11. Februar 2018

Malediven für Gourmets Dinieren in Unterwasser-Restaurants

One & Only, Niyama, Conrad Rangali: Der Archipel im Indischen Ozean mausert sich zum Genießer-Hotspot.

Von Bernhard Krieger

Noch größere Villen, noch längere Pools, noch luxuriösere Spas - die Resorts auf den Malediven streben nach immer neuen Superlativen. Doch der Wettbewerb nach dem Motto «Größer, schöner, teurer» stößt an seine Grenzen. Kaum ist die angeblich beste Wellness-Oase im Indischen Ozean eröffnet, da sprießt im Nachbar-Atoll schon eine noch imposantere aus dem sandigen Boden. Wer Aufmerksamkeit will, muss auf den Malediven viel bauen und viel Geld ausgeben - oder auf die Kulinarik setzen.

Gut essen und trinken ist der jüngste große Urlaubstrend in dem Inselreich, das Anfang Februar auch aufgrund politischer Unruhen in der Hauptstadt Malé weltweite Aufmerksamkeit erhielt. Das Auswärtige Amt in Berlin empfahl Reisenden, «aufgrund der nicht absehbaren Entwicklung der angespannten politischen Lage die Medienberichterstattung zu verfolgen, besonders vorsichtig zu sein und von nicht notwendigen Reisen nach Malé derzeit abzusehen.» Zugleich wies das Ministerium darauf hin, dass ein Aufenthalt in der Hauptstadt für Touristen meist nicht erforderlich sei: In der Regel gebe es direkte Transfers vom Flughafen aus in die Urlaubsresorts.

Dort auf den Inseln sind die Zeiten, in denen den von Sonne, Strand und Meer verzückten Gästen ein gegrillter Fisch am Strand reichte, längst vorbei. Mit einem Restaurant kommt kaum noch ein Resort aus. «Zwei oder drei müssen es mindestens sein, sonst langweilen sich die Gäste», erzählt Jérôme Voltat. Der Franzose kocht im «One & Only»-Resort auf der Insel Reethi Rah. In Sachen Kulinarik gehört es zu den ersten Adressen im Indischen Ozean. Quer über die Insel verteilen sich sechs Restaurants, jedes mit einem anderen Küchenstil und einer anderen Aufmachung.

Das Hauptrestaurant unterteilt sich in einen elegant designten Bereich mit internationalen und asiatischen Gerichten sowie eine Terrasse vor der Cocktail-Bar, auf der mediterrane Klassiker serviert werden. Selbstverständlich kann man auch direkt am Strand im «Beach Club» essen. Das japanische Restaurant «Tapasake» ist auf Stelzen in die Lagune hinaus gebaut. Die Gäste sitzen auf Stegen, an denen am Abend harmlose Riffhaie entlang patrouillieren. Bunte Fischschwärme ziehen vorbei, nicht ahnend, dass ihre Artgenossen dort oben roh und in kleinen Häppchen verspeist werden. Im Sand liegen Stachelrochen, und ab und zu schaut eine Schildkröte vorbei. An einem derartig paradiesischen Ort würde sogar Junk Food köstlich schmecken, im «Tapasake» aber wird natürlich Sushi und Wagyu Beef vom Feinsten aufgetischt.

Genauso romantisch ist die Atmosphäre im arabischen Restaurant «Fanditha» mit der Sunset-Bar und im neuen «Botanica» mitten auf dem kleinen Eiland. Die Tische stehen dort rund um einen Banyan-Baum im Sand. Im Falle eines tropischen Regenschauers weichen die Gäste in die von Kerzen beleuchteten Gewächshäuser aus, in denen Hunderte von Orchideen blühen. Voltat kocht im «Botanica» ausschließlich mit Bio-Produkten, Kräuter und Gewürze baut er auf der Insel an.

Viele Resorts laden zudem internationale Starköche für spezielle Gourmet-Events ein. So kochen im «Niyama Private Island Resort» 2018 zum Beispiel die deutschen Zweisterneköche Johannes King vom «Söl'ring Hof» auf Sylt und Heiko Nieder vom «Dolder Grand» in Zürich. Beide gastieren im «Edge», einem stylishen Restaurant, das auf Stelzen in die in allen Blau- und Türkistönen schimmernde Lagune gebaut wurde. Per Boot werden die Gäste von der Insel ins Restaurant gefahren, in dem sich auch eine Unterwasser-Bar befindet.

Auf «Anantara Kihavah» gibt es sogar ein Unterwasser-Restaurant mitsamt Unterwasser-Weinkeller. Dieser ist der erste auf den Malediven, Unterwasser-Restaurants haben dagegen schon einige Resorts. Vorreiter war «Conrad Rangali» mit seinem «Ithaa»-Restaurant (Foto). Mit dem größten Unterwasser-Restaurant brüstet sich «Hurawalhi».

Mittags kann man während des Essens in diesen Restaurants die ganze Farbenpracht der Riffe bewundern. Dann lässt die in Äquatornähe fast senkrecht am Himmel stehende Sonne die bunten Korallen und die farbenfrohen Papageienfische und Feuerfische erstrahlen. Abends geht es hinter den dicken Scheiben ruhiger zu, dafür ist die Stimmung mystischer.

Auf der Suche nach neuen Standorten gehen die Malediven-Resorts nicht nur ins und auf das Wasser, sondern auch in die Luft. «Niyama» eröffnete vor einigen Jahren das erste Baum-Restaurant der Malediven. Dort sitzen die Gäste auf Podesten in mächtigen Baumkronen. Die Kellner balancieren die Teller mit asiatischen Avantgarde-Gerichten über schmale Stege zu den Tischen.

Die Restaurants werden immer ausgefallener, die Gerichte immer abwechslungsreicher und die Köche immer besser. Die Top-Resorts liefern sich diese Küchenschlacht notgedrungen. Nicht nur, weil das Publikum anspruchsvoller geworden ist, sondern auch vielfältiger. Viele Jahrzehnte waren die Malediven fest in europäischer Hand. Die Flieger, die auf der winzigen Flughafeninsel neben der Hauptstadt Malé landeten, waren voll mit Deutschen, Italienern, Franzosen und Engländern. «Heutzutage geht es am Airport und in den Resorts sehr viel bunter zu», bestätigt Anantara-Managerin Claire Bromilow.

Sehr viele Malediven-Gäste stammen inzwischen aus Asien, vor allem aus Korea, Japan und immer öfter aus China. Auch arabische Gäste sieht man vor allem in den Luxusresorts immer häufiger. Prozentual ist ihr Anteil noch gering. Aber es fällt natürlich eher auf, wenn Frauen in schwarzen Burkas über den Strand spazieren, an dem ansonsten äußerst spärlich bekleidete Menschen in der Sonne brutzeln.

So groß wie der Kontrast zwischen Vollverschleierung und Tanga-Bikini ist auch die Vielfalt an den Buffets. Schon beim Frühstück müssen die Köche mittlerweile ganz unterschiedlichen Gaumen gerecht werden. Da gibt es neben internationalen Klassikern natürlich die Leberwurst für die deutschen Gäste genauso wie die arabischen Hummus- und Gemüsegerichte bis hin zu den warmen Suppen und Reisgerichten für die Asiaten.

Der Kulinarik in den Insel-Resorts hat die Internationalisierung gutgetan. Auch wenn die Inseln oft nur einen Durchmesser von ein paar hundert Metern aufweisen, kann man auf ihnen kulinarisch auf Weltreise gehen. In den gehobenen Resorts sind neben den Hauptrestaurants zusätzliche Lokale mit chinesischer, thailändischer, japanischer, indischer und arabischer Küche Standard. Stars wie Gordon Ramsay sind zumindest für einige Wochen mit Pop-up-Restaurants auf den Malediven präsent.

«Und wer sich für gutes Essen interessiert, kann im Urlaub auch noch was lernen», meint «One & Only»-Koch Voltat. Kaum eine Insel, die keine Kochkurse anbietet. Wer etwas auf sich hält, hat zumindest einen Thai-Kochkurs, einen Sushi-Workshop, Pizza & Pasta und eine Einführung in die maledivische Küche im Programm. Dazu kommen Degustations-Abende, an denen Sommeliers die beste Kombination von Wein und Käse oder Schokolade erläutern.

Dev ist einer dieser Sommeliers - auch wenn er nicht aussieht und heißt wie ein gewöhnlicher Weinkellner. Dev stammt aus Nepal, was für einen Weinexperten höchst ungewöhnlich ist, und er wird auf «Anantara Kihava» auch nicht Sommelier, sondern Weinguru genannt. Ein Titel, den Dev zu Recht trägt. Der junge Mann ist ein leidenschaftlicher Gastgeber, ein großer Weinkenner und ein glänzendes Beispiel dafür, dass Kulinarik keine nationalen Grenzen kennt.

So langsam findet auch die Küche der Einheimischen Einzug in die Top-Restaurants. Das ist nicht leicht. Auf den winzigen Inseln im Indischen Ozean wächst nicht viel außer Papayas, Bananen und Kokospalmen. Das Meer bietet zwar eine schier unendliche Vielfalt, besonders raffiniert genutzt wurde sie bislang nicht.

Die maledivische Küche ist ein Sammelsurium aus indischen, sri-lankischen und arabischen Einflüssen. Fische werden meist viel zu trocken gegrillt und Thunfisch in Currys totgekocht. Dazu wird Reis oder traditionell Roshi, ein dünnes Fladenbrot, gereicht. Das meiste ist für westliche Gaumen zu scharf oder zu fad.

In den Resorts wird die maledivische Küche an die Wünsche der Gäste angepasst. Das gelingt allerdings nicht immer so gut wie im «Park Hyatt Hadahaa» im Süden der Malediven. Das Resort bietet ein authentisches «Familien-Essen» an. Ein maledivischer Mitarbeiter isst dabei gemeinsam mit den Gästen klassische Gerichte, erklärt, wie sie zubereitet und genossen werden. Malediver essen traditionell mit den Händen, indem sie Roshi-Stücke mit den verschiedensten Speisen füllen.

«Milaidhoo», ein neues Resort im Norden des Landes, hat die maledivische Küche auf ein höheres Niveau gehoben. Auf der Luxusinsel im Baa-Atoll steht der Fernsehkoch Ahmed Sivath am Herd. Der Starkoch der Malediven versucht, traditionelle Gerichte modern zu interpretieren und in einem Gourmet-Stil zu präsentieren.

Sein Restaurant befindet sich stilecht auf einem in der Lagune verankerten Dhoni, dem typischen Schiff der Malediver. Das einstige Handelsschiff brachte Kokosnüsse, getrockneten Fisch, Seile und Segel nach Indien und Seide, Reis und Gewürze mit zurück. Mit den Zutaten dieser maledivischen Gewürz-Route kocht Sivath nun im Ba'theli. «Dem einzigen Gourmet-Restaurant mit maledivischer Küche weltweit», wie «Milaidhoo»-Geschäftsführer Shuhan stolz betont. dpa

Reise auf die Malediven

Anreise und Formalitäten: Zahlreiche Fluggesellschaften fliegen von Deutschland aus direkt oder mit Zwischenstopp auf die Malediven. Bürgern aus EU-Staaten reicht ein gültiger Reisepass zur Einreise.

Klima und Reisezeit: Auf den Malediven ist immer Sommer. Die Luft-Temperaturen liegen zwischen 25 und 31, die Wassertemperaturen zwischen 27 und 29 Grad.

Geld: In den Resorts sind die Preise in der Regel in US-Dollar ausgezeichnet. visitmaldives.com

FAIRMONT ERÖFFNET ERSTES RESORT AUF DEN MALEDIVEN

Fairmont Maldives Sirru Fen Fushi

Mit dem Fairmont Maldives Sirru Fen Fushi hält im April 2018 das erste Resort der Luxushotelgruppe Einzug auf den Malediven und ergänzt das Portfolio perfekt. Die neue Anlage liegt in einer der größten Lagunen der Inselgruppe, im Shaviyani Atoll nördlich von Malé. Wer hier eincheckt, kann zwischen 120 Beach- und Wasservillen sowie den einzigartigen Tented Jungle Villen wählen. Absolutes Highlight ist das erste Unterwasser-Skulpturenmuseum der Malediven, erschaffen vom britischen Künstler und Visionär Jason deCaires Taylor. Taylors Arbeiten wurden von National Geographic bereits als eines der 25 Weltwunder bezeichnet.

Sirru Fen Fushi bedeutet übersetzt die „Insel im geheimen Wasser“ und liegt an einem ungewöhnlich weitläufigen und unberührten weißen Sandstrand, von dem aus die auf Stelzen gebauten Wasservillen Blick auf den türkisfarbenen Ozean bieten. Das für Familien wie Paare gleichermaßen geeignete Villenresort bietet außerdem großzügige Villen an Land sowie zwei Tented Jungle Villen, die sich im Herzen der Insel inmitten der tropischen Natur befinden.