11. Juli 2009

Wochenende in Palma de Mallorca

Mail aus Mallorca: Ein Wochenende in Palma de Mallorca kann Wunder wirken! Eine Reise durch die Restaurants der Insel

Es ist Freitagnachmittag und es regnet. Seit Wochen hängt ein grauer Himmel über der Stadt und schlägt uns aufs Gemüt. Wir haben nur einen Gedanken: Nichts wie weg!

Flug und Hotel sind schnell gebucht und viereinhalb Stunden später sitzen wir auf der Terrasse des Hotels Portixol bei einem heimischen Macia Batle Rosé, essen "Bacalao mit Sobrasada und Honig" und sind schon ganz entspannt. Draußen auf dem Wasser wiegen sich die Fischerboote in der leichten Brise und entlang der Bucht von Palma reihen sich die Lichter wie Perlen an einer Kette. Nirgendwo kann man sich so schnell so weit weg fühlen wie hier.

Wir begnügen uns nach dem Abendessen mit einem Bummel durch den kleinen Ort, der mit einer Reihe ausgezeichneter Restaurants und Bars inzwischen zu den angesagtesten Barrios Palmas geworden ist. Im Kaskai - gilt noch als Geheimtipp für Tapas und Wein - trinken wir ein letztes Glas, um dann beseelt ins Bett zu fallen.

Samstag: Die Sonne strahlt vom wolkenlosen Himmel. Wir begnügen uns mit einem kleinen Frühstück, denn wir wollen auf den Mercado Olivar in der großen Markthalle von Palma und wissen um die Köstlichkeiten, die uns dort erwarten. Knackiges Gemüse, bunte Früchte, frisch gefangener Fisch und appetitlich dargebotenes Fleisch breiten sich in fellinihafter Opulenz vor unseren Augen aus. Am liebsten möchte man überall zugreifen.

"Was ist denn das Leckeres, was Sie da essen?" fragt mich ein Mann und deutet auf den kleinen Teller mit verschiedenen Tapas in meiner Hand. "Kann ich nur empfehlen," sage ich und bitte den flinken Spanier hinter der Theke der Bar Teodoro, ihm auch so ein Tellerchen mit "Variados" zu reichen.

Zubereitet wird alles in einer Miniküche hinter dem Tresen und verwendet werden nur die frischen Produkte, die der Markt jeden Tag aufs Neue zu bieten hat. Die fünf Bars der Markthalle an der Plaça Olivar sind Schlemmerparadiese für den kleinen Hunger zwischendurch. Hier trinken die Marktverkäufer ihren ersten Cortado am Morgen, gönnen sich die Hausfrauen nach dem Einkauf einen Happen und gegen 11 kommen die Arbeiter zum späten Frühstück vorbei.

Und hier fühlen sich auch die Touristen wohl, zumindest jene, die das ursprüngliche und das temperamentvolle Mallorca suchen. Tapas aller Art kann man natürlich auch in den vielen kleinen Restaurants der Altstadt, zum Beispiel in La Boveda, im El Pilón oder in der Bar Lizzaran genießen und weil sie so beliebt sind, bietet das mallorquinische Fremdenverkehrsamt einmal im Jahr in der zweiten Oktoberwoche eine Tour der Tapas an, an der rund 40 Restaurants der Stadt teilnehmen. Mehr darüber kann man unter www.newsmallorca.com erfahren.

Für eine kleine Erfrischung zwischendurch sorgt man im Iceberg an der Plaça Cort, hier verkauft Chris Ziegler, ein deutscher Auswanderer, etwa 180 Eissorten, darunter auch so ausgefallene wie Knoblauch-, Shrimps- oder Roquefort-Eis.

Na ja, man muss ja nicht alles probieren, wir schlecken lieber konventionell, Erdbeer- und Orangeneis. Gegen drei - ganz nach örtlichen Gepflogenheiten für das Mittagessen - kehren wir schließlich mit unsern Einkaufstüten im Celler Sa Premsa ein, einem traditionellen Lokal, in dem man typisch mallorqunische Küche in bester Qualität genießen kann. Wir essen Gegrillte Wachteln mit Salat und trinken ein köstlichen Son Bordils Negre dazu.

Total erschöpft landen wir am späten Nachmittag wieder in unserem Hotel, relaxen ein wenig am Swimmingpool und genehmigen uns noch einen alkoholfreien Sundowner. Heute abend geht nur noch was Leichtes, das steht fest und was kann es Leichteres und am Meer Selbstverständlicheres geben als Fisch. Das Restaurant können wir außerdem auch noch zu Fuß erreichen: Ca'n Tito am Paseo del Borne in Portixol.

Wir spazieren an der Buch entlang, biegen irgendwann links ab und da ist es auch schon. Auch wenn das Lokal den Charme einer Bahnhofswartehalle hat, hier bekommt man den besten Fisch der Stadt serviert und das zu einem absolut vernünftigen Preis.

Sonntag. Schon während unseres Einkausbummels bewunderten wir immer wieder die fantasievollen Fassaden der pittoresken Altstadt, deren Architektur von Gotik und Jugendstil geprägt ist. Das beste Beispiel dafür ist die im reinsten gotischen Baustil errichtete Kathedrale Sa Seu.

Sie hat zwei täglich wiederkehrende Highlights: Am Morgen, wenn die Sonne durch die östliche Rosette scheint (sie soll die größte der Welt sein) und abends, wenn sie dies durch die westliche, kleinere Rosette tut - dann erscheinen bezaubende Lichtreflexe auf dem Boden und den Wänden. Wenn man es einrichten kann, sollte man sich diese magischen Momente nicht entgehen lassen.

Noch ganz verzaubert verlassen wir die gewaltige Kirche und überlegen ob wir in der nahegelegenen Bar Bosch oder lieber in der plüschigen Wohnzimmeratmosphäre des Ca'n Joan de's Aigo, einen Café con leche und trinken sollen und entscheiden uns dann für letzteres, weil es dort die beste Ensaimada (mallorqinische Hefeschnecke) der Insel gibt.

Und dann sind wir gestärkt für unseren Besuch des Museums Es Baluard, das Gemälde und Skulpturen bekannter spanischer und internationaler Künstler wie Joan Miró, Marc Chagall, René Magritte, Wassili Kandinsky, Henri Matisse, Paul Klee oder Anselm Kiefer beherbergt. Schon allein des Panoramas wegen: Die Terrassen des in die historische Stadtmauer eingebetten Baus bieten traumhafte Blicke auf Hafen und Hauptstadt.

Nach so viel Kunstgenuss, muss nun auch noch ein letzter leiblicher folgen: Das im Museumsgebäude gelegene Es Baluard hat leider sonntags geschlossen, deshalb haben wir einen Tisch im Los Rafaeles, nicht weit vom Museum entfernt am Passeig de Mallorca bestellt. Das kleine Restaurant findet man Gottseidank in keinem Reiseführer, deshalb sind die Mallorquiner hier noch meistens unter sich. Die Paella ist hervorragend und genau die muss es zum Abschied auch noch sein. Dazu ein frischer leicht moussierender Blanc Pescador und die Welt ist in Ordnung.

Dann werden die Reisetaschen gepackt, wir trinken noch einen kleinen Cortado auf der Hotelterrasse und ganz versöhnt mit der Tatsache morgen wieder am Schreitisch sitzen zu müssen fahren wir zum Flughafen.

In Deutschland regnet es immer noch. Egal! Ein Wochenende in Palma kann Wunder wirken.