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29. September 2015

NDR-Markt Garnelen statt Scampi

Quellenangabe: "obs/Vapiano SE/VAPIANO"

Vapiano hat die unkorrekte Bezeichnung erst nach der NDR-Recherche geändert - Gosch will ebenfalls dem EU-Recht nachkommen.

 

Die NDR-Recherche: Wer Scampi bestellt, bekommt oft Garnelen

Restaurants täuschen ihre Gäste, indem sie statt der auf der Speisekarte angegebenen edlen Scampi die in der Regel wesentlich günstigeren Garnelen für Gerichte verwenden. Dies haben Recherchen des NDR Wirtschafts- und Verbrauchermagazins "Markt" ergeben. Bei einer Stichprobe in fünf Lokalen in Hamburg bekamen die Testesser der Redaktion in allen Fällen statt der auf der Speisekarte angebotenen und ausdrücklich bestellten Scampi lediglich Garnelen serviert. Unter den getesteten Betrieben befanden sich auch Filialen von Vapiano und Gosch. Die Hamburger Wettbewerbszentrale kündigte an, aufgrund der "Markt"-Recherchen nun wettbewerbsrechtlich gegen diese Praxis vorgehen zu wollen.

Eine DNA-Analyse der in den fünf Lokalen genommenen Proben durch ein akkreditiertes Labor bestätigte: Dreimal landeten Garnelen der Gattung Penaeus monodon auf dem Teller, auch bekannt als Riesengarnelen. Zweimal war es die Gattung Litopenaeus vannamei, die unter anderem als White Shrimp angeboten wird. Auf der Speisekarte ausgewiesen waren jedoch immer Scampi - eine völlig andere Tierart. Scampi gehören zur Familie der Hummer, haben im Gegensatz zu Garnelen Scheren und unterscheiden sich von diesen auch deutlich im Geschmack. Laut dem verbindlichen Verzeichnis der Handelsbezeichnungen der Bundesanstalt für Landwirtschaft und Ernährung dürfen als Scampi nur Tiere der Gattungen mit dem wissenschaftlichen Namen Metanephrops spp. und Nephrops norvegicus in Verkehr gebracht werden - bei beidem handelt es sich um den so genannten Kaisergranat.

Mit dem Ergebnis der Labor-Analyse konfrontiert, räumte Vapiano gegenüber dem NDR einen "Fehler" ein; das Unternehmen teilte mit, nun auf der Speisekarte "Gamberetti" statt "Scampi" ausweisen zu wollen. Auch Gosch wurde um Stellungnahme zu der "Markt"-Recherche gebeten, antwortete aber lediglich: "Wir teilen Ihnen hiermit mit, dass wir keine Stellungnahme abgeben möchten."

"Wenn Scampi versprochen werden, müssen auch Scampi auf dem Teller sein", so Peter Brammen von der Hamburger Wettbewerbszentrale. Da stattdessen Garnelen serviert wurden, sieht Brammen eine unlautere Geschäftshandlung als gegeben. Im Interview mit der Redaktion "Markt" kündigte er an, Gosch aus diesem Grund abmahnen zu wollen. ots

Die Erklärung von Vapiano

"VAPIANO hat auf seinen Speisekarten bereits vor Wochen "Scampi" durch "Gamberetti" ersetzt. Die Änderung wurde unmittelbar nach der Anfrage des NDR vorgenommen und ist dem NDR auch bekannt. Nur hat dies der NDR nicht aufgegriffen. VAPIANO bedauert, dass das Thema nun zum "Skandal" stilisiert wird. Jörg Gilcher, Country Manager Deutschland von VAPIANO: "Uns ging es wie dem Großteil der Deutschen und dem Gros der Restaurants in Deutschlands: Der Volksmund sagt zu Garnelen in der Regel Scampi." Das Unternehmen hat die Bezeichnung aber nun geändert und betont, dass Meeresfrüchte bei VAPIANO durchweg von ausgezeichneter Qualität seien.

Am 13. August 2015 war der NDR mit den Ergebnissen einer Laboruntersuchung auf VAPIANO zugekommen. Der NDR hatte zuvor in verschiedenen Restaurants Proben genommen. Das Ergebnis: Auf der getesteten Pizza "Scampi e Rucola" befanden sich keine Scampi, sondern Garnelen. "Das hat uns selbst überrascht. Wir haben aber sofort reagiert und innerhalb weniger Tage sowohl die Speisekarten auf unserer Homepage als auch in den Restaurants geändert", so Jörg Gilcher, Country Manager Deutschland. Bereits seit der Änderung der Speisekarten vor vier Wochen heißt die Pizza nun "Gamberetti e Rucola". VAPIANO habe die Änderung unverzüglich vorgenommen und dies auch dem NDR mitgeteilt." ots

Die Erklärung von Gosch

"Heute konnte man verschiedenen Presse-Artikeln entnehmen, dass Scampi bei GOSCH eigentlich gar nicht Scampi heißen dürfen.

Und um es direkt vorweg zu nehmen: Laut EU-Verordnung stimmt das mittlerweile. Wir haben hier einen Fehler gemacht und das tut uns sehr leid. Noch mehr bedauern wir, dass unsere Gäste durch die Presse verunsichert werden.

Um "Butter bei die Fische" zu bringen, nehmen wir hier gerne Stellung - denn unsere Gäste haben klare Worte verdient.

Das Unternehmen GOSCH verkauft seine Garnelen bereits seit mehr als 30 Jahren als "Scampi". Das war bisher auch kein Problem, denn dem Verbraucher ist dieser umgangssprachliche Begriff sehr wohl geläufig. Hat man bei GOSCH Scampi bestellt, bekam man auf dem Teller genau, was man erwartet hat. Die hohe Nachfrage der letzten Jahrzehnte bestätigt uns das.

Im Juni 2000 bekräftigte das Oberlandesgericht Koblenz diese Ansicht sogar in einem konkreten Fall und urteilte, dass Garnelen in der Gastronomie auch Scampi genannt werden dürfen. Lediglich im Lebensmitteleinzelhandel muss verpackte Ware ausführlich deklariert sein. Auch mit sämtlichen Lebensmittelüberwachungsbehörden gab es diesbezüglich keine Unstimmigkeiten.

Allerdings wurden mit der EU im Laufe der Zeit zahllose neue Verordnungen eingeführt - und hier ist uns leider entgangen, dass damit das Urteil des OLG nicht mehr gültig ist. Unser Fehler! Diesen werden wir beheben, denn natürlich wollen und müssen wir dem EU-Recht nachkommen. Wir werden unsere Artikelauszeichnungen zeitnah ändern.

Vehement zurückweisen müssen wir aber den Vorwurf, dass rein aus "Profitgier" bewusst falsch deklariert wurde. GOSCH serviert seit jeher fair kalkulierte Spezialitäten, besonders unsere langjährigen GOSCH-Gäste wissen dies und können darüber berichten."