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15. Dezember 2013

Interview mit Michael Frenzel

Fotos Palace

Der General Manager des Hotel Palace über Berlin, Restaurant-Guides, Lifestyle und den Kurfürstendamm

GOURMETWELTEN: Haben Sie den Sterne- und Punkte-Stress von Michelin und Gault Millau gut überstanden?

FRENZEL: Wir haben den Stern und 17 Punkte erfolgreich verteidigt und sind stolz darauf. Im Feinschmecker wurden wir mit 3,5 F belohnt, beim Bertelsmann wurde Matthias Diether Koch des Jahres. Nach den Guides ist vor den Guides.

Einen Volltreffer hat das Hotel Palace mit dem Berliner Meisterkoch 2013 gelandet, was bedeutet das für ihr Haus?

Das hat mir persönlich viel bedeutet. Erst war Matthias Diether Aufsteiger, jetzt die Bestätigung der Fachjury für die ganze Arbeit, es ist eine hohe Auszeichnung.

Was bringen die sehr guten Wertungen der Guides in Berlin für die Hotellerie?

Es gibt einen weltweiten Gourmet-Reisemarkt. Sind Häuser hochdekoriert, dann kommen Gourmets extra dafür her. Die Leute sind heute gut informiert, der internationale Markt setzt sogar noch mehr auf die Wertungen. Die hohen Bewertungen bringen also noch mehr Gäste in die Hauptstadt.

Im First Floor geht Chef Matthias Diether neuerdings offensiv auf seine Gäste zu, er begrüßt, berät und hält den Kontakt - wie kommt das an?

Früher hat sich der Gast mit dem Restaurant identifiziert. Heute geht er zu Matthias Diether, eben zum Koch. Das setzen wir um, es ist ja auch für den Gast eine Bestätigung, der Chef ist da, es gibt auch keine Berührungsängste mehr wie früher. Das kommt super an, ist zugleich eine Bindung an das Haus.

Das First Floor feierte über das Jahr 2013 hinweg mehrere Jubiläen. Ziehen Sie ein Fazit.

Die Veranstaltungen zu 20 Jahren first floor und 15 Jahre Michelinstern waren eine sehr gelungene Mischung, mit der wir weitermachen werden. Die Gourmet-Safari und die Big Bottle Party wird es auch in 2014 wieder geben. Und wir werden einen Focus auf die Patisserie legen.

Das First Floor hat optisch aufgerüstet, unter anderem mit erotischen Fotos von Kerstin zu Pan an den Wänden. Wie erotisch ist Essen für Sie?

Der Fotozyklus geht weiter, es kommen noch mehr Fotos dazu. Diese Food-Fashion Fotografie erzielt eine hohe Aufmerksamkeit. Und ja, absolut, Essen ist erotisch. Wie die Teller aussehen, die Kompositionen, Aromen können an sich schon pure Erotik sein. Es spielt sich dabei auch vieles im Kopf ab.

Das Palace setzt also insgesamt den Focus verstärkt auf Lifestyle?

Wir legen immer mehr Wert auf Lifestyle, das zieht sich wie ein Roter Faden durch das ganze Programm, auch mit der Pommery-Lounge, der Bar und im SPA. Nach 50 Jahren als Hotel zählst du entweder zum alten Eisen oder aber erfindest dich jedes Jahr wieder neu. Der Berliner Markt rotiert schnellstmöglich, auch das Palace muss reagieren. Aber wir reißen dem Palace nicht seine Seele raus.

Was für Veränderungen sind im Palace für 2014 geplant?

Wir werden Zimmer modernisieren und umbauen, insgesamt werden in den kommenden zwei Jahren 100 Zimmer aufgefrischt. Auch die Technik wird für einen noch besseren Service modernisiert.

Was erwarten Sie von den Veränderungen am Breitscheidplatz mit Zoo-Palast und Bikini-Haus?

Die umliegenden Bauten wie das Bikini-Haus sind Gottseidank kurz vor der Fertigstellung, der modernisierte Zoo-Palast ist ein absolutes Highlight. Es kommt damit zu einer deutlichen Belebung der gesamten City West. Der Breitscheidplatz wird ein urbaner Platz mit einer großen Portion Lifestyle aus Geschäften, Cafés und Hotels, das wird uns allen guttun.

Wird wieder ein Teil der Berlinale am Zoo stattfinden?

Ich hoffe sehr, da sehe ich viel Potential, der Zoo Palast könnte wieder einer der glamourösen Plätze der Festspiele werden. Die City West gehört zur Berlinale.

Wie ist der letzte Stand Bahnhof Zoo und ICE?

Wenn man den Zerfall des Bahnhof Zoos sieht, scheint wenig unternommen zu werden, ihn wieder international anzuschließen. Es ist eine Schande für Berlin. Gerade durch die Renaissance des Kudamms wäre eine Rückbesinnung notwendig.

Wie wichtig ist die Renaissance des Kudamms?

Der Kudamm entwickelt sich hervorragend, die Leerstände verschwinden. Dafür kommen große Labels, teilweise auch von der Friedrichstraße zurück. Da sind auch neue Vereinigungen wie die Freunde des Kudamms wichtig, Interessenvertretungen erreichen mehr als Einzelkämpfer. Die Leute reden darüber, wie auch über den Flashmob der Köche auf dem Breitscheidplatz im Sommer, das gehört auch dazu. Ein wichtiges Zeichen ist die Enthüllung der Gedächtniskirche, die jetzt wieder sichtbar wird. Das alles zusammen verleiht dem Kurfürstendamm neuen Glanz.