Honza Klein unterwegs
18. März 2012

5. Cigar-Festival in der Dominikanischen Republik

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Karibische Partynächte mit purer Lebensfreude, mehr als 200 Gäste aus fast 20 Ländern und vier Kontinenten, Rum, Merengue-Musik und schöne Frauen - das war das ProCigar Festival 2012 in der Dominikanischen Republik

Bei der Abreise waren sich die Gäste dieses 5. ProCigar Festivals in vielen Punkten einig: Schade, dass es schon wieder vorbei ist, in den vergangenen Tagen haben wir die besten Cigarren der Welt geraucht, die Organisation war großartig und im nächsten Jahr sind wir wieder dabei.

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Doch zurück auf Anfang. Angesichts der frostigen Tage diese Winters war es gerade für viele aus nördlichen Breiten angereiste Aficionados ein Vergnügen, Ende Februar Sonne und Strand zu erleben. Dabei waren natürlich die professionellen Schreiberlinge, Händler, Zulieferer der Cigarrenindustrie wie etwa die Etikettenhersteller der Firma Vrijdag aus dem holländischen Eindhoven, privat angereiste Liebhaber der dominikanischen Köstlichkeiten, Gewinner, die Kunden einer Cigarrenhandels-Website aus den USA sind, sowie auch eine kleine Gruppe deutscher Rauchfreunde, die der Berliner Händler Michael Diersch (Miquel Private Cigars) auf den östlichen Teil der Insel Hispaniola brachte.

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Jener Insel, auf die sich im Dezember 1492 Christoph Columbus auf seiner Suche nach Indien verirrte und die bei seiner Rückreise Ausgangspunkt für die Lieferung des ersten Tabaks nach Europa war. Manch einer spricht ja im Zusammenhang von Christoph Columbus von der Entdeckung Amerikas. Dies scheint unangebracht, da ja längst Menschen die Inseln bevölkerten. Er kam also lediglich dazu. Von Entdeckung zu sprechen, scheint mir in diesem Fall dann einer der ersten rassistischen Sätze der Weltgeschichte zu sein. Ebenso verkehrt wie heute von der Dritten Welt zu sprechen. Doch das nur am Rande. Man kommt indes auf solcherlei Gedanken, wenn man durch das Land fährt, die Menschen und ihre Lebensfreude bzw. auch ihr Leid beobachtet. Zurück zum Festival.

Dieses startete erst einmal in einer der vielleicht schönsten Clubanlagen der Karibik, Casa de Campo. Ach was Anlage. Die Casa gleicht einer kleinen Stadt. Jeder der Bewohner hat sein eigenes Golfcart, um beispielsweise eines der vielen Restaurants, den Pool oder Strand oder eben den Abschlag zum nun schon traditionellen ProCigar Golfturnier zu erreichen. Ein schöner Tag der Eingewöhnung in der Dominikanischen Republik, bevor es am nächsten Morgen zur Besichtigung der weltgrößten Cigarrenfabrik ging.

Keine fünf Minuten Busfahrt vom Luxus der Hotelwelt entfernt ist man drin im Duft des Tabaks, im quirligen Treiben der Produktion feinster Cigarren. Die Tabacalera de Garcia ist Geburtsort solch feiner Marken wie H.Upmann, Romeo y Julieta, Playboy, Onyx, Montecristo, Trinidad, Santa Damiana, Don Diego und auch der Präsident und General Manager der Fabrik José Seijas gab einer Kreation seinen Namen. Mittendrin werden übrigens auch Cigarren der Marke Laura Chavin gerollt.

Im Lager entdecke ich auch Kisten mit der Aufschrift Kohlhase. Sie werden wohl bald bei den Rauchern in Deutschland sein. Nebeneinander entstehen dort alle vorgenannten Marken sowie die entsprechenden Formate. Nicht leicht den Überblick zu behalten. Doch die Vorarbeiterinnen haben alles im Blick und jede Marke, jedes Format erhält die vorher zurechtgelegte Tabakmischung, Um- und Deckblatt und bekommt später den richtigen Ring sowie die passende Verpackung. Vorher allerdings landen alle in einem riesigen Reiferaum der Millionen Cigarren aufnimmt.

45 Millionen kommen so Jahr für Jahr in der Tabacalera de Garcia zusammen. »Nur vom Allerbesten«, sagt stolz Cesar Vicioso. 200 Millionen Premiumcigarren sind es insgesamt, die pro Jahr in der Dominikanischen Republik gerollt werden. Beim Gang durch die verschiedenen Stationen der Herstellung, sei es die Anlieferung des Tabaks aus den verschiedensten Anbauregionen der Welt, beim Befeuchten der Blätter, dem Sortieren nach der Qualität, der Fertigung bis zur Auslieferung kommen mir die selbst ernannten Gesundheitsapostel aus Brüssel oder Berlin in den Sinn. 3 800 Menschen haben in dem Werk in La Romana ihr Auskommen für etwa 150 US-Dollar im Monat. Um die 25 000 sind es im gesamten Land.

Vielleicht macht sich ja mal einer der Beamten, die das Rauchen, die den Genuss, die diese 500-jährige Tradition verbieten wollen, die Mühe, darüber nachzudenken, dass er damit auch die Arbeitsplätze dieser Menschen aufs Spiel setzt. Dies ist sicher besser, als jede almosenhafte Entwicklungshilfe. Vielleicht verdeutlicht sich auch so mancher Aficionado hierzulande einmal, wenn er wieder über den Preis einer Cigarre nachdenkt, dass diese etwa 250 Mal in die Hand genommen wird und so viele Menschen ernährt. Selbst die Herstellung der Kisten, der Siebdruck der Etiketten ist teilweise noch Stück für Stück Handarbeit und damit Arbeitsplatz und Grundlage einer Existenz.

So erzählt später Benjamin Menéndez, als wir die Felder von General Cigar nahe der Kleinstadt Mao besichtigen, dass durch den Erlös auch zwei Schulen der Gegend unterstützt werden. Damit bin ich schon im westlichen Teil der Dominikanischen Republik angekommen. Rings um die Metropole Santiago de los Caballeros liegt das alte Tabakzentrum des Landes. La Aurora, Matasa, Tabaquisa sowie die Tabdom Holding sind hier ansässig. Chef von letzter und auch Präsident der Vereinigung ProCigar ist Hendrik Kelner, der schon mit Zino Davidoff zusammenarbeitete und in dessen Werk heute noch für die Baseler gefertigt wird. Neben Avo, Griffin's und Winston Churchill, um nur einige weitere zu nennen. An einem der Partyabende frage ich Kelner, was er denkt, wenn?

Diese Frage wird sofort von allen verstanden. »Ich glaube nicht, dass sich viel ändert, wenn Cuba offen ist«, meint er. »Sicherlich - die eine oder andere Familie, die nach Castro ins Ausland gegangen ist, wird wieder eine Produktion auf Cuba aufnehmen. Aber das wird uns nicht sehr beeinträchtigen.« Beim gleichen Thema an einem anderen Abend fügt José Blanco (La Aurora) hinzu: »Ich freue mich, wenn Cuba offen ist. Früher haben wir tolle Cigarren gemacht, die aus einem Blend unter anderem mit Cubatabak bestanden.«

Beiden stelle ich auch die Frage, ob sie glauben, dass wirklich jede auf Cuba gerollte Cigarre auch Cuba ist? Zur Antwort bekomme ich jeweils nur ein Lächeln und ein »I don't know«. Deutlicher wird da ein auf der Insel ansässiger Tabakhändler. »Das Problem ist doch, dass Cuba vor allem nicht über genug qualitativ hochwertige Deckblätter verfügt«, sagt er. »Besonders auch nach den verheerenden Stürmen der Vergangenheit.« Nachdem ich ihn dann frage, ob das zitierfähig ist, lacht auch er und meint: »Ohne meinen Namen.«

Also reden wir nicht länger von der Nachbarinsel. Schließlich sind wir im »Land der besten Cigarren«, wie Kelner und seine Mitstreiter immer wieder betonen. Angesichts der in diesen Tagen probierten ist man geneigt, ihnen recht zu geben. So gehörte probieren, eintauchen in die Welt der Cigarre zum Schönsten dieser Tage. Besonders der bereits genannte José Blanco erwies sich dabei als guter und vor allem auch unterhaltsamer Lehrmeister bei seinen Geschmacksseminaren bei La Aurora.

Wobei er sich auch über die etlichen selbst ernannten Blogger und Fachmänner überall auf der Welt lustig machte. »Jeder hat das Recht auf seinen eigenen Geschmack und seine eigene Erfahrung«, meinte er. Und selbst etliche gestandene Aficionados meinten nach seinen Ausführungen auf seine Frage, was sie denn nun gelernt hätten: »Ich habe gelernt, dass ich noch viel lernen muss.«

Neben dem Tabak hatten die Gäste des Festivals auch Gelegenheit, die Kaffee- und Kakaoproduktion des Landes zu erleben, die alteingesessene Rumdestille Brugal sowie die Brauerei Presidente wurden besichtigt und es gab ausgelassene Abende mit zwei Auktionen, deren Erlös auch ins erdbebenzerstörte Haiti floss. Zum Schluss noch einmal zurück in die Fabrik und zum gerade erwähnten Seminar. »Ich habe gelernt, dass ich meinen Geschmackssinn noch ein wenig schulen muss«, war eine weitere Antwort.

Wir sehen uns im Februar 2013 beim 6. ProCigar Festival!

Euer Honza

procigar.org