Reise
02. Dezember 2014

Advent in Kopenhagen Design und Restaurants

Fotos: pitopia/3quarks

Vor Weihnachten ist Kopenhagen einen Ausflug wert: Die Fußgängerzone ist festlich geschmückt, es gibt Glögg, Honigkuchen und dänisches Sushi

Von Verena Wolff

Farbenfroh und appetitlich liegen sie auf dem großen Teller mit den weihnachtlichen Verzierungen: Smushis heißen die kleinen belegten Brote. Eine Wortkreation aus den typisch dänischen Broten namens Smørrebrød und Sushi. Schnittchen im Mini-Format. Doch zwischen Shrimps und Ei mischt sich ein merkwürdiger Geschmack: Tannennadel.

Es ist Advent in Kopenhagen - auch im «Royal Smushi Cafe». Ganz hinten in der Gaststätte steht ein runder Holztisch - mit einem Christbaum in der Mitte. Ab und zu rieselt eine Nadel hinunter. Und die landet irgendwo zwischen kleinen Hering-, Lachs-, Kalb- oder Schweinefleischstückchen auf den Smushis.

Das königliche Café ist ein einzigartiger Ort: «Unsere Idee war, viele Partner zusammenzuholen und ein Café aufzumachen, in dem ganz bewusst 'Product Placement' betrieben wird», sagt Besitzerin Lo Østergaard. Da steht also Geschirr des berühmten königlichen Hoflieferanten Royal Copenhagen, der seinen Flagship Store gleich nebenan hat.

Auch Kreationen von Georg Jensen, Fritz Hansen, Bang & Olufsen, Kvadrat, Carlsberg, Holmegaard und anderen gehören hier selbstverständlich zur Einrichtung - ein Querschnitt feiner dänischer Marken. «Die Sachen sind nicht nur zum Anschauen hier, vieles können unsere Gäste kaufen», sagt Lo.

Das «Royal Smushi Cafe» steht am Amagertorv. Der Platz liegt auf der Strøget, der ältesten Fußgängerzone der Welt, die bereits ab Mitte November vorweihnachtlich geschmückt ist, mit echten Tannen, Lichterketten und roten Herzen über der Einkaufsmeile.

Weihnachten ist, wie überall, auch in Kopenhagen ein Fest für die Einzelhändler - vor allem Design in allen Varianten erfreut sich größter Beliebtheit. Bei Karsten Lauritsen im Stadtteil Vesterbro geben sich die Kunden die Klinke in die Hand. Lauritsen ist der Gründer des Designer Zoo, einer Mischung aus Galerie, Geschäft und Werkstatt. Seine Werkstatt im Keller des Hinterhauses nimmt wohl den größten Platz ein. Zwei Schmuckdesignerinnen arbeiten gleich hinter dem Verkaufsraum im oberen Stockwerk.

Schmuck aus Keramik, Vasen aus Porzellan, ausgefallene Strickkleidung, Becher, Tassen, Kannen, Kunsthandwerk, die Tische - im Designer Zoo sind die Produkte von sieben Designern zu kaufen. Lauritsen hatte die Idee, den Künstlern einen Raum zu bieten, in denen sie ihre Entwürfe gemeinsam an den Mann und an die Frau bringen. «Kleine Shops sind zwar auch schön, aber es ist einfacher, wenn man sich zusammenschließt.»

Neben den Designern, die ihre Produkte hier anbieten, zeigt Lauritsen immer wieder auch Stücke, die er «wichtig» findet. «Die sind oft schwer verkäuflich, weil sie teuer oder sehr ungewöhnlich sind.» Dennoch soll der Designer Zoo den Künstlern ein Forum bieten. Und Lauritsen gehört inzwischen zu denen, die in Kopenhagens Design-Szene den Ton angeben. «Oft haben die Leute Dinge gekauft, weil ein bekannter Name draufstand.» Inzwischen kaufen sie es, weil es im Designer Zoo angeboten wird - auch ohne geläufiges Label.

Ob weihnachtlich oder nicht - in den zahlreichen Design-Geschäften findet jeder in den Wochen vor dem Fest ein ausgefallenes Geschenk. So etwa bei Normann Copenhagen in der Østerbrograde. Auf 1700 Quadratmetern in einem alten Kino können sich Weihnachtsmuffel bei den Designstücken für Haus, Küche und Kind umsehen.

Wer gern festlich dekoriert, kommt im Eingangsbereich auf seine Kosten. Allerdings: Vom klassischem Grün und Rot ist hier nicht viel zu sehen. Weihnachten findet bei Normann auch in Schwarz-weiß, in Pink, Hellblau oder Orange statt. Da glitzern kleine Hirsche auf den Tischen, die Kerzen haben die Formen von Tannenzapfen oder Christbäumen.

Ebenso ungewöhnlich sehen einige der Tische bei Royal Copenhagen aus - der königlichen Porzellanmanufaktur. Jedes Jahr warten Dänen und Touristen gleichermaßen darauf, dass im Flagship-Store der Marke die Weihnachtssaison eröffnet wird. Sechs Tische im Erdgeschoss und dem ersten Stockwerk des Renaissance-Hauses, das zu den ältesten der Stadt gehört, werden von Künstlern und Prominenten eingedeckt. Üppig, mit wertvollem Geschirr und allem, was der Fundus des Hoflieferanten hergibt. Schon seit 1963 gibt es diese Tradition - und sie sorgt in jedem Jahr für lange Schlangen vor den Türen des Geschäfts.

Auf lange Schlangen müssen sich auch alle Besucher einstellen, die der meistbesuchten Attraktion Dänemarks in der Adventszeit einen Besuch abstatten wollen: dem Tivoli. Der Vergnügungspark verwandelt sich in ein Winter-Wunderland mit tausenden kleinen Lichtern und Glasornamenten, Verkaufsbuden für Christbaumschmuck, warme Wollsachen und ein bisschen Kitsch. Wer bei den dänischen Adventstemperaturen kalte Füße bekommt, sucht sich eine der Buden, vor denen die meisten Menschen warten - dort gibt es Glögg, Waffeln und Honigkuchen. dpa

Reise nach Kopenhagen:

Anreise: Mehrere Airlines fliegen den Flughafen Kastrup an. Die Deutsche Bahn fährt über die Vogelfluglinie sowie über die Große-Belt-Verbindung nach Kopenhagen. Wer mit der Fähre übersetzen will, hat die Wahl zwischen den Verbindungen Puttgarden-Rødby, Rostock-Gedser und Sassnitz-Rønne.

Verkehr: In Kopenhagen empfiehlt es sich, mit der Metro zu fahren oder sich ein Fahrrad zu leihen. Mit der Copenhagen Card, die man bereits von Deutschland aus bestellen kann, gibt es freien Eintritt in 72 Museen und Sehenswürdigkeiten der Hauptstadtregion, die kostenlose Beförderung in Bahn, Bus und Metro sowie Rabatt auf zahlreiche Attraktionen, Restaurants und Aktivitäten.

Geld: Ein Euro sind 7,44 Dänischen Kronen (Stand November 2014).

Informationen: Visit Denmark, Glockengießerwall 2, 20095 Hamburg (Tel.: 01805/32 64 63, www.visitdenmark.de).