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01. Juli 2017

Kurfürsten Stube im Europäischen Hof in Heidelberg Das erste Sommeliers-Duell

Kurfürsten Stube im Europäischen Hof in Heidelberg | Das erste Sommeliers-Duell

Aux armes Sommeliers … große Komödie mit sechs Gängen und vierzehn (G)Lagen. Alles ist an diesem Abend erlaubt: Wein trinken, genießen, erschnuppern, über Zunge und Gaumen rollen lassen. Sogar schlürfen ist nicht tabu.

 

 

Von Alexander Wischnewski

Wein ist immer dabei. Bei fast allen Gelegenheiten. Politisch waren Weine immer und schon gar nicht neutral: Vertragsabschlüsse und Siegesfeiern wurden mit einem Schluck besiegelt, Beförderungen, Geburten und Taufen verführten Eltern, Freunde, und Verwandtschaft zu einem Prosit. Völlig grenzenlos. Auch die Kirche ließ sich nicht von feinem Rebensaft abbringen. Das Abendmahl wurde zur Legende, als Leonardo da Vinci Jesus und die zwölf Apostel mit gekonntem Pinselstrich in der so genannten Seccotechnik (nicht etwa Prosecco) für die Nachwelt festhielt. Immerhin hatte das Genie vier Jahre (1494 - 1498) daran gearbeitet. Das verdient nicht nur ein Chin-Chin, sondern auch ein Amen.

Das Sommeliers Duell erwies sich als kreativ-fröhliches Gelage

Und Heidelberg? Das weltberühmte Schloss ist Keller und Gewölbe für das größte je gebaute Holzfass der Welt. Inhalt 220.000 Liter. Doch Größenwahn kommt vor dem Fall. Das 1751 gebaute Behältnis wurde nur dreimal gefüllt. Dann Rien ne va plus. Basta! Das Riesending war nie richtig dicht. Edelstahl und Ton sind nur beschränkt vergleichbar. Stahl ist in dieser Größe nicht so attraktiv und Ton war in der Antike auch nur mürber und bröckeliger Glasersatz. Vielleicht war ja der Hofnarr Perkeo der erste Wein-Sommelier, der so sensible Geschmacksnerven hatte, dass er, der die Aufforderung zum Trinken mit einem eleganten italienischen Perque no, warum nicht parierte, tot umfiel, weil irgendwer seinen Wein heimlich mit Wasser vermischt hatte.

Da hat der Genius Loci spirituellen Spätdienst gehabt. Über dem Grandhotel Europäischer Hof, bei diesem Duell in der Kurfürsten Stube. Und wer hat nun die besseren Weine, die Lagen und Qualitäten? Eine knifflige Angelegenheit, die vor noch nicht allzu langer Zeit zu einem Duell hätte führen können. Aber die Zeiten ändern sich und wir uns in Ihnen. Zur Wahl der Waffen wie Nase, Zunge und Auge, auch die Hände durften mit ins Spiel, Es gesellten sich dazu, Gläser der verschiedensten Formen und Volumina.

Die beiden Sommeliers Florian Bechtel (l.i.B) und Christian Connerth: und die beiden Spitzenreiter: aus Frankreich (l.i.B.) und Deutschland

Florian Bechtel (28) seit September vergangenen Jahres der Haussommelier des Europäischen Hofes in Heidelberg, hatte zusammen mit seinem Fachkollegen aus dem hohen Norden, Christian Connerth (28) aus dem Restaurant freustil in Binz auf Rügen die Idee zu dieser in der Tat etwas anderen Weinprobe. Die Lebenslinien der beiden haben sich längst vermischt und verknotet. Bechtel startete als Koch in Süddeutschland im Sterne Restaurant Wielandshöhe und im Hotel Zur Weinsteige in Reutlingen, dann das Restaurant Überfahrt am Tegernsee und nun der Europäische Hof in Heidelberg.

Die beiden Sommeliers lernten sich im Hotel Zur Weinsteige kennen. Connerths nächste Station war das Restaurant WeinAmRhein in Köln. Und nun Binz, wo er den Gästen Weine empfiehlt.
Der Dritte im Bunde der Genießer: Küchenchef Julien Schon. Er und sein Team haben die vierzehn die Weine vor Zusammenstellung des Menüs, ihren Geschmacksnerven anvertraut. Allein dadurch war die Wahl der Waffen vorherbestimmt. Pistolen und Fechtwerkzeuge gibt es ja in unüberschaubar vielen Varianten. Das erinnert irgendwie an eine Cuvée.

Salzwiesenlamm mit Trüffeln und Foie Gras

Der Charme der Veranstaltung hatte etwas köstlich Anarchisches. Haben doch Weinproben der gewöhnlichen Art leicht etwas Apodiktisches, fast Diktatorisches. Und der Blick in die diversen Verzeichnisse und Guides bestätigt das immer wieder. Freunde, lasst doch einfach mal der Sinnlichkeit ihren Lauf. So wird das Duell zum Friedensfest. Das Ergebnis gab diesem Wunsch Recht. Kein Zwang, einen Sieger feststellen zu müssen, Über Geschmäcker lässt sich eben nicht streiten. Und das ist gut so. Und ganz sicher war unter den vierzehn Weinen, einer oder mehrere, gleich ob weiß oder rot, der just an diesem Abend einfach geschmeckt hat.

Die Duellanten hatten auch gar keinen eindeutigen Gewinner erwartet. Ein weiterer Charme Punkt. Am Schluss haben es dann doch zwei, vergleichbar einer Oscar Verleihung unter die Nominierten geschafft.

Das Dessert: Baba au Raum - Zwergbanane mit weißen Schkospänen und anderen süßen Ideen

Die Lobreden fielen so verschieden aus, wie die Weine waren. Und es war pure Absicht, die so viel Vergnügen bereitete. "Wir nehmen dann eben zwei diametral gänzlich unterschiedliche Weine, wenn wir vom Sommelier oder Restaurantdirektor gefragt werden.", Beim dritten Gang, der Taube waren beide Weine, der aus Deutschland, ein 2012-er Frühlingsplätzchen und ein 2001-er Pommard aus Frankreich eine veritable Offenbarung. Die Entscheidung fiel da nicht schwer. Das Votum eines Gastes: "Man kann beide Weine durchaus parallel trinken." Das selbe Essen mit zwei unterschiedlichen Weinen, war für diesen Genießer ein Aha-Erlebnis. Und der Abend war auch sein ganz persönliches Highlight.

Wissensfragen: Wer hat das Essen arrangiert? Ebenfalls der Küchenchef Julien Schon und seine Leute. Jeder der beiden Sommeliers hatte vorab eine Liste mit den präferierten Tropfen geschickt und das war's. Die Erklärung der beiden Sommeliers: "Wir wollten bewusst polarisieren, den Gast nicht bevormunden, sondern auf die Geschmäcker derjenigen eingehen, die nicht den alltäglichen Umgang mit Weinen und Fine Dining haben." Fazit: Gelungen! "Für uns ist das Alltag und darin liegt die Gefahr. Wir sollen auch mehr als nur einschenken und die Gäste trinken lassen. Es geht um das Auffächern der Wahrnehmungen, um Freude am Unakademischen. Auch wenn man sich trotzdem unter Freunden nicht gleich duellieren sollte ...!"

Die Kommunikation funktionierte also bestens. Sie war Vollmundig und manchmal sogar etwas bacchantisch. So schwärmte ein begeisterter Weinfreund: "Von dem Riesling könnte ich glatt eine ganze Flasche trinken. Und auch noch eine Bouteille vom Burgunder, der passt so gut zu dem Essen, weil sich die Tannine so schnell abbauen." Ein dreifaches Vivat dem Gott des Weines!

Die quasi Gewinner des Abends:
1982 Château Labégorce aus der Magnum (F) und 2012 Frühlingsplätzchen GG / Emrich Schönleber (D)

Das Menü, Die Speisen und die Weine:

JAKOBSMUSCHEL / Sauerkrautschaum / Safran
2014 Scheurebe Fehlfarbe Katharina Wechsler (D)
2015 Poiré de Poiriers anciens sur Granite Grand Cru / Eric Bordelet aus der Magnum (F)

FARÖER LACHS / Holzofenbrot / Imperial Kaviar
2014 Silvaner "S" Eschendorfer Lumpp / Horst Sauer (D)
2015 Quatre Mains / Domaine La Grange Tiphaine (F)

ÉTOUFFÉE TAUBE / Linsenschaum / Lassi
2012 Frühlingsplätzchen GG / Emrich Schönleber (D)
2001 Pommard / Marquis d' Angerville /F)

LANGOUSTINE
Esccabechesud / Krustentieraromen
2015 Viognier Kaliber 17 / Simone Adams (D)
2008 Meursault / Francois Mikulski (F)

SALZWIESENLAMM
Foie gras / Trüffel / Pfefferbeeren / Kerbel
2014 Das kleine Kreuz / Weingut Rings aus der Magnum (D)
1982 Château Labégorce aus der Magnum (F)

CROTTIN DE CHAVIGNOL
Leinöl / Melonenessig
2015 Sweetheart Sauvignon Blanc / Oliver Zeter (D)
1989 Le Haut Lieu Moelleux / Domaine Huet (F)

BABA AU RHOM
Zwergbanane / Berberitzen
2003 Uerziger Würzgarten Auslese* / Karl Erbes (D)
2000 Rotenberg Pinot Gris / Sélection de Grains Nobles / Domaine Zind Humbrecht (F)

Boxen-Stopp im Sommergarten

Am 1. Juli eröffnet das Sommerrestaurant des Europäischen Hofs in Heidelberg die Sommersaison

Boxen-Stopp – Teil 1: Genuss-Oase

Endlich ist es soweit: Mit der Eröffnung des Sommerrestaurants wird der Innengarten des Europäischen Hofs von Juli bis September buchstäblich zur Oase. Nicht nur die im letzten Jahr eingerichteten Wasserfontänen, auch die großzügigen Sonnenschirme sorgen für einen angenehmen Temperaturausgleich. Tagsüber sind die sommerliche Speisekarte mit leichten Gerichten sowie hausgemachten Eiskreationen von Küchenchef Julian Becker und seinem Team eine erfrischende Abwechslung - Abends tauchen die indirekte Beleuchtung und auf der Terrasse platzierte Gasfackeln den Innenhof in magisches Licht.

Boxen-Stopp - Teil 2: Gemeinsam Aufladen

Bereits seit 1865 verwöhnt der Europäische Hof Heidelberg seine Gäste durch traditionell-zeitlosen Charme und persönlichen Service ohne dabei Modernität und Innovativität zu missen. So überrascht es nicht, dass der Europäische Hof bereits seit 2015 einer der ersten Anbieter für TESLA’s Destination Charger in der Region war und das Hotel auch hier das gewisse Etwas bietet: So kann einer der drei vorhandenen Charger im Voraus reserviert werden und um die Wartezeit zu verkürzen, sind der Fahrer und alle Mitreisenden im Sommerrestaurant auf ein alkoholfreies Getränk nach Wahl eingeladen. So können Fahrer und Fahrzeug gemeinsam „aufladen“.