FOOD
21. Juli 2018

Wünsch Dir ein Eis Laugenbrezel, Mohn oder Federweißer

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Salzlakritz- und Matcha-Eis wollen Kunden eines neuen Eisladens unbedingt mal probieren und schreiben dies auf eine Tafel. Bis zu 50 verschiedene Sorten produziert das südhessische Unternehmen jeden Tag. Dabei können die Kunden mitbestimmen.

Von Ira Schaible

Gries-Eis mit Zimt, Mango und Milchreis-Eis gehören zu den Rennern - und ständig kommen neue Sorten dazu. Von Laugenbrezel- über Frischkäse-Himbeer- und Kokos-Limette- bis zu Federweißer-Eis reicht die Palette. Jochen Jung aus dem südhessischen Heppenheim hat vor sieben Jahren seinen ersten Eisladen mit ständig wechselnden Sorten aus natürlichen Produkten eröffnet. Inzwischen hat er schon fünf Filialen: in Bensheim, Frankfurt und seit kurzem die zweite in Darmstadt.

Eis-Fans können das Angebot der Manufaktur mitbestimmen und auf der «Wünsch-Dir-was-Tafel» eine Sorte notieren. «Durch die Kundenwünsche sind Klassiker entstanden, wie Mohneis», sagt Jung. Aber auch Lakritz-Eis, bei dem die Geschmäcker total auseinander gingen.

Produziert wird in Heppenheim nach alter handwerklicher Tradition, die der 47-Jährige bei einem Konditor in der Nähe von Dortmund von der Pike auf gelernt hat, wie er sagt. 40 bis 50 verschiedene Sorten würden pro Tag hergestellt, in jeder Filiale gibt es immer 18 verschiedene gleichzeitig.

Pumpernickel, Ziegenkäse-Aprikose, Brombeer-Schoko-Sorbet, Apfel-Karotte-Ingwer und Lakritz-Weiße Schokolade gehören zum Angebot. Besonders gefragt bei der sommerlichen Hitze sei das Salatgurke-Eis, es schmecke besonders gut in Kombination mit Erdbeer.

Fast 80 Mitarbeiter - inklusive Aushilfen - gehören inzwischen zu dem Unternehmen. Darunter sind sieben Festangestellte, die mit einem Jahresarbeitszeitkonto arbeiten, wie Jung sagt. Denn die Saison von März bis Ende Oktober - sieben Tage die Woche - ist lang. «Dann machen wir Urlaub», sagt Jung.

Angefangen habe es mit einem Gag, der auf sein «vorlautes Mundwerk» zurück ging. Dann habe er seinen Job bei einem US-Unternehmen für Europa an den Nagel gehängt - «und mit dem ersten Eis zum ersten Mal was mit der Hand gemacht». «Ich hatte keinen Bock mehr auf Anzug und Kurzhaarfrisur, sondern auf lange Haare und Jeans.» Inzwischen betreibt Jung, der aus der Hotellerie kommt, auch ein Restaurant in Heppenheim.

Skeptisch ist Jung bei Fleisch-Aromen im Eis: Blutwurst-Ingwer, das sich immer wieder auf den Wunsch-Tafeln in seinen Filialen findet, hat er noch nicht hergestellt. Parmaschinken-Rucola-Honigmelone gab es dagegen schon mal. Besonders viele Liebhaber finde so eine Sorte aber nicht. Ein «Maggi»-Eis wie es ein Hersteller im Saarland produziert, habe sich in Südhessen und dem Rhein-Main-Gebiet noch nie jemand gewünscht.

Jungs Eismanufaktur bietet auch viele Sorten für Veganer, nicht nur die Fruchtsorbets, sondern auch Eis aus Soja-, Reis-, Mandel- oder Haselnussmilch. Auch Allergiker fänden mehrere Sorten, da er ihnen genau sagen könne, was in jedem Eis drin ist.

Exotische Sorten bieten auch italienische Eishersteller immer häufiger an, wie ihr Verband Uniteis mit Sitz in Seligenstadt (Kreis Offenbach) erhoben hat. Allerdings hatten auch 2018 Schokolade und Vanille wieder die Nase bei den Kunden vorn - gefolgt von Erdbeere.

Schokolade - aufwendig hergestellt aus Kuvertüre - gehört auch in Jungs «Coccola» zu den Rennern und ist sein Lieblingseis. Vanille sei dagegen eine der Sorten, die am schlechtesten verkauft würden.

Bei den italienischen Eisherstellern schaffte es das Eis des Jahres «German Black Forest» bei einem Ranking kürzlich immerhin auf Platz zehn. Sehr gefragt sei auch Zitronen-Eis mit Basilikum, mit Lavendel oder Pfefferminze sowie Gurke mit Zitrone und Granatapfel mit Honig, berichtet die Sprecherin des Verbands Uniteis, Annalisa Carnio.

Immer mehr Kunden verlangten Fruchteis und Sorbets. «Der Wunsch, sich gesund und mit frischen Produkten zu ernähren, ist auch in den Eisdielen sichtbar», sagte Carnio.

Als große Konkurrenz für italienischen Eisdielen sieht Jung sein Unternehmen nicht. «Die haben ganz andere Kunden - und Schlumpfeis oder Eis mit Streuseln gibt es bei uns nicht.» So manchem Kind sei sein Eis zudem einfach nicht süß genug. Allerdings geht Carnio zufolge zumindest auch bei den italienischen Fruchteissorten der Trend zu weniger Zucker und mehr Frucht. dpa

Coccola - Die Eis- und Schokomacher, Luisenplatz in 60314 Frankfurt