07. November 2011

Worms feiert 500 Jahre Riesling-Tradition

Im Wormser Stadtteil Pfeddersheim gibt es eine sehr alte Rieslinglage, auf der bis heute Wein angebaut wird

Von Angela Zimmermann

Prüfend begutachtet Winzer Oliver Knab die herbstlich gefärbten Weinblätter. Von den schweren Hagelschäden des vergangenen Jahres ist kaum noch etwas zu sehen. «Der Riesling ist relativ unempfindlich», sagt er. Knab steht auf einem ganz besonderen Weinberg im Wormser Stadtteil Pfeddersheim: Der vermutlich ältesten, noch bewirtschafteten Rieslinglage in ganz Deutschland - vielleicht sogar weltweit.

Sicher ist: Dieses Jahr wird eine Urkunde 500 Jahre alt, in der die Lage erstmals erwähnt wird. Dort heißt sie «Im Funtdaill», heute wird sie «Im Fohndel» genannt, das ist vermutlich eine Verkleinerungsform des Begriffs «Fontäne». Sie ist Teil des Pfeddersheimer St. Georgenbergs.

Zwar sei der Riesling in anderen Städten wie Rüsselsheim und Bingen schon früher erwähnt worden, doch gebe es dort keine bewirtschafteten Lagen aus dieser Zeit mehr, sagt der Pfeddersheimer Agrarhistoriker Felix Zillien, der sich intensiv mit der Lokalgeschichte befasst. Seinen Angaben zufolge gibt es bisher keine Belege, dass es irgendwo sonst auf der Welt eine Lage gibt, auf der schon länger Riesling angebaut wird. «Und so lange kann man davon ausgehen, dass wir hier die älteste noch bewirtschaftete Rieslinglage weltweit haben», sagt Zillien.

Kommenden Freitag, am 11.11.2011, wird die Urkunde aus dem Jahr 1511 genau 500 Jahre alt. Das Jubiläum ist in Worms das Thema des Jahres: Insgesamt 70 Veranstaltungen sind rund um den Riesling geplant. Sogar der Umzug zum traditionellen Backfischfest stand dieses Jahr ganz im Zeichen des Rieslings.

Der Text der Urkunde, die im Stadtarchiv aufgehoben wird, zeigt nach Angaben von Zilliens, dass der Riesling schon vor 500 Jahren einen hohen Stellenwert in Pfeddersheim gehabt haben muss: Mit der Urkunde verpfändete ein Ehepaar Meyer einer Bruderschaft einige Weinberge - doch nur derjenige mit dem Riesling wird explizit benannt.

Ungewöhnlich sei auch, dass in dem Weinberg offenbar überwiegend Riesling angebaut wurde. Denn damals wurden üblicherweise mehrere Rebsorten pro Weinberg gezogen - was «gemischter Satz» genannt wurde, wie Winzer Knab berichtet.

Heute reift auf einem Viertel der Anbaufläche in Rheinland-Pfalz Riesling heran, wie Ernst Büscher vom Deutschen Weininstitut in Mainz sagt. Deutschland gelte als das Riesling-Land und liefere mehr als die Hälfte der weltweiten Produktion.

Die Geschichte des Pfeddersheimer Weins reicht indes noch viele Jahrhunderte länger zurück, denn die allererste Erwähnung stammt aus dem Jahre 754. Angeblich hat sogar Martin Luther den Pfeddersheimer Wein geschätzt - so schreibt es laut dem Historiker Zillien zumindest Luthers Biograf. dpa