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05. September 2014

Müritz Hotel Aus für DDR-Kulthotel in Klink

Ob Skispringer Jens Weißflog oder Bundeskanzlerin Angela Merkel: Viele Prominente waren im Hotel an der Müritz

Von Winfried Wagner

«Nach Klink wollte früher jeder DDR-Bürger in den Urlaub», erinnert sich Gerd Schröter. Der Rentner und Ex-Leiter des Müritz-Hotels wohnt noch heute in dem Dorf am größten deutschen Binnensee, das vielen Gästen als «Perle an der Müritz» in Erinnerung geblieben ist. Allerdings steht eine gravierende Veränderung bevor: 40 Jahre nach Eröffnung des einstigen FDGB-Vorzeigehotels «Herbert Warnke» und 24 Jahre nach dem Fast-Aus durch die Treuhand wird das Hotel nun doch geschlossen.

«Ab 4. Januar 2015 wird der Hotelbetrieb eingestellt», sagt Betreiber und Pächter Hans Karl Herr aus Berlin. Der Grund: Ein handfester Streit zwischen Geschäftsmann Herr und den Eigentümern des 45 Hektar großen Filetgrundstücks.

Dabei sorgte die idyllische Lage des monumentalen Zehngeschossers zwischen Müritz und Kölpinsee seit 1974 für gute Auslastungen. «Mit der Machtübernahme Erich Honeckers wurde in der DDR in neue Urlauberobjekte investiert», erinnert sich Schröter. In Klink entstand ab 1969 für damals 50 Millionen DDR-Mark ein modernes Haus mit Schwimmhalle, Restaurants, eigenem Strand und Vollverpflegung.

Das Hotel war der Kern einer ganzen Urlaubersiedlung und es war nach Templin (Brandenburg) und Friedrichroda (Thüringen) das drittgrößte des DDR-Feriendienstes der Einheitsgewerkschaft mit rund 700 Häusern.

«Zu uns kamen alle, die meisten aus Industriegebieten, wie Leipzig, Halle, Chemnitz und Berlin», sagt Schröter. Nicht jeder hatte Glück, ein Teil der Plätze - wie bei den Leuna-Werken - wurde aus Mangel unter der Hand verschoben. Mit der Wende kamen Probleme. Die Treuhand, die das DDR-Vermögen abwickeln sollte, wollte alle FDGB-Hotels schließen.

An der Müritz weigerte sich Schröter mit Hilfe von Politikern, wie dem späteren Wirtschaftsminister Jürgen Seidel (CDU). «Die Treuhandchefin Birgit Breuel hat uns damals gesagt, die rote Gewerkschaft wird liquidiert, aber wir fanden zum Glück 1991 einen Käufer», erinnert sich Schröter. Von knapp 500 Mitarbeitern blieben 130.

Herr hatte große Pläne, wollte zwei Kliniken, zwei neue Hotels und noch mehr bauen, aber es entstand nur eine neue Reha-Klinik. Das Hotel, sollte abgerissen werden, lief aber weiter. Vor allem Busreisegruppen, viele Verbände und Parteien kamen zur Erholung und zu Tagungen, darunter auch Ex-Außenminister Guido Westerwelle (FDP) und die heutige Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU). Bei den Gästen punktete man vor allem mit der Top-Lage am Westufer, zur Ausstattung hieß es oft: «Eine echte Zeitreise in die Vergangenheit» oder «Vorsicht DDR-Ambiente - für Liebhaber».

Herrs Immobilienfirma bekam in den 2000er Jahren wirtschaftliche Probleme. So wurde das Grundstück in Klink 2011 verkauft, die Hotelbetreiber blieben aber Pächter. Nun haben die neuen Eigentümer Baupläne. Mehrfach gab es Ankündigungen, dass das Hotel deshalb schließen müsse. «Schade, wir hätten gern weiter gearbeitet im Hotel, bis ein Neubau beginnt», sagt Herr. Nun gehe es aber nicht mehr weiter, Buchungen für 2015 müssen storniert werden.

«Die Landesregierung hat uns zugesagt, den Tourismusstandort im Auge zu behalten», hofft Schröter aber weiter. Eine Sprecherin des Amtes Seenlandschaft in Waren, das für Klink zuständig ist, erklärte: «Uns liegen bisher keine Anträge für Planungen und zum Bauen vor.» dpa