auf dem Niveau von 2006.

Vor allem Bälle, Trikots und Schuhe laufen gut, berichtet Intersport. «Bis zum Ende des Turniers dürften noch mindestens weitere 150 000 offizielle WM-Trikots der deutschen Mannschaft über die Ladentische gehen», prognostiziert Verbandschef Klaus Jost. Ein Shirt kostet rund 70 Euro. Auch beim WM-Ball «Jabulani» werde ein Absatz von mindestens 300 000 Stück kalkuliert.

Die Hersteller von Chips und Crackern, aber auch süßer Nervennahrung rechnen mit einem Absatzplus von gut 30 Prozent. Die WM in Südafrika beflügelt das Geschäft sogar mehr als vor vier Jahren, da viele Fans die Spiele eher zu Hause anschauen, heißt es beim Süßwarenhandelsverband Sweets Global Network. Alle Hände voll zu tun haben die Fernsehhändler: Viele Haushalte rüsten noch mit weiteren TV-Apparaten auf. «In diesem Jahr werden die Olympischen Winterspiele und die Fußball-WM für einen Absatzrekord bei Flachbildfernsehern sorgen - rund 8,2 Millionen Geräte werden voraussichtlich verkauft», freut sich Achim Berg vom Medienverband Bitkom.

Eine gemischte Bilanz zieht die Gastronomie: «Wo das Wetter mitspielte, ist die WM gut angelaufen», sagt Stefanie Heckel vom Deutschen Hotel- und Gaststättenverband (Dehoga). Im Süden und Westen, wo es lange kühl und regnerisch war, blieben hingegen viele Biergärten leer. Die Bierbrauer rechnen mit einem Absatzpush, auch wenn die vielen auswärtigen Gäste in den «Fanzonen» der deutschen Städte fehlen. «Es hängt auch davon ab, wie gut die deutsche Mannschaft spielt», heißt es beim Brauereikonzern Inbev.

Auch für die jetzige WM gelte das Motto: «Schweinsteiger schießt Tore für den deutschen Konsum», betont Klaus Wübbenhorst vom Marktforschungsinstitut Gfk in Nürnberg. (Maren Martell, dpa)