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03. September 2014

IFA Berlin Neues Design für Kühlschrank & Co

Immer öfter legen Hersteller Wert darauf, dass der Kühlschrank ein Hingucker in der Küche ist - Oder dass Herd, Mikrowelle und Dunstabzugshaube perfekt zueinander passen - Das zeigt sich auch auf der Elektronikmesse IFA

Von Simone Andrea Mayer

Das Aussehen von Haushaltsgeräten war lange kein Thema. Sie müssen waschen, spülen, kochen und backen können - das reicht. Aber die großen weißen Kisten stehen so präsent im Wohnraum, dass sich immer mehr Designer über ihr Aussehen Gedanken machen. Einige Beispiele werden auf der Elektronikmesse IFA in Berlin vorgestellt (Publikumstage 5. bis 10. September).

Siemens will dem Sammelsurium an unterschiedlich aussehenden Haushaltsgeräten in der Küche ein Ende setzen. In der neuen Serie namens IQ700 haben alle Einbaugeräte die gleiche Optik, darunter Herd und Mikrowelle, Kaffeevollautomat und Dunstabzugshaube. Die Blenden sind gleich hoch und haben darunter ebenfalls gleich hohe Edelstahlstreifen, so dass die Geräte gut nebeneinander oder untereinander passen.

Gerade bei den hohen Einbaugeräten legen die Hersteller immer mehr Wert auf einen einheitlichen Look, erklärt Kirk Mangels, Geschäftsführer der Arbeitsgemeinschaft Die Moderne Küche (AMK). Auch der neue Backofen der Serie 8 von Bosch passt optisch zu den entsprechenden Kochstellen und Abzugshauben. Gorenje präsentiert einen Backofen und eine Mikrowelle, die optisch einheitlich gestaltete Bedienblenden haben.

Aber das sind kleine Veränderungen im Design. Der Ofen sieht noch nach Ofen aus, und der Kühlschrank bleibt im Großen und Ganzen der Kühlschrank, wie man ihn seit Jahrzehnten kennt. «Die lange Lebensdauer der Geräte führt dazu, dass Konsumenten drei bis vier Gerätegenerationen überspringen, bis sie ein neues kaufen», erklärt Gerhard Nüssler, Chefdesigner bei Siemens-Electrogeräte. Daher geht die Veränderung der Optik nur schrittweise voran. Denn die Firmen wollen, dass der Kunde neue Geräte im Handel noch als Geräte der Marke wiedererkennt.

Die Zwei-Zonen-Blende ist einer der sogenannten Designcodes von Siemens - das Wiedererkennungsmerkmal für die Kunden. Die Blende bei der Serie IQ700 wurde daher im Vergleich zu früheren Geräten nur leichter und filigraner und mit neuen Proportionen gestaltet.

Andere Hersteller wollen die etablierte Optik der Haushaltsgeräte zumindest mit einem kleinen Evolutionssprung verändern: «Wenn ich mir im Handel die Weiße Ware ansehe, dann finde ich weiße Kisten, und daran hat sich in den vergangenen 30 Jahren wenig verändert», erklärt Diana Diefenbach, Marketing Communication Managerin bei Samsung Electronics Deutschland. «Das Design der weißen Kisten wollten wir durchbrechen.»

Herausgekommen ist mit der Crystal Blue WW9000 zwar wieder eine weiße Kiste, aber eine mit einem blauen Bullauge. Die Trommel der Waschmaschine hat dem Thema Wasser entsprechend ein wellenförmiges Muster. Und die Einprägungen in den Seiten des Gerätes, die die Vibration abfangen, sehen wie das Muster auf der Wasseroberfläche aus, wenn man einen Stein in den See wirft.

Nun mag mancher fragen: Muss meine Waschmaschine denn hübsch aussehen oder der Herd zur Mikrowelle passen? «Wir wollen, dass unsere Haushaltsgeräte auch ein Erlebnis bieten, Emotionen hervorrufen, wenn ich sie sehe, und nicht nur, wenn ich sie bediene», sagt Diefenbach. Laut einer Studie von Siemens sehen mehr als 57 Prozent der Deutschen die Küche als Statussymbol an, ergänzt Chefdesigner Gerhard Nüssler. Man will sie anderen zeigen.

Vor allem hat sich aber geändert, dass Haushaltsgeräte nicht mehr wie Werkzeuge wirken sollen. Denn die Küche sei nicht mehr reiner Arbeitsraum, sagt Küchenexperte Mangels. Hier sitzt nun die Familie abends gemütlich zusammen. Hier und nicht mehr unbedingt im Wohnzimmer würden inzwischen sogar Partys gefeiert. Entsprechend verändern sich die Grundrisse der Wohnungen: Die Küche geht direkt ins Wohnzimmer über. Damit verändern sich auch die optischen Ansprüche.

Weniger gefragt sei laut Nüssler zum Beispiel der steril wirkende Edelstahl, den viele ambitionierte Hobbyköche sich eine Zeit lang in die Küche holten, weil sie das an die Profiküchen erinnerte. Dafür sind die wohnlicher und edel wirkenden Glasflächen gefragter.

Auch die Küchenmöbel verändern sich - sie wirken inzwischen häufig wie die Einrichtung für das Wohnzimmer. Und viele Hersteller werben damit, dass ihre Geräte sich unauffällig in die Kücheneinrichtung integrieren, also nicht stören. «Elegant und zurückhaltend» wirkt laut Bauknecht dessen Induktionsbackofen der Kosmos-Serie mit Edelstahloberfläche und Elementen aus klarem Glas. Der Backofen der Serie 8 von Bosch drücke eine «gestalterische Ruhe» aus. Es sei den Gerätehersteller wichtig, dass ihre Modelle und die Küchenmöbel eine Symbiose bilden, hat AMK-Geschäftsführer Mangels beobachtet.

Andere Hersteller setzen farbliche Akzente: Gorenje bietet die Kühlschränke der OldTimer-Linie in immer mehr Farben an. Zur IFA 2014 kommt Ozeanblau hinzu.

Beim Design geht es aber nicht nur um das Aussehen eines Gerätes - es soll auch einfach zu bedienen und gut zu verstehen sein. Es gehe um eine hochwertige Verarbeitung, einen guten haptischen Eindruck, sagt die Industriedesignerin Diefenbach. Es gehöre aber auch dazu, dass sich keine Fingerabdrücke an der Oberfläche absetzen können, was bei Edelstahl eigentlich schnell passiert. Neue Beschichtungen, die viele Hersteller anpreisen, verhindern das. «Treiber bei der Veränderung des Designs sind in erster Linie neue Technologien, Materialien und Verarbeitungen», sagt Nüssler.

So gibt Samsung zum Beispiel seinem Kühlschrank Food Showcase eine dritte Tür - mit einem Fach für Lebensmittel, die man häufiger als andere herausholt. Oder die Entwicklung zeigt sich bei den Küchengeräten daran, dass Touchdisplays, wie man sie vom Handy kennt, zum Standard werden.

Aber die Knöpfe verschwinden nicht ganz: Trotz des vorherrschenden Trends zur Digitalisierung von Geräten braucht der Kunde laut Bosch noch immer ein haptisches Feedback und eine zentrale Einheit, mit der er durch das Menü navigieren kann. Mit einem Touchdisplay allein verliere der Benutzer den Überblick. Einen drehbaren Knopf setzt das Unternehmen als Hingucker am Gerät ein, daneben gibt es aber auch den Mini-Bildschirm.

Am Ende aber bleibt die weiße Kiste meist noch die weiße Kiste - zumal es laut Nüssler noch immer einen sehr hohen Anteil an weißen Küchen gibt. Doch vielleicht wird eben mal das Bullauge blau. Aber mehr ist oft nicht möglich, finden die Kunden. «Diverse Tests haben gezeigt, dass Bullaugen ohne Fensterglas keine große Akzeptanz aufweisen.» Verbraucher seien es einfach gewohnt, und sie fühlten sich sicherer, wenn sie das Wasser in der Maschine sehen können. dpa

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