Wein, Genussgipfel Österreich
05. Januar 2014

Kollektionen des Jahres III

Fotos Rechenberg/Lehmann (1)/Fin-wines(1)

Die Lieblings-Weine der Gourmetwelten aus 2013, Teil 3: Unsere 10 Österreicher und ein Südtiroler

Wie versprochen, bringen wir diesmal unsere Kollektionen des Jahres aus Österreich. Überwiegend aus dem Burgenland und überwiegend biodynamisch ausgebaut, haben uns diese Weine und Winzer 2013 ungemein beeindruckt.

Meinklang

Die Bilder der fröhlich träumenden Kühe sind das Markenzeichen von Meinklang - zum Gut gehören 300 Rinder. Die lustigen Bilder hängen auch im Verkostungskeller. Werner Michlits steht barfuß neben seinen Betoneiern, in denen der Rotwein reift. Der Wein wirkt dadurch sphärischer, weil er sich wie im echten Hühner-Ei permanent leicht bewegt, er ist lebendiger. Unten im Gewölbe zeigt uns Werner seine biodynamische Kiste: verwitterte Erde aus dem Kuhhorn und die Tees und Präparate zur biodynamischen Pflege der Pflanzen und Böden. Die Reben des Grauburgunders Graupert wachsen übrigens völlig wild. Meinklang wurde für diesen Aufwand als erstes Weingut mit der höchsten Biodiversitäts-Auszeichnung geehrt – es hat "Drei Schnecken“ nach den anspruchvollsten Weinbau-Richtlinien Europas. Selten haben wir uns auf einem Weingut so wohl gefühlt.

Umathum

Pepi Umathum legt die Bibliothek der Region an. Wahrhaft eine Mammutaufgabe, der sich inzwischen immer mehr Winzer und Köche anschließen. Eine Bibliothek der Quellen des Geschmacks. So werden authentische Weine, Rezepte und Brauchtum gerettet und an die nächsten Generationen weitergegeben. Da ist es umso selbstverständlicher, das Umathum seit langem biodynamisch arbeitet. Herrlich klare, ätherische und elegante Weine sind das Ergebnis. Das Anwesen wirkt wie eine Kirche des Weines, wie eine Arche Noah des Genusses. Hier könnte ich Mönch werden.

Pittnauer

Dynamisches Weingut mit einer gesunden Mischung aus Moderne und Tradition. Architektonisch gelungenes Anwesen. Die verspielte Kreativität der Pittnauers zeigt sich sowohl in der Kunst und den extravaganten Flaschen-Etiketten als auch im Wein selbst. Erstklassige St. Laurents und Blaufränkisch, selten so extraktreiche und mineralisch elegante St. Laurents getrunken. Rosenberg und Altenberg von Gerhard Pittnauer (Foto unten) gehören zur Spitzengruppe der Region. Die Biodynamie hat ihren Anteil daran.

 

Wenzel

Wenzel schaut auf eine lange Tradition zurück und bietet einen wunderschönen Hof in Rust. Die Weine sind herrlich eigenständig und überzeugen mit einem überaus eleganten und intensiven Pinot Noir Kleiner Wald und alten Lagen wie dem Furmint Vogelsang und dem Blaufränkisch Oberen Wald mit tollen Retro-Etiketten.

Feiler-Artinger

Feiler-Artinger ist das Weingut mit dem schönsten Hof in Rust, selten so beeindruckende Oleander gesehen. Ja, das macht eben das Mikro-Klima im geschlossenen Hof und die Biodynamie. Herrlich alter Keller, es riecht überall nach Tradition. Große Weiße und Rote, nicht zu vergessen die kraftvollen Süßweine aus dem Cercle Ruster Ausbruch, wie den 2008er Pinot Cuvee.

Gut Oggau

Stolz sind Stephanie Eselböck und Eduard Tscheppe auf die Störche, die hier gleich in zwei Nestern residieren. Und beide fegen das Vorurteil vom Tisch, dass Biodynamie nur etwas mit Esoterik zu tun hat. Nein, das Gut Oggau strahlt einfach nur Schönheit aus, mit einem echten Taubenkobel, einer original Presse und einem urigen Heurigen. Das mit dem Taubenkobel liegt in der Familie, deswegen gehen wir zusammen ins Restaurant Taubenkobel, das quasi zur Familie gehört und verkosten die sensationellen Weine des Gutes mit den unverwechselbaren Etiketten, auf denen sich die imaginären Familienmitglieder tummeln.

Hajszan Neumann

Eine echte Entdeckung in Wien. Angenehm luftige Räumlichkeiten, deftige Brettljausn und ausdrucksstarke und mineralische Weine, die perfekt zum Essen und seinem Erfinder Stefan Hajszan passen. Hier kann man laue Sommer-Nachmittage und -Abende genießen. Stefan Hajszan und Fritz Wieninger sind übrigens die beiden einzigen Winzer in Wien, die derzeit auf Biodynamie umgestellt haben.

Wieninger

Seit Fritz Wieninger (Foto oben) auf Biodynamie umgestellt hat, sind seine Weine noch feiner und eleganter geworden. Die grandiose neue Kellerei ist ein Schmuckstück und hat auf kleinem Raum beeindruckende Dimensionen eingenommen. Wieningers selbstgesetzte Aufgabe: den Wein-Geschmack Wiens zu bewahren. In der neuen Vinothek gibt es auch kleine Speisen zu den Verkostungen. Das Weingut ist ebenfalls wie Pittnauer oder Feiler-Artinger Mitglied der neuen Winzer-Gruppe Respekt, die mit biodynamischen Methoden Wein von höchster Qualität erzeugt.

Groszer Wein - Den Eisenberg in Flaschen füllen

Was die Herrn Krön und Bach da in großen 1-Liter Flaschen im Südburgenland machen, ist einfach größenwahnsinnig. Größenwahn im positiven Sinn freilich, denn dieses ganze Chi-Chi um Weine, die sich nicht jedem erschließen und die man nicht gleich versteht, geht den beiden ziemlich auf die Nerven. Für mich steht fest: Ein wirklich sauleckerer Wein für jedermann. 

Weingut Muhr-van der Niepoort

Dorli Muhr ist verliebt in die kalkreichen, kargen Böden des Spitzerbergs und in die finessenreichen, anfangs abweisenden und dann immer eleganter werdenden Blaufränkisch, die darauf wachsen. Getrieben von der Suche nach der Frische im Wein, vinfiziert Dorli Muhr ungemein feingliedrige Blaufränkisch-Weine am Spitzerberg. Der Kalkboden ist wie ein Geschenk an die Rebsorte Blaufränkisch, die hier zu eleganter Hochform aufläuft. Und das Schöne: Ich kann ihre Weine in der Cordobar in Berlin jederzeit genießen.

Die ganze Reise auf dem Portal Reise zum Wein

Und noch ein Südtiroler: 

COR 1990 von Alois Lageder 

Die Weine von Alois Lageder sind mir seit langem ans Herz gewachsen. Vor einigen Jahren verkosteten wir bei ihm auf dem Gut einen langen Flight vom Cabernet Cor Römigberg – absolut beeindruckende Weine. Zu Weihnachten hatte ich Gelegenheit, einen Cor aus 1990 zu genießen, immerhin 24 Südtiroler Jahre alt.

Es war wie eine Offenbarung. Immer noch ein heldenhaft dichter und dunkler Wein. Aus dem Glas strömten Aromen von schwarzen Knubberkirschen, Wacholderbeeren und dezent Backpflaume. Am Gaumen Schwarze Johannisbeeren, Lakritze und ein Hauch Eukalyptus und Zeder. Sehr balsamisch! Später viel Tabak, der ganze Orient und Lebkuchen Würze. Dazu extrem lang, mit harmonischer Säure und mit sehr feinen und eleganten Tanninen.

Der beste Cabernet, östlich vom Bordelais angebaut, den ich je verkostete, ich musste an Leoville las Cases denken!

Absolut verführerisch. Ein Wein auf dem Höhepunkt und gut für 97-99 Punkte

Grüße, Niko

Die Klassiker - Teil II

Die Entdeckungen Teil I