Reise
05. Februar 2010

Wölfe vor den Toren Berlins

Besuch im Wildpark Schorfheide

Imke Heyter öffnet die Tür zum Gehege und kippt frisches Fleisch aus dem Futtereimer. «Kommt alle meine Wölfe», lockt sie. Schon huscht der erste Isegrim mit eingekniffenem Schwanz vorbei. «Na, Timo, mein Lieber». Die Wildparkchefin in der Schorfheide nicht weit von Berlin entfernt erkennt jeden ihrer Wölfe an der Körperhaltung.

Timo nimmt das Stück Fleisch und verschwindet blitzschnell und fast lautlos hinter einer Anhöhe. Dahinter stehen seine Artgenossen. Es ist Fütterungszeit, und Imke Heyter ist die «Wolfsmutter». Die Besucher stehen nur 15 Meter weit entfernt und beobachten das Futterritual.    

Einige treten zum Teil erschrocken zurück, obwohl das Gehege eingezäunt ist. Imke Heyter erklärt, dass die Raubtiere keine Gefahr für Menschen sind. Sie zieht die Wolfsjungen mit der Flasche auf, um sie an die Zweibeiner zu gewöhnen. Schon wieder schleicht sich aus dem Hintergrund ein Wolf an das Futter heran. «Das ist Nanuk, der Alphawolf», sagt Heyter. Er entscheidet, wer das Futter holen darf.    

Den Wolf dem Menschen näherzubringen, ist Heyters Anliegen. Die ersten Wölfe kamen 1998 in den Wildpark. Inzwischen gibt es 18 Tiere in zwei Rudeln. Nur eines bekommen Besucher zu sehen. Mehr als 20 Nachzuchten von Wölfen sind im Wildpark bereits gelungen. Die ersten wurden nach der achtwöchigen Handaufzucht wieder in die Rudel integriert, andere gingen in ähnliche Wildpark-Anlagen.    

Eines der jüngsten Projekte des Wildparks sind Wolfsfütterungen bei Nacht. «Vollmond und Wölfe, dazu gibt es viele Mythen und Legenden», erklärt Imke Heyter, warum das Angebot bei vielen so beliebt ist. Etwa 30 Besucher haben dann die Möglichkeit, Wölfe bei einer außerplanmäßigen Nachtfütterung aus nächster Nähe zu beobachten. Die Gäste bekommen Fackeln und laufen nach Einbruch der Dunkelheit auf einem breiten Feldweg vom Besucherzentrum einmal quer durch den Wildpark zum Wolfsgehege.    

«Vollmond-Wolfsnächte, sind die nicht gruselig?», will einer der Gäste wissen. «Überhaupt nicht», beschwichtigt Imke Heyter. «Die Wölfe heulen nicht den Mond an, weil sie traurig sind, sondern weil sie auf diese Weise miteinander kommunizieren», sagt die 38-jährige Wolfsexpertin. Schon seit mindestens zehn Jahren leben Wölfe in der Schorfheide aber auch wieder in freier Wildbahn oder durchstreifen die Region zumindest. Als Imke Heyter das erzählt, wünscht sich dann so mancher Gast aber doch schnellstens ins Besucherhaus zurück. (Heidrun Lange, dpa)

Wolfsnächte im Wildpark    

LAGE: Der Wildpark liegt nördlich von Groß Schöenebeck (Barnim) an der B 109 in Brandenburg.    

ÖFFNUNGSZEITEN: Geöffnet ist er täglich ab 10.00 Uhr. Letzter Einlass ist um 17.00 Uhr.    

PREISE: Der Eintritt in den Wildpark kostet 4,50 Euro für Erwachsene, für Kinder 3,00 Euro.    

WOLFSNÄCHTE: Die nächsten Termine sind der 26. Februar und der 26. März. Anmeldungen sind möglich unter Tel.: 033393/65 855 bei Angela Koeppen. Pro Person kostet die Vollmond-Wolfsnacht 29 Euro, inklusive Büfett, Fackelwanderung und Glühwein in der Köhlerhütte.    

Wildpark Schorfheide, Prenzlauer Straße 16, 16244 Schorfheide, www.wildpark-schorfheide.de