03. Februar 2012

Biokisten aus kontrolliertem Anbau

Immer mehr Biobetriebe bieten einen Bringservice für ihre Produkte an - längst nicht nur mit regionalem Obst und Gemüse, sondern auch mit Kosmetika

Von Matthias Wenten

Ob in Bioläden, Supermärkten oder auf dem Wochenmarkt - Bio-Lebensmittel gibt es mittlerweile fast überall. Das Problem ist nur: Nicht jeder, der gerne frisch mit biologisch hergestellten Lebensmitteln kocht, hat auch die Zeit, täglich einkaufen zu gehen. Deswegen bieten immer mehr Biobetriebe einen Bringservice für ihre Produkte an.

Zwischen 300 und 400 Anbieter für Biokisten gibt es bundesweit, schätzt Günter Kugler, der Sprecher der «Ökokiste», wie sich der Verband der bäuerlichen Gemüselieferanten nennt. In dem haben sich 47 deutsche Biokistenlieferanten zusammengeschlossen, die laut Kugler zusammen auf etwa ein Drittel des Branchenumsatzes kommen. Der steige stetig. «Die Biokistenlieferanten haben seit Jahren durchschnittliche Wachstumsraten von 20 Prozent», sagt Kugler.

Das liegt auch daran, dass das Prinzip der Biokisten sehr einfach ist. Die Kunden können bei fast allen Anbietern zwischen Abonnements für verschiedene Kistenarten wählen. So gibt es beispielsweise reine Obst- oder Gemüsekisten, gemischte oder Schonkostkisten. Persönliche Vorlieben und Abneigungen gegen bestimmte Sorten werden berücksichtigt. Die Kisten gibt es meist in drei Größen.

Bestellt wird per Post, Fax, Telefon oder Internet. Die Waren werden dann zum Wunschtermin an den Wunschort gebracht. Die Anlieferung kostet meist zwischen ein und drei Euro. In Städten ist sie manchmal sogar kostenlos. Wenn sich kurzfristig die Familie oder Freunde zum Essen angekündigt haben oder wenn man auf die Schnelle verreisen muss - kein Problem: Die Bestellung kann auch kurzfristig geändert werden, solange die Kiste noch nicht gepackt ist. Wer möchte, bekommt ein spezielles Kochrezept für den Kisteninhalt dazu. Und wenn man nicht mehr beliefert werden möchte, ist das Abo jederzeit und formlos kündbar.

«Etwa 60 bis 70 Prozent unserer Kunden sind junge Familien», sagt Jochen Saacke, Geschäftsführer der «Höhenberger Biokiste» aus Velden (Bayern). Eine Schwangerschaft sei für viele Paare Anlass, die eigene Ernährung zu überdenken und auf bio umzustellen. Und wenn Obst, Gemüse und Salat dann nicht extra eingekauft werden müssen, sondern zeitsparend vor der Haustür stehen - umso besser.

Vor zehn Jahren begann die Höhenberger Lebensgemeinschaft, eine Werkstatt für Menschen mit geistiger Behinderung, Obst und Gemüse aus der eigenen Gärtnerei auf Wunsch auszuliefern. Anfangs nutzten 20 Kunden diesen Service. Mittlerweile beliefert die «Höhenberger Biokiste» mehr als 1500 Haushalte. «Früher kamen unsere Kunden ausnahmslos aus der Öko-Bewegung», sagt Saacke. «Heute haben wir ein sehr breites Publikum.»

Der ökologische Gedanke sei längst nicht mehr das einzige Argument für die Kunden, verweist Verbandssprecher Kugler auf langjährige Umfragen. Service, Bequemlichkeit und die Qualität der Produkte spielten eine genauso große Rolle. Seien die Kunden früher vorwiegend aus der Stadt gekommen, habe sich das in den letzten Jahren umgekehrt. Warum? «Auf dem Land sind die Wege zum Bioladen lang.»

Für die «Höhenberger Biokiste» habe die Eröffnung des Onlineshops vor sieben Jahren einen «riesigen Publikumsschub» gebracht, berichtet Geschäftsführer Saacke. Und die Möglichkeit, die Biokisten online zu bestellen, habe auch das Kaufverhalten verändert. Kisten aus dem Angebot würden zwar auch weiterhin bestellt. «Aber immer mehr Leute stellen sich im Internet ihren individuellen Kisteninhalt zusammen.» Seither liefert die «Höhenberger Biokiste» längst nicht mehr nur Produkte aus der eigenen Gärtnerei, Landwirtschaft, Käserei und Bäckerei: Fleisch, Kosmetik oder Klopapier vom Biogroßhändler komplettieren das Angebot.

Das ist kein Einzelfall. «Der Trend geht bei sehr vielen Anbietern zum Vollsortiment», sagt Kugler. Die Folge: Der Anteil der regionalen Produkte ist zwar auch weiterhin so hoch wie möglich. Wer jedoch zu jeder Jahreszeit alles anbietet, kommt nicht umhin, Biowaren auch zu importieren. «Unsere Kunden bevorzugen regionale Produkte, aber wenn es die nicht gibt, nehmen sie auch andere», sagt Saacke. Bei importierten Produkten werde immer der Herkunftsort angegeben und genauso wie bei regionalen auf die Qualität geachtet.

Umweltschützer unterstützen das Konzept der Biokiste. «Der Bringservice ist eine schöne Option für die Kunden. Und man sieht ja, dass die Nachfrage da ist», sagt der Nachhaltigkeitsexperte Benjamin Bongardt vom Naturschutzbund Deutschland (NABU). Der ökologische Landbau fördere die Artenvielfalt, setze keine Pestizide ein und sei klimafreundlich.

Wichtig sei jedoch, den Anteil der regionalen Produkte möglichst hoch zu halten. «Da beginnt auch die Verbraucherverantwortung.» Genauso wie bei der Auswahl des Anbieters: «Natürlich sollten die Konsumenten darauf achten, dass sie ihre Kiste nicht bei einem Bringservice bestellen, der nur für einen Kunden eine extrem weite Anfahrt hat», gibt Bonghardt zu bedenken. In der Praxis trete dieses Problem jedoch sehr selten auf. Denn: «Kein Bringservice wird schon aus wirtschaftlichen Gründen eine zu lange Anfahrt in Kauf nehmen.»

Auch die ökologisch orientierte Verbraucher Initiative sieht Biokisten als «sehr sinnvoll» an, sagt Alexandra Borchard-Becker, Referentin für Verbraucherberatung. «Bei den importierten Waren sollten die Kunden allerdings darauf achten, dass sie nicht aus Übersee kommen, weil lange Transportwege klimaschädlich sind.» dpa

Verband Ökokiste mit Postleitzahlensuche für den Bringservice: oekokiste.de