HOTELS
23. Mai 2014

Hyatt baut Neues Schloss zum Luxushotel um

Ab Mitte 2017 sollen in Baden-Baden Gäste in einem Fünf-Sterne-Hotel unterkommen

Nach jahrzehntelanger Unsicherheit gibt es für das Neue Schloss in Baden-Baden eine klare Zukunft: Der einstige Sitz der Markgrafen von Baden aus dem 16. Jahrhundert wird von der US-Kette Hyatt zu einem Fünf-Sterne-Hotel ausgebaut.

Die kuwaitische Besitzerin Fawzia Mubarak Al Hassawi sagte am Donnerstag bei der Bekanntgabe der Entscheidung, sie freue sich sehr über die Vereinbarung, da das Neue Schloss für ihr Investmentunternehmen Badriah einzigartig sei. «Das ist ein besonderer Tag für Baden-Baden», sagte Oberbürgermeister Wolfgang Gerstner (CDU). «Jetzt bin ich gespannt, wie die Pläne von Hyatt aussehen.»

Der von den Eigentümern engagierte Projektplaner Moreno Occhiolini sagte, das historische Gebäude werde zweieinhalb Jahre lang umgebaut. Die Arbeiten sollten vor Ende dieses Jahres beginnen. Das Hotel könne dann voraussichtlich Mitte 2017 in Betrieb gehen. Der Vertrag mit Hyatt habe eine Laufzeit von 25 Jahren und könne nicht vorzeitig beendet werden.

Auf dem 55 000 Quadratmeter großen Gelände sollen nach Angaben von Hyatt 146 Zimmer, Konferenzräume, ein Pool- und Saunabereich sowie ein Restaurant entstehen. Das Fünf-Sterne-Hotel wolle sich nicht von der Stadt isolieren, sondern ein Teil von Baden-Baden bleiben, versicherte Occhiolini, ehemaliger Geschäftsführer des Hotels «Vier Jahreszeiten» in Hamburg. Er fügte hinzu: «Wir wollen die Verbindung zur Stadt.»

Zum Umfang der geplanten Investitionen machte Occhiolini keine Angaben - bei früheren Überlegungen war eine Summe von 90 Millionen Euro genannt worden. «Ich denke nicht, dass es so viel sein wird, aber es ist ein erheblicher Betrag», sagte der Projektplaner. Das Gebäude stelle besondere Anforderungen, die bei den Bauarbeiten berücksichtigt werden müssten.

Der scheidende OB Gerstner sagte, er sei froh, dass die lange quälende Zeit der Unsicherheit nun beendet sei. Die geplante Dauer der Umbauarbeiten von zweieinhalb Jahren sei allerdings recht ambitioniert.

Baden-Baden wird das siebte Hyatt-Hotel in Deutschland und das erste in Baden-Württemberg. Das Unternehmen mit Sitz in Chicago freue sich sehr, seine Präsenz in Deutschland auszubauen und zugleich ein besonderes Gebäude zu erneuern, erklärte Hyatt-Europachef Peter Norman in einer Pressemitteilung.

Die verschuldete Familie der badischen Markgrafen hatte das Hotel 2003 an den Vater von Al Hassawi verkauft. Das über der Altstadt von Baden-Baden gelegene Schloss war einst ein beliebtes Ziel für Ausflüge und Konzerte, ist inzwischen aber nicht mehr zugänglich. Der Innenhof wird von einer großen Erdhalde bedeckt.

Die Stadt erteilte nach heftigen Diskussionen 2010 die Genehmigung für den Umbau in ein Luxushotel. Hyatt war danach schon einmal als Betreiber im Gespräch, doch kam damals keine Einigung zustande. dpa

Neues Schloss erwacht aus Dornröschenschlaf:

Madame strahlt: Fawzia Mubarak Al Hassawi, seit 2003 Besitzerin des Neuen Schlosses in Baden-Baden, hat endlich einen Betreiber für das geplante Luxushotel gefunden. Wo einst der Markgraf von Baden residierte, sollen ab Mitte 2017 die Reichen und Mächtigen nächtigen, in einem Fünf-Sterne-Hotel der US-Kette Hyatt.

Und auch der Oberbürgermeister freut sich: «Das ist ein großer Tag für Baden-Baden.» Madame, wie die kuwaitische Investorin von allen genannt wird, habe das Vertrauen nicht enttäuscht, lobt OB Wolfgang Gerstner (CDU) am Donnerstag im Kavalliersgebäude des Neuen Schlosses.

Am Treppenaufgang blühen rote Rosen - «um die hat sich der Markgraf noch selbst gekümmert», sagt der Hausmeister wehmütig. Aber der Innenhof wird von einer großen Schutthalde bedeckt, Brennesseln wuchern. Die Fenster im gegenüber gelegenen Remisenbau sind eingeschlagen. Der Stammsitz der Markgrafen liegt in einem tiefen Dornröschentraum.

Jetzt soll Hyatt das Schloss wieder wachküssen. Bis Ende des Jahres sollen die Bauarbeiten beginnen und etwa zweieinhalb Jahre dauern - ein ambitioniertes Vorhaben, meint der scheidende OB Gerstner, der sichtlich froh ist, dass dieses Dauerproblem seiner Amtsjahre nun ein glückliches Ende finden soll. Er sei sicher, dass die «Klientel, die gewonnen werden kann, die Stadt bereichern wird».

Auch Moreno Occhiolini, der sich als ehemaliger Direktor des Hamburger Hotels «Vier Jahreszeiten» im Auftrag von Madame um die Projektplanung kümmert, spricht von der «hochwertigen Kundschaft», die im Neuen Schloss erwartet wird. Schließlich müssen sich die Investitionen rentieren, die wohl im deutlich zweistelligen Millionenbereich liegen - eine genaue Zahl will Occhiolini nicht nennen.

Schon fertig ist der Hochglanzprospekt. Demnach sollen die historischen Gebäude aus dem 16. Jahrhundert um einen fünfgeschossigen Neubau ergänzt werden, beide Teile verbindet eine «spektakuläre, 54 Meter lange überdachte Glasbrücke». Auf dem mit Park insgesamt 55 000 Quadratmeter großen Gelände sollen nach Angaben von Hyatt 146 Zimmer entstehen - ein Teil davon als «exklusive Privatresidenz» eingerichtet, außerdem Konferenzräume, ein Pool- und Saunabereich sowie ein Restaurant.

Was haben dann noch die Baden-Badener und die Besucher der Stadt vom Neuen Schloss? «Wir wollen die Verbindung zur Stadt», verspricht Occhiolini. Das Hotel sei sich seiner Rolle als Teil von Baden-Baden bewusst.

Wie das dann nach dem Ende des Dornröschenschlafs umgesetzt wird, bleibt Aufgabe der Stadt und von Gerstners gewählter Nachfolgerin Margret Mergen (CDU). «Ich erwarte schon, dass die Bürger von Baden-Baden Zugang zum Schlosspark erhalten werden», sagt der CDU-Fraktionschef im Gemeinderat, Armin Schöpflin, der Nachrichtenagentur dpa.

Auch Astrid Sperling-Theis, die für die Fraktion der Grünen zur Präsentation in das Kavalliersgebäude gekommen ist, sieht im ungehinderten Zugang zum Schlosspark ein wichtiges Anliegen und bedauert, dass das Neue Schloss nicht vom Land erworben worden sei, als die Möglichkeit dazu bestanden habe. Statt eines Hotels hätte es dort auch eine Akademie oder eine Deutsch-Französische Begegnungsstätte geben können. «Dass jetzt ein privater Investor den Reibach macht, liegt nicht im Interesse des Gemeinwohls.»