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30. August 2011

Hamburg verbietet Wein und Bier in Bus und Bahn

Hamburg geht ab 1. September gegen Alkohol in öffentlichen Verkehrsmitteln vor: Nach einem Monat Anlaufphase werden vom 1. Oktober an 40 Euro für Verstöße fällig

Von Silvia Haselhuhn

Hamburg verbannt Alkohol aus Bussen und Bahnen. Bierleichen zwischen hin und her rollenden Flaschen in der U-Bahn, Gelage auf dem S-Bahnsteig, fröhliches Vorglühen auf dem Weg zur Party - all' das soll am 1. September enden.

Schon jetzt weisen Plakate an Haltestellen, auf Bahnsteigen und in Bussen darauf hin: «Alkoholfreie Zone. Danke, dass Sie mitmachen.» Vom 1. September an dürfen Fahrgäste in allen U- und S-Bahnen des Hamburger Verkehrsverbundes (HVV) und an den Haltestellen weder Alkohol trinken noch geöffnete Flaschen bei sich tragen. Obwohl das Verbot schon am 1. September in Kraft tritt, muss die Strafe von 40 Euro erst ab dem 1. Oktober gezahlt werden.

Der HVV setzt auf eine einmonatige «Verwarnphase», in der die Fahrgäste zunächst in Gesprächen, mit Infokarten und Durchsagen aufgefordert werden, das Alkoholtrinken zu unterlassen. Eine Strafe muss dann noch nicht gezahlt werden. «Wir wollen den Fahrgästen die Möglichkeit geben, sich an das Alkoholverbot zu gewöhnen», sagt HVV-Pressesprecherin Gisela Becker.

Von dem Verbot ausgenommen sind die Nord-Ostsee-Bahn, Nordbahn und DB Regio. Diese Linien überschreiten das HVV-Gebiet in Richtung Schleswig-Holstein, wo das Alkoholverbot nicht mehr gilt. Fest verschlossene Flaschen mit Wein, Bier und Schnaps dürfen Fahrgäste aber weiterhin dabei haben. Und natürlich können Menschen unter Alkoholeinfluss auch weiterhin Busse und Bahnen nutzen - nur während der Fahrt dürfen sie nicht trinken.

Wie wird das Einhalten des Alkoholverbots kontrolliert? «Unsere Sicherheitskräfte gehen bei der Kontrolle nach Augenschein und Gehör», sagt HVV-Pressesprecherin Becker. «Es wird definitiv keine Körperkontrolle oder Taschenkontrolle geben.»

Andere deutsche Städte schauen neugierig auf das Entzugsprogramm der Hansestadt. «Im Moment sträuben wir uns noch, was ein solches Alkoholverbot angeht. Die Frage ist immer, wie man das umsetzen kann», sagt Petra Reetz von der Berliner Verkehrsgesellschaft BVG. «Sollte sich herausstellen, dass Hamburg mit diesem Konzept einen Königsweg gefunden hat, würden wir uns dem auch nicht versperren.»

Das Alkoholverbot in Hamburgs Bussen und Bahnen wurde lange diskutiert. Die niedersächsische Eisenbahngesellschaft Metronom untersagt seit Herbst 2009 den Alkoholkonsum in ihren Zügen. «Wir haben sehr positive Resonanzen. Die Strecken sind sauberer und es gibt weniger Ärger mit angetrunkenen Reisenden», sagt Metronom-Sprecherin Tina Allerheiligen. «Allerdings kann man Metronom und den HVV schwer miteinander vergleichen, da unsere Passagiere häufig auf längeren Strecken unterwegs sind als Fahrgäste des HVV.»

Bei einer Imageanalyse des HVV im vergangenen Jahr hatten sich 86 Prozent der Fahrgäste für ein Alkoholkonsumverbot im Hamburger Nahverkehr ausgesprochen. Doch längst nicht alle Hamburger fiebern den trockenen Zeiten entgegen. Im Sozialen Netzwerk Facebook ruft eine Gruppe zum «HVV-Abschiedstrinken» am 30. September auf - denn vom 1. Oktober an wird es ernst mit einer Geldbuße für Alkoholsünder.

5118 Menschen haben laut Facebook ihre Teilnahme bereits angekündigt. Der Veranstalter freue sich auf «eine friedliche und gelassene Party». Nach Informationen der Hamburger Hochbahn wird derzeit mit HVV und der Innenbehörde an einem Konzept gearbeitet, um die Sicherheit bei dieser Veranstaltung zu gewährleisten. dpa

Bier in der Bahn - Alkoholverbote im Ausland

Saufen und Fahren, diese Kombination ist in öffentlichen Verkehrsmitteln in vielen Städten im Ausland schon lange tabu. Oft ist auch Essen verboten. Einige Beispiele:

In LONDON waren Betrunkene in der U-Bahn lange ein gewohntes Bild. Doch Bürgermeister Boris Johnson setzte 2008 als eine seiner ersten Amtshandlungen ein Alkoholverbot in der «Tube» durch. Der letzte Tag, an dem noch getrunken werden durfte, artete in einer Saufparty aus. Der Alkohol-Bann gilt auch für Busse und Nahverkehrszüge. Das Verbot wird weitgehend eingehalten, auch weil Züge und Bahnhöfe mit Kameras überwacht und Verstöße mit teils saftigen Strafen geahndet werden.

Wer in PARIS in der Metro gesittet eine Flasche Bier trinkt oder sich mit Freunden unauffällig eine Flasche Wein teilt, muss in der Regel keinen Ärger befürchten. Die für den öffentlichen Nahverkehr zuständige RATP betont aber, dass Alkoholkonsum eigentlich verboten sei. Betrunkenen kann die Mitfahrt verweigert werden. Wenn die Polizei geholt werden muss, droht eine Geldstrafe bis zu 150 Euro.

In den U-Bahnen und Bussen in WASHINGTON ist es wie auch auf den Bahnhöfen verboten, zu essen und zu trinken. Die Regeln werden rigoros umgesetzt, es kam bei Verstößen auch schon zu Festnahmen. Ohnehin gilt in der Hauptstadt wie in vielen anderen US-Städten auch ein Gesetz, das Alkohol-Trinken im öffentlichen Raum verbietet.

In der BUDAPESTER Metro darf man grundsätzlich weder essen noch trinken. Das gilt auch für Busse und Straßenbahnen sowie für die Bahnsteige und Unterführungen. Man darf weder auf Bahnsteigen noch in den Bahnen betrunkenen sein - egal wo der Alkohol konsumiert wurde. Dem Essverbot läuft zuwider, dass auf vielen Bahnsteigen Essen und Trinken verkauft werden.

In der BUKARESTER Metro ist Essen und Trinken nicht verboten. Einzige Kuriosität: Ausdrücklich wird das Mitführen von lebenden Vögeln verboten, es sei denn, diese säßen in einem Käfig.

Offene Bier- oder Weinflaschen und grölende Fahrgäste sieht man in ROM in der Metro eher selten. Auf der langen Liste der Verbote steht zwar nicht ausdrücklich Alkohol. Aber man darf nicht betrunken in die Metro, nicht singen, Musik machen oder andere Fahrgäste stören. Auf das Rauchverbot legen die Verkehrsbetriebe nachdrücklicher Wert - mal abgesehen davon, dass die «21 Metro-Verbote» zwar in allen Station hängen, es aber doch wenig Kontrollen gibt.

In ÖSTERREICH wollen die Wiener Linien dem Thema «eher mit Augenzwinkern» begegnen, sagte deren Sprecher Michael Unger. Zwar sei ein Getränkeverbot festgelegt, aber eine explizite Verordnung wie das Rauchverbot sei nicht geplant.

In GRIECHENLAND gilt in allen öffentlichen Verkehrsmitteln ein Verbot von Alkohol und auch allen anderen Getränken außer Wasser. Es wird meist eingehalten. In der Regel wird nicht auf der Straße, im Zug oder Bus getrunken. Es gilt als unhöflich, mit einer Flasche durch die Gegend zu laufen.

In RUSSLAND hat Kremlchef Dmitri Medwedew kürzlich radikale Einschränkungen für den Bierkonsum befohlen. Ab 2012 herrscht in allen öffentlichen Anlagen ein absolutes Alkoholverbot, ab 2013 dürfen Geschäfte und Kioske neben Wodka und Wein nachts auch kein Bier mehr verkaufen. So will Medwedew die weit verbreitete Trunksucht eindämmen. Alkohol in der Moskauer Metro ist verboten, doch sind Biertrinker ein alltägliches Bild. Kontrollen gibt es nicht.

Das schärfste Alkoholgesetz der SCHWEIZ hat Chur im Osten des Landes. Ab Mitternacht bis 7.00 Uhr morgens ist Alkoholkonsum in der Öffentlichkeit verboten. Die Erfolge werden in der ganzen Schweiz diskutiert, auch kleine Gemeinden planen schärfere Bestimmungen.

In NEU DELHI herrscht an allen öffentlichen Orten Alkoholverbot. Jugendliche mit einem Bier in der Hand wären in der Metro undenkbar. Zumal es für sie unmöglich ist, überhaupt (legal) an Alkohol zu kommen: Die Abgabe alkoholischer Getränke auch in Restaurants und Bars ist nur erlaubt, wenn der Kunde mindestens 25 Jahre alt ist.

Im IRAN herrscht absolutes Alkoholverbot. Alkoholische Getränke dürfen weder serviert noch verkauft werden. Sowohl Konsumenten als auch Verkäufern drohen beim Verstoß saftige Geldstrafen oder Peitschenhiebe. Dennoch kaufen viele Iraner Alkohol auf dem Schwarzmarkt oder machen ihn selbst.