04. Oktober 2017

Bilanz der Weinlese 2017 Geringe Menge, gute Qualität

Für die Winzer geht ein turbulentes Jahr zu Ende. In den meisten Anbaugebieten ist die Ernte bereits zum größten Teil in den Fässern - ungewöhnlich früh. Da auch europaweit weniger Wein geerntet wurde, könnten die Preise anziehen.

Der Weinjahrgang 2017 zeichnet sich durch eine geringe Menge und gute bis sehr gute Qualitäten aus. So lautet eine erste vorläufige Bilanz des Deutschen Weininstituts in Bodenheim bei Mainz. Die Hauptlese sei in vielen Anbaugebieten bereits beendet, sagte Institutssprecher Ernst Büscher. «Das ist sehr außergewöhnlich.» Noch gelesen wird vor allem an der Mosel und im Rheingau, wo der Riesling dominiert.

Die Erntemenge aller Weinanbaugebiete in Deutschland wird vorläufig auf 7,5 Millionen Hektoliter geschätzt. Das wären 18 Prozent weniger als im vergangenen Jahr und auch 18 Prozent weniger als im langjährigen Mittel, sagte Büscher. Auch die beiden größten Weinanbaugebiete schnitten in diesem Rahmen ab: In Rheinhessen kamen schätzungsweise 2,05 Millionen Hektoliter Wein in die Fässer (minus 20 Prozent), in der Pfalz waren es etwa 1,8 Millionen Hektoliter (minus 19 Prozent).

Höher fiel der Mengenrückgang an der Mosel aus, wo mit einem Verlust von 25 Prozent auf 600 000 Liter gerechnet wird - dort hatte sich im September der Nebel sehr lange im Tal gehalten, so dass die Trauben schnell reingeholt werden mussten. Ähnlich lauten auch die vorläufigen Ergebnisse von der Nahe (minus 18 Prozent auf 270 000 hl) und von der Ahr (minus 21 Prozent auf 31 000 hl). Hingegen haben die Winzer am Mittelrhein gegen den Trend diesmal mehr Trauben eingebracht und melden eine Erntemenge von 30 000 Hektolitern - drei Prozent mehr als im langjährigen Mittel.

Die Württemberger Winzer mussten wegen erheblicher Frostschäden ebenfalls einen Mengenrückgang von etwa 20 Prozent hinnehmen. Nur im Osten blieben die Anbaugebiete Saale-Unstrut und Sachsen von Wetterunbilden verschont und konnten die Erntemenge bezogen auf das langjährige Mittel um 32 Prozent steigern.

«Es war ein sehr turbulentes Jahr für die Winzer», sagte Büscher. Nach starken Frösten in der zweiten Aprilhälfte gab es im Sommer teilweise schwere Hagelunwetter, etwa im rheinhessischen Wonnegau. Der September begann dann vielfach kühl und regnerisch, was die Lese nochmal beschleunigte: «Die Winzer wollten so gesundes Lesegut wie möglich ernten. Da waren auch mittelspätreife Sorten schon so weit, dass sie gelesen werden konnten und zum Teil auch gelesen werden mussten.»

Für einen Qualitätsschub sorgten dann vielfach die beiden letzten Septemberwochen mit viel Sonne. «Durch die frühe Reife sind die Mostgewichte und Qualitäten durchaus gut bis sehr gut», sagte Bücher. Auch die Rotweine seien gut gelungen - «durch den frühen Start in die Vegetationsperiode haben die Rotweinbeeren viel Sonne und eine schöne Farbausprägung bekommen».

Die Mitglieder der Winzergenossenschaft Weinbiet in Neustadt an der Weinstraße haben ihre Weinlese auch schon beendet. «So früh waren wir noch nie fertig», sagte ein Sprecher. «Wozu wir sonst 30 Erntetage brauchten, haben wir diesmal in 20 geschafft.» Bei etwas geringerer Menge sei die Qualität sehr gut ausgefallen: «Bei Cabernet Sauvignon und Merlot haben wir 100 Grad Öchsle erreicht.»

Die deutschen Winzer stehen mit dem Ernterückgang nicht allein da. «Europaweit scheint sich in diesem Jahr die kleinste Ernte seit 2000 abzuzeichnen», sagte Büscher. Mit 146 Millionen Hektolitern werde die europaweite Erntemenge um 14 Prozent schlechter ausfallen als im vergangenen Jahr. Der Ernterückgang in Italien von elf Millionen und in Frankreich von 8,4 Millionen Hektolitern sei jeweils größer als der Gesamtertrag der deutschen Winzer.

Büscher erwartet, dass sich die Preise wegen des Ernterückgangs «wahrscheinlich etwas nach oben entwickeln». Da es noch Reserven aus früheren Jahrgängen gebe und der Markt nur eine begrenzte Anpassung zulasse, werde der Preisanstieg aber voraussichtlich gemäßigt ausfallen. dpa