12. Oktober 2010

2010 weniger Wein in Baden und Württemberg

Vom Jahrgang 2010 wird es in Baden und Württemberg wesentlich weniger Rebensaft geben als erwartet

«Wir bekommen zwar schöne Qualitäten, aber die Ernte wird so niedrig ausfallen wie im ganzen Jahrhundert noch nicht», berichtet Gerhard Roßwog, Präsident des Baden-Württembergischen Genossenschaftsverbandes. 70 Millionen Liter Ertrag ist fast ein Drittel weniger als in durchschnittlichen Jahren. Selbst am Bodensee, wo aufgrund der rund 400 Meter hoch gelegenen Weinberge die Trauben weniger von Fäulnis betroffen sind als in flacheren Lagen, liegt die Ernte nach Meinung von Winzer Manfred Aufricht in Meersburg «bis zu 40 Prozent» unter dem langjährigen Mittel.

Auch in Württemberg kommen geringere Traubenmengen in die Keltern. «Wir haben den kleinsten Herbst seit 25 Jahren», sagt Dieter Waldbüßer, Vorstandschef der Kellerei Hohenlohe. 15 bis 20 Prozent weniger Ernte hatten die Weingärtner in Württemberg erwartet. «In manchen Betrieben liegt die Menge weit unter dem Durchschnitt», erklärt Gerhard Schwinghammer vom Weinbauverband Württemberg in Weinsberg (Kreis Heilbronn).

Bei den Lauffener Weingärtnern sind es 30 bis 40 Prozent weniger Trauben. Uli Maile, Vorstandschef von Deutschlands größter Einzel-Winzergenossenschaft, ist dennoch zufrieden: «Wir haben tolle Qualitäten, alle im Prädikatsbereich.» Am Neckar läuft schon die Trollinger-Ernte, Riesling und Lemberger sind in zwei Wochen im Keller.

Das wechselhafte Wetter im Verlauf des Jahres hat den Winzern zu schaffen gemacht. Verrieselungsschäden aufgrund der Kälte während der Rebblüte, viel Regen und längere Trockenperioden verlangten den Weinbauern viel Arbeit im Weinberg ab. Außerdem beschleunigte der Regen im September die Fäulnis, so dass sich gerade viele Genossenschaften dazu entschlossen, früh zu lesen. «Fäulnis ist derzeit das Hauptproblem», sagt Vorstand Rudi Bort von der WG Heuholz. Bei einigen Winzergenossenschaften sei die Ernte deshalb schon abgeschlossen.

Besser als der Ertrag wird die Qualität des 2010er ausfallen. Geschäftsführer Markus Ell von der Winzergenossenschaft Oberkirch im Renchtal erwartet einen «sehr guten Weißwein-Jahrgang, feinfruchtig, frisch und extraktreich». Der Bodensee-Winzer Aufricht muss mit Schreckschuss-Pistolen bereits Schwärme von Staren abwehren, die sich über die Trauben hermachen. «Dies ist ein gutes Zeichen. Die Qualität wird von Tag zu Tag besser. Auch die Spätburgunder-Trauben präsentieren sich bei uns pechschwarz», berichtet der Meersburger.

Thomas Seeger aus Leimen (Rhein-Neckar-Kreis) hat schon «von allen Sorten etwas im Keller». Das Gros sei gelesen, «in 14 Tagen sind wir durch», erklärt der Prädikatswinzer. Seiner Meinung nach haben Winzer, «die ihre Hausaufgaben im Weinberg gemacht haben», keine großen Probleme. Deshalb lässt Seeger auch seine Großen Gewächse noch zwei, drei Wochen hängen. Was fehlt, sei die Menge.

Auch der Remstäler Hans Haidle ist zufrieden. «Die Qualitäten stimmen», sagt der Wengerter aus Kernen. Momentan sei er damit beschäftigt, faulige Trauben zu entfernen. Bei Haidle beginnt in der kommenden Woche die Trollinger-Ernte, die Riesling-Trauben werden Ende Oktober gelesen.

Die jüngsten Sonnentage lassen manche hoffen. «Die Säurewerte sind nach unten gegangen, die Lage ist vielversprechender als noch vor anderthalb Wochen», sagt Konrad Schlör aus Wertheim (Main-Tauber- Kreis). Müller-Thurgau, Silvaner und die Sektgrundweine hat Schlör schon geerntet, Spätburgerunder und Riesling, seine Hauptsorten, sollen noch vom goldenen Oktober profitieren. dpa