Reise
30. Dezember 2011

Auf Safari in Südafrika

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Einmal im Leben die «Big 5» in freier Wildbahn zu sehen. In Südafrika kann man sich diesen Traum erfüllen und Löwen, Leoparden, Elefanten, Büffeln und Nashörnern sehr nah kommen - im Krüger Nationalpark und in den Lodges der Safari-Pioniere im Sabi Sand Game Reserve

Von Bernhard Krieger

Ein Sprung, ein Prankenhieb, ein Biss ins Genick - und meine erste Safari wäre auch meine letzte. Nur ein paar Meter trennen mich von einem Löwen. In dem offenen Land Rover komme ich mir vor wie Essen auf Rädern. Aber der König der Tiere hat keinen Appetit. Gelassen liegt das Raubtier unter einem Busch im «Sabi Sand Game Reserve», wo sich vor mehr als 60 Jahren der moderne Safari-Tourismus in Südafrika entwickelte.

Damals setzten 14 Landbesitzer auf Foto- statt auf Jagd-Safaris. Sie verkauften die Wildnis nicht mehr als Kulisse für Jagd-Abenteuer, sondern als Naturerlebnis. Zu den Safari-Pionieren zählten Zucker-Baron William Campbell, dessen Mala Mala Camp als das erste private Tier Reservat Südafrikas gilt, die Familie Londolozi und die Bailes, denen die «Singita Lodges» gehören.

«Anfangs musste man im Busch schon für ein lumpiges Bett und ein mittelmäßiges Essen dankbar sein», erzählt Singita-Direktor Mark Whitney. Erst in den 1980er Jahren wurden die Unterkünfte komfortabler. In der 90ern setzte die «Ebony Lodge» mit großen Suiten samt eigenen Pools und Kolonialstil-Lobby den bis heute gültigen Maßstab für solche Safari-Lodges. Eigene Landebahnen, Spas und Weinkeller wie auch in der Nachbarlodge «Boulders» sind mittlerweile Standard für das exklusive Safari-Vergnügen. Einige Lodges gehören gar zur feinen Relais & Chateau-Gruppe.

Sie sind Luxushotels und liegen doch mitten in der Wildnis im «Sabi Sand Game Reserve» am südwestlichen Rand des 1926 gegründeten Krüger Nationalparks. Oft sieht man bereits von den Lodges Affen, Nilpferde, Krokodile und Elefanten. Schon aus der Distanz sind sie beeindruckend - aus der Nähe sind sie Respekt einflößend. Ohne Guides wie Wade und Fährtenleser wie Johnson wäre man im Busch in höchster Lebensgefahr - mit ihnen ist man sicherer als in einer europäischen Großstadt.

«Keine Angst, die Aasgeier da oben warten nicht auf uns», beruhigt Wade die Neuankömmlinge vor ihrer ersten Safari-Ausfahrt kurz nach Sonnenaufgang. Für den Notfall hat er ein Gewehr dabei. «Aber bei Singita wurde noch nie ein Tier erschossen.» Die Guides können das Verhalten und die Mimik der Tiere lesen. «Sie entscheiden, wie nah wir kommen dürfen», sagt Johnson.

Langsam fahren sie die Gruppe von sechs staunenden Safari-Gästen im offenen Land Rover so bis in Elefantenherden hinein, bis auf wenige Meter an ein Rhinozeros heran, fast unter eine im Baum liegenden Leopardin, in eine Gruppe von Büffeln und durch einen Fluss an Nilpferden vorbei. So nah kommt man den Tieren zum Teil nicht mal im Zoo und erst recht nicht, wenn man mit dem Auto auf eigene Faust durch Nationalparks fährt.

Erst die Busch-Touren ermöglichen das echte Safari-Erlebnis und seltene Sichtungen, wie ein sich paarendes Löwenpärchen. «So etwas habe ich auch erst einmal gesehen», meint Wade. Trotz der Auslösegeräusche der Kameras lassen sich die Löwen nicht stören. Dabei stehen wir keine fünf Meter entfernt. Alle 15 Minuten paaren sie sich. Nur wenige Sekunden dauert das Vergnügen, begleitet von Fauchen und dem ein oder andern Prankenhieb.

Obwohl das offene Auto keinen Schutz bietet, ist es sicher. «Die Tiere riechen und hören uns, erkennen uns im Auto aber nicht als Menschen. Sie sehen nur eine große, für sie ungefährliche Kiste», erklärt Wade. Nur wenn einer plötzlich aufstehen oder sich hektisch bewegen würde, könnte es heikel werden. Kontrollierter Rückzug lautet dann die Devise. «Wer wegrennt, löst den Jagdinstinkt aus und wäre chancenlos. Jedes Raubtier läuft schneller als wir», betont Wade auf der zweiten Safari-Tour am späten Nachmittag.

Als die Sonne untergeht, stoppt er auf einer Lichtung. Johnson deckt einen kleinen Tisch auf der Kühlerhaube des Land Rovers und bittet zum Sundowner. Es gibt Gin Tonic, Bier und Sauvignon Blanc, dazu Canapés aus der Gourmet-Küche der Lodge. Einige der Köche stammen aus der eigenen Kochschule, die bereits 20 Jugendliche aus den umliegenden Dörfern ausgebildet hat. Im Luxus-Safari-Bereich wird soziales Engagement großgeschrieben.

Je dunkler es wird, umso lauter hören wir Vögel und Affen schreien, Elefanten trompeten und Löwen brüllen. Jedes Rascheln schreckt uns auf. Wie beruhigend, dass man im Busch nie allein gelassen wird. Da die Lodge nicht umzäunt ist, wird man im Dunkeln immer begleitet.

Eine Vorsichtsmaßnahme, denn Raubkatzen oder große Tiere kommen nur selten zu Besuch. Wenn doch, ist es aber ein großes Spektakel, erzählt Collin, ein Guide von der «Lebombo-Lodge» im Krüger Nationalpark an der Grenze zu Mosambik: «Bei uns ist einmal ein Zebra auf der Flucht vor einem Löwen in die Lodge galoppiert und im Pool gelandet.» dpa

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Singita Sabi Sand-Safari in Südafrika

Anreise und Formalitäten: South African Airways und Lufthansa fliegen täglich von Deutschland nach Johannesburg und weiter nach Hoedspruit, von wo man die Safari Lodges per Auto erreicht. Es gibt auch Direktflüge von Johannesburg zu den Safari-Lodges und zwischen den Lodges. EU-Bürgern reicht ein gültiger Reisepass zur Einreise.

Reisezeit und Gesundheit: Südafrika kann ganzjährig bereist werden. Empfehlenswert ist, rechtzeitig vor der Abreise wegen möglicher Malaria-Risiken einen Arzt zu konsultieren.

Geld: Ein Euro entspricht 10,75 Rand (Stand Dezember 2011).

Informationen: Südafrika Tourismus, Tel: 0800/118 9 118, dein-suedafrika.de