Honza Klein unterwegs
03. März 2014

Berliner Automobilball

Der Versuch, ein Stück Berliner Balltradition wieder zu beleben

Man weiß gar nicht so recht ob man Florian Märtens nun zu seinem Mut gratulieren oder ihn einfach nur bedauern soll. Auf eigene Kappe hat der junge Berliner es gewagt, eine Berliner Tradition wieder zu beleben.

Nun ja oder besser gesagt er hat es probiert. Denn so recht lebendig wirkte der Berliner Automobilball im Hotel Maritim an der Stauffenbergstraße nicht gerade. Besonders das Orchester der ersten zwei Stunden erinnerte doch ziemlich an die Band auf der Titanic.

130 Gäste fanden den Weg zu dem Ball. Besser gesagt zu einem gesetzten Dinner mit Musik. Wobei sich der Service des Hotels auch nicht gerade mit Ruhm bekleckerte. Eine Kollegin eines anderen Berliner Fünf-Sterne-Hotels freute sich ein wenig verschmitzt, dass es eben doch unterschiede zwischen Vier- und Fünf-Sterne-Häusern gibt.

Doch zurück zur Ballidee. Es ist eben nicht einfach, ein totes Ross wieder zum Leben zu erwecken. Einstmals war der ADAC-Ball im Januar DAS Ereignis im Berliner Ballkalender. Neben dem Berliner Presseball. Letzter ist nun durch den die Misswirtschaft des Journalistenverbandes und dann durch den Möchtegernballveranstalter Andreas Dorfmann wohl endgültig Geschichte.

2012 ließ auch der ADAC seinen Ball auslaufen, der einstmals im ICC sogar an zwei Abenden fast 9000 Gäste hatte. Im Maritim waren es dann bis zum Schluss immer noch um die 2000. Und auch der Ball des BAC (Berliner Automobilclub) ist Geschichte. Insofern ist Märtens die Idee doch aller Ehren wert. Indes fehlte ihm wohl die Werbetrommel.

Zwei Stammgäste von all den anderen genannten Veranstaltungen waren jedoch da: Evi und Josef Joraschek. Der Bailage der Chaine de Rotisseurs und seine Frau gehören seit Jahrzehnten zu den ersten auf jedem Tanzparkett. Trotz ihres Alters von 93 und 89 Jahren. „Wir sind seit 53 Jahren verheiratet und mindestens so lange tanzen wir miteinander“, erzählte Evi Joraschek. In der Zeit im diplomatischen Dienst (u.a. USA, Kanada, Afghanistan) habe sie sogar mal vor dem afghanischen König getanzt. Den beiden war es relativ egal ob es nun ein richtiges Ballgetümmel gab oder nicht. Sie tanzen einfach.

 

Für Musik sorgte übrigens auch Keith Tynes, die einstmlas mit den Platters den Welthit Only You sang. Natürlich gabs den Titel auch an diesem Abend zu hören. Und es gab sogar die übliche Mitternachtscurrywurst. Curry 36 hatte extra einen Stand.

Ob es den Ball noch einmal gibt? Eine Wette darauf würde ich nicht abschließen. Aber der Mut des Organisators ist anerkennenswert.

Bin dann mal wieder unterwegs

Euer Honza