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10. Mai 2013

Anti-Hagel-Einsatz startet in der Pfalz

Ein Kleinflugzeug soll künftig bei Gewitterwarnung aufsteigen und den Wirkstoff Silberjodid in die Wolken sprühen

Millionenschwere Hagelschäden auf Weinbergen sollen in der Pfalz künftig der Vergangenheit angehören. Zur Abwehr der Eiskörner gaben die Winzer der Region am Freitag den Startschuss für ein landesweites Pilotprojekt: Ein Kleinflugzeug soll künftig bei Gewitterwarnung aufsteigen und den Wirkstoff Silberjodid in die Wolken sprühen - auf diese Weise würden die Hagelkörner schrumpfen oder ganz verschwinden, teilte der Verein zur Hagelabwehr Vorder- und Südpfalz mit.

Das Flugzeug sollte eigentlich bereits 2012 abheben, doch die Genehmigung dauerte länger als gedacht. «Wir hatten mit sechs verschiedenen Behörden zu tun», berichtete der Vereinsvorsitzende Reinhold Hörner. Das Silberjodid wird von Rauchgas-Generatoren versprüht, die an das Flugzeug angebaut sind. Die Genehmigung hierfür sei besonders aufwendig gewesen.

Die Pfälzer sind entschlossen, ein weiteres Flugzeug anzuschaffen, wie Hörner sagte. Deshalb werbe man um weitere Vereinsmitglieder. Derzeit gehören der Initiative rund 500 Mitglieder und Förderer an, darunter auch Firmen und Kommunen. In das Flugzeug habe der Verein 70 000 Euro investiert und rechne mit 1500 bis 2000 Euro Kosten pro Einsatz. Der Vereinschef warnte zugleich vor überzogenen Erwartungen: «Wir können keinen 100-prozentigen Schutz bieten, doch auch wenn wir nur einen Teil des Schadens verhindern können, ist das schon viel.»

Die Methode wird bereits in mehreren süddeutschen Wein- und Obstanbau-Regionen, aber auch in Österreich und der Schweiz angewandt. Andernorts in Rheinland-Pfalz wird das pfälzische Projekt aufmerksam beobachtet: «Alles, was man gegen Hagel tun kann, interessiert uns. Auch Rheinhessen steht dem offen gegenüber, wenn es erfolgreich verläuft», sagte die Sprecherin des Bauern- und Winzerverband Rheinland-Pfalz Süd, Andrea Adams.

An der Mosel gab es schon mehrfach Anläufe, einen Hagelflieger zu testen. Doch das Projekt sei letztlich immer an der Finanzierung gescheitert, sagte Mosel-Weinbaupräsident Rolf Haxel. Nun werde das Pilotprojekt in der Pfalz genau verfolgt. «Die Idee, Piloten nur einzusetzen, wenn man sie braucht, könnte auch gut für uns sein», sagte Haxel. Möglicherweise werde die Mosel 2014 einen ähnlichen Vorstoß machen. Auch an der Mosel richtet Hagel laut Haxel jedes Jahr Schäden von mehreren Millionen Euro an. dpa

Silberjodid soll Hagelschlag verhindern

Der Wirkstoff Silberjodid wird zur Hagelbekämpfung verwendet, weil er eine ähnliche Struktur hat wie die Partikel, aus denen sich der eisige Niederschlag bildet. Er wird in Wolken gesprüht, damit sich das dort gespeicherte Wasser an mehr Partikeln anlagern kann. Im Ergebnis sollen die Hagelkörner kleiner ausfallen.

Der wissenschaftliche Beweis, dass die Methode tatsächlich funktioniert, steht wegen des dafür nötigen großen Aufwands bislang aus, sagt der Meteorologe Klaus Dieter Beheng vom Karlsruher Institut für Technologie (KIT). Computersimulationen hätten aber Hinweise darauf ergeben, dass die Hagelbekämpfung aus der Luft funktionieren kann.