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16. Februar 2011

Bio-Branche hofft nach Dioxin-Skandal auf neuen Boom

Das Jahr 2009 brachte das vorübergehende Ende des Bio-Booms. Die Zeiten kräftigen Wachstums schienen vorbei. Jetzt hoffen die Anbieter von ökologisch produzierten Lebensmitteln, Wein, Textilen und Naturkosmetik wieder auf einen kräftigen Umsatzschub

Die Bio-Branche hofft nach vorübergehender Stagnation und dem Dioxin-Skandal auf einen neuen Boom. Schon in diesem Jahr rechnet sie mit einem kräftigen Umsatzschub, wie Branchenvertreter zum Start der Biomesse Biofach in Nürnberg betonten. «Für 2011 erwarten wir eine deutliche Belebung», sagte Götz Rehn, Vorstand des Bundes der Ökologischen Lebensmittelwirtschaft (BÖLW). Er gehe von einer zweistelligen Wachstumsrate aus.

Im vergangenen Jahr hatte sich die Bio-Branche mit einer leichten Umsatzsteigerung um zwei Prozent auf 5,9 Milliarden Euro zufrieden geben müssen. Im Jahr 2009 hatten die Umsätze stagniert, wie der Bund der Ökologischen Lebensmittelwirtschaft mitteilte.

Nach BÖLW-Einschätzung übersteigt die Nachfrage nach Bio-Produkten weiterhin das Angebot in Deutschland. «Wir haben ein Beschaffungsproblem, wir brauchen mehr Unterstützung durch die Politik», sagte Rehn. Derzeit gebe es zwischen konventioneller und ökologischer Landwirtschaft in Deutschland keine Chancengleichheit, kritisierte der Präsident des Erzeugerverbandes Bioland und BÖLW-Vorstandsmitglied Thomas Dosch.

Die Förderung für den ökologischen Landbau sei in Deutschland zwischen 2004 und 2009 um elf Prozent gesunken. «Das Potenzial des ökologischen Landbaus ist aber zu wichtig, als dass man es alleine dem Verbraucher überlassen darf», gab Dosch zu bedenken. Beim Klimaschutz oder beim Erhalt der Artenvielfalt spiele der ökologische Landbau eine wichtige Rolle.

Die ökologisch bewirtschaftete Fläche in Deutschland nahm 2010 um 54 000 Hektar zu und überschritt damit erstmals die Millionengrenze. Die Zahl der Bio-Betriebe wuchs um 5,4 Prozent von 21 047 auf 22 200. Knapp über die Hälfte der Betriebe erzeugt nach den Richtlinien eines Verbandes wie Bioland, Demeter oder Naturland. 48,3 Prozent der Höfe richten sich nach der EU-Bio-Verordnung.

Vergleichsweise gut durch die Krise sind Bioläden und Biosupermärkte gekommen. Nach Angaben des Bundesverbandes Naturkost und Naturwaren (BNN) kletterte der Umsatz des Biofachhandels um knapp zehn Prozent. Betrachte man ausschließlich die Bioläden und -märkte, die bereits 2009 am Markt waren, ergebe sich ein flächenbereinigter Umsatz von 4,2 Prozent, berichtete BNN-Geschäftsführerin Elke Röder. Der Trend gehe klar zum Biosupermarkt. Während 2010 bundesweit etwa 70 großflächige Biomärkte entstanden, schlossen in dieser Zeit rund 100 kleinere Bioläden.

Vom Bio-Trend profitiert auch die Naturkosmetik immer stärker. Die Branche hat ihren Umsatz 2010 um elf Prozent auf 795 Millionen Euro gesteigert. Wie Branchenexpertin Elfriede Dambacher im Vorfeld der Nürnberger Kosmetik- und Wellnessmesse Vivaness erläuterte, kam die Naturkosmetik im gesamten Kosmetikmarkt auf einen Anteil von sechs Prozent in Deutschland. «Das ist gut doppelt so viel wie in anderen europäischen Ländern.» Die Naturkosmetik bleibe Wachstumstreiber in der Kosmetikbranche. Auch zahlreiche etablierte Marken hätten längst eine Bio-Schiene eingeführt.

Die Messe Vivaness mit rund 200 Ausstellern aus 22 Ländern ist der weltgrößten Biomesse Biofach angeschlossen, die an diesem Mittwoch beginnt. Bis zum 19. Februar präsentieren auf der Doppelmesse insgesamt 2522 Aussteller aus 85 Ländern ihre Neuheiten. Dies sind rund drei Dutzend weniger als im Vorjahr.

Leicht gestiegen ist die Zahl der ausländischen Aussteller - von 1734 auf 1772. Dagegen geht die Zahl der deutschen Aussteller weiter zurück. Im Mittelpunkt der diesjährigen Biofach steht das Thema «Welternährung», dem sich zahlreiche Foren im Rahmen eines Messe begleitenden Kongresses widmen wollen. dpa