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08. Juni 2016

EM Public Viewing Fußball lässt den Euro rollen

Public Viewing | Fußball lässt den Euro rollen © Lydia Geissler

Ein Fußballspiel alleine zuhause zu schauen, ist vielen Deutschen zu langweilig. Zur Europameisterschaft locken zahlreiche Kneipen und Biergärten zum Rudelgucken. Für die Wirte lohnt sich das.

Von Christian Ebner

Die Fußball-Europameisterschaft findet für den echten Fan nicht nur in Frankreich statt. Spätestens seit der Weltmeisterschaft vor zehn Jahren im eigenen Land hat es sich in Deutschland etabliert, die Spiele gemeinsam zu schauen - in großen, eigens eingerichteten Public-Viewing-Arenen, aber auch bei freiem Eintritt in tausenden Kneipen und Biergärten um die Ecke. Wirte und Brauer hoffen auch in diesem Sommer auf ein einträgliches Zusatzgeschäft, müssen dafür aber auch investieren und organisieren. Gemeinsam setzen sie auf Sonnenschein und eine möglichst erfolgreiche deutsche Nationalmannschaft.

«Die Wirte können aus der Fußball-EM richtig was machen», sagt der Geschäftsführer des Deutschen Hotel- und Gaststättenverbandes (Dehoga), Stephan Büttner. Er schätzt, dass bis zu 40 000 Gaststätten die Spiele zeigen - so viele hätten zumindest einen Pauschalvertrag mit der Musikverwertungsgesellschaft Gema und anderen Rechteverwertern. Für eigens zur EM aufgestellte Geräte gibt es zudem Sondertarife, die der Verband für seine Mitglieder ausgehandelt hat.

Etwas von der technischen Entwicklung überholt scheint dabei die Bestimmung, dass Großbildschirme schon bei einer Bildschirmdiagonale von 42 Zoll/106 Zentimetern beginnen, denn in Elektronikmärkten sind kleinere Geräte kaum noch zu bekommen. Wird ein solches Gerät extra aufgestellt, ist für die Wirte eine Gema-Pauschale von 96 Euro für die EM fällig, erläutert Büttner.  

Vor dem Fußballfest gilt es weitere bürokratische Hürden zu überwinden. Immerhin 27 der 51 EM-Spiele beginnen erst um 21.00 Uhr und kollidieren so bei Freilichtveranstaltungen mit der gesetzlich fixierten Nachtruhe. Damit auch nach 22.00 Uhr noch lautstark gejubelt werden kann, machen viele Kommunen für den Fußball pauschale Ausnahmen - und folgen damit einer entsprechenden Bundesverordnung. Es gibt aber auch Städte wie Frankfurt, die sich die Prüfung jedes einzelnen Antrags vorbehalten und für 60 bis 100 Euro Ausnahmegenehmigungen bis 24.00 Uhr erteilen. Das Verfahren sei eingespielt, heißt es beim städtischen Ordnungsamt. Die Veranstalter wüssten schon aus früheren Jahren, was geht und was nicht geht.

Viele Wirte sind bereits im Fußballfieber. In der Mainzer Traditionskneipe «Zur Andau» denkt Chefin Janine noch über spezielle EM-Speisen passend zu den teilnehmenden Ländern nach. «Eine Käseplatte für Frankreich oder Serrano-Schinken, wenn Spanien spielt, so was halt.» Sie rechnet vor allem bei den Deutschland-Spielen mit einer vollen Hütte - «wie bei Mainz 05».

Keine besonderen Speisen hat der «Tucherhof» in Nürnberg geplant, der in seinem Garten bis zu 1500 Fans unterbringen kann. «Bei dem Andrang muss man das unkompliziert und einfach halten, sonst geht man unter», sagt Service-Kraft Daniel Ebert. Für das erhoffte rauschende Fußballfest unter freiem Himmel stellen die Franken zusätzliche Schänken in den Biergarten, die technische TV-Ausrüstung mit der 15-Meter-Leinwand ist hingegen bereits vorhanden.

Rund 6000 Euro hat Björn Hensoldt in die Hand genommen, um seine «Leibniz Lounge» in Hannover mit einem großen LED-Bildschirm zu bestücken. Die Beach-Bar steht sonst nicht im Zeichen des TV-Sports, doch zur EM interessierten sich einfach sehr viele Leute für die Spiele, erklärt der Wirt. Ob es ein gutes oder ein sehr gutes Geschäft wird, hängt aber vor allem am Wetter. Hensoldt hofft auf einen ähnlichen Traumsommer wie bei der WM 2006. Bei entsprechendem Turnierverlauf könne der Umsatz in dem EM-Monat schon gut doppelt so hoch ausfallen wie üblich, sagt er.

Die Brauer erwarten für die Zeit kurz vor und während des Fußball-Turniers einen deutlichen Absatzschub zwischen 4 und 5 Prozent, manche Betriebe fahren sogar Sonderschichten. «Die vergangenen großen Fußball-Events haben gezeigt, dass während der Turnierdauer mehr Bier getrunken wird als sonst in Sommerwochen üblich», sagt ein Sprecher des Brauerbunds. Ohne kühles Bier könne man sich Public Viewings, Straßenfeste und Grillpartys eben nur schwer vorstellen. dpa