REISE
21. Mai 2011

Mit dem Fahrrad durch Weinberge

Rheinland-Pfalz lockt Radfahrer mit einem großen Netz an Routen an Rhein, Mosel und Lahn

Wo fährt es sich in Rheinland-Pfalz am schönsten? Die Auswahl ist groß bei einem Radwegenetz von rund 8500 Kilometern. Routen an Rhein, Mosel und Lahn sind beliebt. Aber auch die Deutsche Weinstraße ist ein Favorit, sagen Radtour-Experten in einer dpa-Umfrage. Sie bietet ein wunderschönes Panorama - doch dafür muss man teils kräftig in die Pedale treten. «Überall, wo man einen guten Blick hat, muss man zunächst einmal hoch», sagt der Landesvorsitzende des Allgemeinen Deutschen Fahrrad-Clubs (ADFC), Christian von Staden.

Mit dem Drahtesel am Wasser entlang zu radeln, ist der Renner im rheinland-pfälzischen Radtourismus. «Besonders beliebt sind auch in diesem Jahr wieder die bekannten Flussradwege, wie Mosel-, Rhein- und Lahntal-Radweg», sagt Nathalie Hartenstein, Projektmanagerin «RadWanderland» bei der Rheinland-Pfalz Tourismus GmbH in Koblenz. Immer stärker in den Fokus rücke zudem die Eifel. «Besonders beliebt und auch für Familien ideal sind hier die Bahntrassenradwege, die auf ehemaligen Bahnwegen entlangführen», erklärt Hartenstein. Die größte Steigung betrage nur vier Prozent. Vor allem der Maare-Mosel-Radweg und der Ruwer-Hochwald-Radweg seien populäre Routen.

Zwischen 2006 und 2010 hat das Land Rheinland-Pfalz 31,76 Millionen Euro in die Radwege entlang von Bundes-, Landes- und Kreisstraßen investiert, heißt es beim Ministerium für Infrastruktur. Hierfür seien Radwege mit einer Länge von 153,8 Kilometern gebaut worden. Zudem seien weitere 17,8 Millionen Euro in die Förderung kommunaler Radwege geflossen. Der Landesbetrieb Mobilität beschildert die Wege und qualifiziert sie nach verschiedenen Kriterien, etwa deren Breite.

Anschließend werden die Wege in einer Datenbank gespeichert. Individualisten können sich auf dieser Basis ihre Rheinland-Pfalz-Route bequem auf der Internet-Seite radwanderland.de und auf routenplaner.rlp.de zusammenstellen. Für Gruppenradler und Organisationsmuffel bieten Touristik-Büros und ADFC verschiedene Touren an - etwa die Feierabendtour, bei der man den Stress des Alltags auf 30 bis 40 Kilometern abschütteln kann. «Wochenendtouren gehen auch mal über 100 Kilometer. Die Touren dauern in der Regel nur einen Tag», erläutert der ADFC-Vorsitzende von Staden. Der Fahrradclub nimmt dafür von Nicht-Mitgliedern drei Euro. «Das ist eher ein kleines Taschengeld für den Gruppenleiter.»

Neu ist in diesem Jahr der Hunsrück-Radweg - er wird laut der Projektmanagerin Hartenstein am 9. Juni offiziell eröffnet. Der Weg verbindet das Gebiet um TRIER mit der Region Mittelrhein. «Auf einer Länge von 155 Kilometern führt er durch tiefe Wälder und weite Felder vorbei an Bachtälern», sagt die Expertin. «Wir sind weiterhin bemüht, das Netz gerade im ländlichen Raum zu verdichten.»

Auf dem Rhein-Mosel-Radweg gibt es in diesem Jahr eine Besonderheit in KOBLENZ. Wegen der ersten Bundesgartenschau in Rheinland-Pfalz ist die Route umgeleitet worden, sie führt ein kleines Stück direkt durch die Stadt. Damit lasse sich die Tour mit einem Besuch der Blumenschau am Deutschen Eck kombinieren.

Belastbare Statistiken über die Zahl der Radwandertouristen gibt es laut Hartenstein nur in einer Studie des Europäischen Tourismus Instituts von 2007. Danach sind unter den Übernachtungsgästen pro Jahr etwa eine Million Touristen mit Rad. Im Land gibt es mehr als 500 sogenannte «Bett+Bike»-Betriebe. Diese Häuser sind speziell auf Radfahrer-Bedürfnisse ausgerichtet: Es gibt etwa Flickzeug, Waschmöglichkeiten für das Rad und einen Trockenraum. Dazu werden Verpflegungspakete für die Tour, Gepäcktransfer und eine Routenausarbeitung angeboten.

Autofreier Fahrradspaß am Flusslauf wird Radtouristen am 29. Mai bei der «Tour de Ahrtal» und am 19. Juni bei «Happy Mosel» geboten. Am 26. Juni sind dann die Bundesstraßen von Koblenz bis Bingen und von Lahnstein bis Rüdesheim entlang des Rheins für Autos gesperrt. Unter dem Motto «Tal toTal» gibt es auf insgesamt 120 Kilometern freie Fahrt für Radfahrer und Inlineskater im Tal der Loreley.

Problematisch seien aber die «sehr beengten Verhältnisse» im Mittelrheintal, erläutert ein Sprecher des Ministeriums für Infrastruktur. Das sieht auch ADFC-Landesvorsitzende Christian von Staden. «Zwischen Bingen und der Loreley staut sich oft alles.» Denn in den vielen kleinen Orten laufen die Radwege direkt vorbei an vielen Cafés und Restaurants, mit Tischen und Stühlen davor. «Das sind richtige Flaschenhälse für Radfahrer.»

Abhilfe schaffen bei bergigen Strecken können die Regio-Radler, also Busse mit Fahrradanhänger. Sie fahren unter anderem im Hunsrück, am Mittelrhein und in der Vulkaneifel. Und auch die Bahn kann beim Überbrücken weiter Strecken helfen - die Fahrradmitnahme ist im ÖPNV in Rheinland-Pfalz gratis.

Die Pfalz war nach Angaben der Pfalz-Touristik die erste Region in Rheinland-Pfalz, die an vielen Orten ein Angebot an Elektrofahrrädern zur Verfügung stellte. Weit mehr als 100 Elektroräder warten an verschiedenen Orten auf Radler, wie Julian Knacker von der Pfalz-Touristik in Neustadt an der Weinstraße erläutert. «Jeder, der damit gefahren ist, ist begeistert», sagt er. Inzwischen hätten andere Regionen im Land mit ähnlichen Angeboten nachgezogen.

Eine beliebte Fahrradroute in der Pfalz ist der Radweg Deutsche Weinstraße. Eine etwas hügeligere Alternative dazu ist zum Beispiel der Pirminius-Radweg durch den Pfälzerwald. Dort gibt es auch einen Mountainbikepark mit verschiedenen Touren durch die Region.

Norbert Arend aus VENNINGEN (Kreis Südliche Weinstraße) bietet «Genussradeln» an. Bei den geführten Touren steht nicht der Sport im Mittelpunkt, erzählt er. «Wir fahren 35 bis 50 Kilometer am Tag. Unterwegs gibt es immer wieder Verkostungen und Besichtigungen.» Er habe viele Gäste aus Nordrhein-Westfalen, Baden-Württemberg und anderen Bundesländern.

Auch Arend verzeichnet eine steigende Nachfrage nach Elektrorädern, den sogenannten Pedelecs. Der Vorteil für ihn: Er kommt mit seinen Kunden schneller voran und kann so mehr Besichtigungen einplanen. «Früher mussten die Langsameren am Hügel schieben, heute kommen sie dank des Elektroantriebs schneller hoch.» dpa