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21. Juni 2016

Oetker Bilanz Nachfolgefrage weiter unbeantwortet

Der Familienkonzern Oetker baut seine Geschäfte weltweit aus. Doch unbeantwortet ist weiter die Frage, wer von Konzernchef Richard Oetker das Steuerrad übernehmen soll.

Die Nachfolge an der Spitze des Familienkonzerns Oetker bleibt offen. Bei der Vorstellung der Bilanz 2015 verwies Finanzchef Albert Christmann am Dienstag auf den Beirat. «Hier gibt es einen Zeitplan, mehr kann ich Ihnen auch nicht sagen. Die Entscheidung wird bestimmt nicht erst am 31. Dezember 2016 fallen», sagte Christmann in Bielefeld.

Eigentlich sollte Konzernchef Richard Oetker die Geschäftszahlen präsentieren. Der Spitzenmanager war beim Verlassen seines Hauses aber gestürzt und konnte nicht kommen. Nach sechs Jahren endet mit dem Kalenderjahr 2016 die Amtszeit des 65-Jährigen.

Die Machtverhältnisse in der weitverzweigten Oetker-Familie gelten seit längerem als kompliziert. Der Beirat steht vor der Aufgabe, bis zum Jahresende eine Entscheidung zu der Spitzenposition zu treffen. Spekuliert wurde schon, dass erstmals auch ein familienfremder Manager an die Spitze rücke könnte. 2014 erzielte der Konzern mit rund 28 000 Mitarbeitern einen Umsatz von knapp 11 Milliarden Euro.

Richard Oetker treibt die Internationalisierung der Bielefelder Unternehmensgruppe voran. Nach Übernahmen in Mexiko, Australien und Rumänien erzielt der Konzern in seinem Stammgeschäft Lebensmittel bereits 70 Prozent des Umsatzes außerhalb von Deutschland. Und die Sektkellerei-Tochter Henkell lotetet nach eigenen Angaben von April eine Kooperation mit dem spanische Weinerzeuger Freixenet aus.

Beim Umsatz legte die Gruppe, zu der Frachtschiffe, Lebensmittel, Bier, Sekt, Hotels und eine Chemie-Tochter zählen, 2015 um 11,8 Prozent auf 12,2 Milliarden Euro zu. «Ohne positive Währungseffekte und Zukäufe wäre diese Kennzahl allerdings auf Vorjahresniveau geblieben», sagte Christmann, der für Richard Oetker die Bilanz präsentierte. Zum Gewinn äußert sich Oetker generell nicht. dpa

Oetker-Gruppe: Nicht nur Pudding und Pizza

Dr. Oetker zählt mit seinen Backmischungen, Puddings und Tiefkühlpizzen zu den bekanntesten Marken Deutschlands. Doch den größten Anteil am Konzernumsatz von 12,2 Milliarden Euro steuerte auch 2015 die Containerschifffahrt bei. Die Reederei Hamburg Süd steht für knapp die Hälfte der Erlöse. Die Nahrungsmittelsparte erzielt knapp ein Viertel des Konzernumsatzes.

Mit der Tochter Radeberger Gruppe in Frankfurt/Main ist Oetker Marktführer auf dem deutschen Biermarkt. Zu den mehr als 40 Marken gehören Radeberger, Jever, Schöfferhofer und Clausthaler. Die Tochter Henkell stellt Sekt und Spirituosen her (Fürst von Metternich, Wodka Gorbatschow). Das Bankhaus Lampe, Luxushotels und eine Chemiefabrik gehören ebenfalls zu den 417 Unternehmen der Oetker-Gruppe.

Gegründet wurde das Familienunternehmen vor 125 Jahren in Bielefeld. Der Apotheker Dr. August Oetker experimentierte damals mit Backpulver und brachte es 1893 küchenfertig portioniert auf den Markt. Heute beschäftigt der Konzern, der weiterhin in der Hand der Gründerfamilie ist, weltweit knapp 31 000 Mitarbeiter.