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23. November 2015

KaDeWe Wieder israelische Weine nach Netanjahu-Protest

Das KaDeWe in Berlin befolgt eine EU-Verordnung und handelt sich damit Ärger ein: Weil das Kaufhaus Produkte aus israelischen Siedlungen aus dem Sortiment nimmt, protestiert Ministerpräsident Netanjahu. Darauf folgt rasch eine Entschuldigung aus Berlin.

Ein schneller Rückzieher nach heftiger Kritik aus Israel: Das Berliner Kaufhaus des Westens (KaDeWe) hat angekündigt, aus dem Verkauf genommene Weine aus israelischen Siedlungen wieder anzubieten. «Die 8 israelischen Weine werden ab sofort wieder im Sortiment sein», teilte das KaDeWe am Sonntag auf seiner Facebook-Seite mit und bat um Entschuldigung.

Der israelische Ministerpräsident Benjamin Netanjahu hatte am Sonntag in Jerusalem von einem «Boykott» gesprochen und gesagt: «Wir protestieren scharf gegen diesen moralisch, sachlich und historisch unangemessenen Schritt.» Er bezog sich damit auf einen Bericht des Nachrichtenmagazins «Der Spiegel», das KaDeWe habe Produkte aus israelischen Siedlungen aus dem Verkauf genommen.

Die EU-Kommission hatte am 11. November eine Kennzeichnungspflicht für Obst, Gemüse und andere landwirtschaftliche Erzeugnisse sowie Kosmetika aus Siedlungen im Westjordanland, auf den Golanhöhen sowie aus Ost-Jerusalem bekanntgegeben. Verbraucher in der EU haben damit künftig die Möglichkeit, israelische Siedlerprodukte aus besetzten arabischen Gebieten zu kaufen oder bewusst zu boykottieren.

Die Prüfung von Lebensmitteln sei ein regelmäßig vorkommender Standardvorgang, hieß es zunächst am Samstag vom KaDeWe. Während dieser Prüfungen würden die Produkte kurzfristig aus dem Sortiment genommen und danach unverzüglich wieder aufgenommen.

«In diesem Fall - es ging um eine Empfehlung der Europäischen Union - ist hausintern zu rasch und unsensibel gehandelt worden», schrieb das Westberliner Luxuskaufhaus dann am Sonntag. «Wir bedauern, dass es durch dieses falsche Verhalten seitens der KaDeWe Group zu Missverständnissen gekommen ist und bitten dies zu entschuldigen.» Das KaDeWe stehe für Weltoffenheit und Internationalität. Zu seinem Sortiment gehörten auch mehr als 200 israelische Produkte, hieß es.

Netanjahu hatte auch die Geschichte des KaDeWe angesprochen. «Dieses Kaufhaus war in jüdischem Besitz, die Nazis haben es enteignet», sagte er. «Es ist absurd, dass dieses Kaufhaus jetzt Produkte aus den Siedlungen in Judäa und Samaria (Westjordanland) und den Golanhöhen kennzeichnet.» dpa