HOTELS
22. Juli 2011

Hotel Adlon in Berlin: Pacht soll nachgezahlt werden

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Im nicht enden wollenden Machtkampf um das Berliner Hotel Adlon hat der Immobilienkaufmann Anno August Jagdfeld den Vorwurf der Misswirtschaft zurückgewiesen

Von Maren Martell

Sie versprachen sich einst hohe Renditen. Über die Jahre bekamen die Adlon-Anleger aber nur mickrige Ausschüttungen. Einige machen den Initiator des Hotel-Fonds dafür verantwortlich und wollen Anno August Jagdfeld entmachten. Der startet eine Gegenoffensive.

Hinter den Kulissen des Berliner Adlon-Hotels rumort es wieder mächtig: Die Anleger des Fundus Fonds Nr. 31, dem auch die prominente Hotelimmobilie am Brandenburger Tor gehört, wollen den Unternehmer Anno August Jagdfeld entmachten. Im Streit mit ihm geht es nicht um den Betrieb der Fünf-Sterne-Herberge durch die Kempinski-Kette.

Seit Herbst 2008 fordert der Initiator des Fonds von seinen Gesellschaftern den Verzicht auf die Zahlungen der Adlon Holding, das ist der zweite Pächter neben Kempinski. Die Holding betreibt Restaurants, Bars, eine Weinhandlung und das Luxusbad im Adlon. Sie ist finanziell in Bedrängnis geraten. Jadgdfeld nennt als Gründe «die Wirtschaftskrise und einige Sonderfaktoren».

Nun probt ein Teil der Anleger, die einst insgesamt 223 Millionen Euro in das Hotel investierten, erneut den Aufstand. Auf einer Gesellschafterversammlung am 26. August wollen sie über die Ablösung Jagdfelds abstimmen lassen.

Der Berliner Anwalt Thomas Fritsch schätzt, dass sich seit 2008 fast acht Millionen Euro nicht ausgezahlter Pacht aufsummiert haben, die Holding spricht von rund sieben Millionen Euro. Schon im Frühjahr vorigen Jahres machten die Gesellschafter Front gegen den 64 Jahre alten Immobilienentwickler. Die Rebellen hatten sich 2009 zusammengetan. Mittlerweile zählt die Vereinigung rund 220 frustrierte Geldgeber, die von Fritsch betreut werden.

Im Raum steht der Vorwurf, Jagdfeld profitiere vom Pachtverzicht auf Kosten des Adlon-Fonds, den er selbst aufgelegt hat und dessen Geschäftsführer er ist. Die Adlon Holding, ein Unternehmen der Jagdfeld-Gruppe, soll allein 2009 Verluste von zwei Millionen Euro geschrieben haben. Pikant: Jagdfelds Sohn Julius leitet das Unternehmen.

Lange ging es in dem Streit, der auch schon Gerichte beschäftigte, um die Offenlegung von Zahlen. Fritsch kritisierte zudem, dass Jagdfeld ein System installiert habe, «bei der sich die Gesellschafter untereinander nicht kannten». Nach einem Urteil von Anfang des Jahres mussten nun die Namen und Anschriften der etwa 4400 Anleger bekanntgegeben werden.

Jagdfeld wirft Fritsch umgekehrt Falschbehauptungen und Halbwahrheiten vor. «Er ist ein Brandstifter, der nach der Feuerwehr ruft», so der Unternehmer. Die Anschriften der Gesellschafter seien lange aus rechtlichen Gründen nicht offengelegt worden, weil der Fonds nach treuhänderischem Modell aufgelegt worden seie. «Die Bekanntgabe der Namen war bis Januar verboten», betont Jagdfelds Sprecher Christian Plöger. Auch der Pachtverzicht in Höhe von insgesamt etwa sieben Millionen Euro sei kein Geheimnis. «Das Geld ist aber nicht weg. Es wird zurückgezahlt, sobald sich die Zahlen bessern.»

Die Verluste der vergangenen Jahre begründet die Adlon Holding mit der Wirtschaftskrise und Verzögerungen bei den Umbauarbeiten an der Südseite des Adlons, die zu einer deutlich verspäteten Eröffnung der dortigen Betriebe geführt haben. 1994 hatte Jagdfeld den Fonds aufgelegt. Mit der Aussicht auf den Wiederaufbau im Mai 1945 fast völlig zerstörten Adlon-Hotels konnte er Anwälte, Ärzte und Unternehmer anlocken. Diese versprachen sich hohe Renditen und Steuervorteile.

Doch seit der Eröffnung des Luxushotels 1997 kamen bis heute insgesamt nicht mehr als 18 Prozent an Ausschüttung heraus, wie Jagdfeld in der «Süddeutschen Zeitung» berichtet (siehe unten). Als Grund nennt er den großen Wettbewerb in Berlin, der die Preise drücke. Der Fonds habe dennoch 15 Millionen Euro auf dem Konto. «Damit stehen wir unter allen Berliner Luxushotels am besten da. Es ist die freie Entscheidung der Anleger, ob ausgeschüttet oder angespart werden soll», stellt Jagdfeld fest.

Kempinski zahlt 12 Millionen Euro Pacht jährlich in den Topf. Anwalt Fritsch wirft Jagdfeld vor, nach 2009 keine neuen Mieter für Restaurants und Wellnessbereich gesucht zu haben. Jagdfeld sagte, es habe keinen Interessenten gegeben: «Die Alternative wäre jahrelanger Leerstand gewesen, die Anleger hätten die Pacht ganz abschreiben müssen.»

Eine von Fritsch organisierte Schutzgemeinschaft der Anleger will nun Ende August eine neue GmbH installieren. Deren zwei Geschäftsführer sollen die Verwaltung der Immobilie kontrollieren. Dann aber werde dem Mindestkapital der GmbH in Höhe von lediglich 25 000 Euro das Privatvermögen Jagdfelds als persönlich haftender Gesellschafter gegenüberstehen. «Das werden sich die Anleger gut überlegen müssen.» Jagdfeld selbst hat «keine Sorge, dass ich auf der Versammlung die Mehrheit verliere. Das ist Mumpitz.» dpa

Jagdfeld in der Süddeutschen

Der von ihm 1994 aufgelegte Adlon-Fonds habe den Anlegern «ein exzellentes Hotel und hohe Steuervorteile» gebracht, sagte Jagdfeld der «Süddeutschen Zeitung» vom Freitag.

Der Adlon-Fonds mit dem Namen «Fundus Fonds Nr. 31» hatte für den Bau des 1997 eröffneten Fünf-Sterne-Hotels 223 Millionen Euro eingesammelt. Er hat im vergangenen Jahr keine Ausschüttung an die rund 4400 Anleger geleistet. Hintergrund ist der vorübergehende Verzicht auf mindestens sieben Millionen Euro Pacht, die eigentlich für Restaurants, Bars und das Luxusbad im Adlon fällig wären.

Diese Einrichtungen werden von der Adlon Holding betrieben, die Jagdfelds Sohn Julius führt. Eine Gruppe von Anlegern des Adlon-Fonds werfen dem Vater deshalb eine Interessenkollision vor und wollen ihn auf einer Gesellschafterversammlung am 26. August von der Spitze des Fonds verdrängen.

Der 64-Jährige hat nach eigenen Worten aber «keine Sorge, dass ich auf der Versammlung die Mehrheit verliere». Erst vor wenigen Tagen hatte Jagdfeld angekündigt, er wolle Anfang August die Anleger in einer Reihe von Veranstaltungen über die Pläne seiner Gegner aufklären.

Jagdfeld versicherte, dass die bis Ende 2011 ausgesetzte Pacht nachgezahlt werde. «Die Alternative wäre jahrelanger Leerstand gewesen, die Anleger hätten die Pacht ganz abschreiben müssen», sagte der Unternehmer in dem Interview.

Der Fonds hat nach Jagdfelds Angaben bislang insgesamt 18 Prozent Rendite abgeworfen. Berlin habe inzwischen mehr Luxushotels als London oder New York, das drücke auf die Preise. «Geben Sie uns Zeit: Das Adlon läuft gut, der Fonds hat 15 Millionen Euro auf dem Konto», sagte er.

«Was ich leisten konnte, habe ich gemacht: Das Hotel errichtet zum zugesagten Preis in anerkannter Qualität, plus die Steuervorteile. Für die Entwicklung von Mieten und Zinsen in der Zukunft kann ein Fondsinitiator nicht geradestehen.» dpa