27. Juni 2011

Ohne Geschmacksverstärker stimmt oft nicht

Baden-Württembergs Verbraucherschutzminister Alexander Bonde: Hinweis «ohne Geschmacksverstärker» auf Lebensmitteln ist oft irreführend

Die meisten Fertiggerichte und Trockensuppen hätten bei einer Untersuchung durchaus den Geschmacksverstärker Glutaminsäure enthalten, sagte Minister Alexander Bonde (Grüne) bei der Vorstellung des Ökomonitoring-Berichts am Montag in Stuttgart.

42 Bioprodukte und konventionelle Produkte mit entsprechender Kennzeichnung wurden von den Lebensmitteluntersuchungsämtern unter die Lupe genommen. Zwar sei darin nicht der künstliche Geschmacksverstärker Glutamat E 620 verwendet worden, dafür in 31 Fällen Hefe oder Hefeextrakte mit viel natürlicher Glutaminsäure.

Auch Tomatenprodukte seien teilweise als Geschmacksverstärker eingesetzt worden. Hier müsse mehr Klarheit geschaffen werden, forderte Bonde: «Der Vermerk "ohne künstliche Geschmacksverstärker" wäre da korrekter.» Er rät Verbrauchern, die Inhaltsangaben genau zu studieren.

Insgesamt hätten Biolebensmittel bei der Öko-Untersuchung 2010 aber überzeugt, betonte Bonde. 97 Prozent der rund 700 untersuchten Lebensmittel hätten ihr Siegel zu recht getragen. «Zwei Drittel der untersuchten Proben waren vollständig rückstandsfrei», sagte der Minister. Bioobst enthalte im Schnitt hundertmal weniger Pestizide als konventionelle Ware. Von den frischen Produkten seien 1,3 Prozent beanstandet worden.

Damit habe sich die Quote auf «erfreulich niedrigem Niveau stabilisiert». Schlechter sah es bei den verarbeiteten Erzeugnissen aus, wo 6,3 Prozent der Produkte beanstandet wurden. Vor allem bei Wein und bei Tiefkühlobst hatten die Tester häufig etwas auszusetzen.

Während früher zum Teil noch gravierende Unterschiede zwischen deutschen und importierten Bioprodukten ausgemacht worden seien, lasse sich dies heute nicht mehr feststellen. «Die Qualität hat sich über die Jahre erheblich angeglichen», machte Bonde deutlich. Er warb dennoch für regionale Bioprodukte.

Für das Ökomonitoring, das es bislang nur in Baden-Württemberg gibt, untersuchen die Kontrolleure einen Querschnitt der Ökoprodukte auf Inhaltsstoffe, Rückstände und Schadstoffe. Zudem nehmen sie spezielle Risikogruppen in den Fokus - mit dem Ziel «besonders schattige Ecken zu finden», wie Bonde es nennt.

Derzeit wird auch der Ökowein näher beleuchtet. Bei Beanstandungen bekommen Hersteller oder Vermarkter eine Aufforderung zum Nachbessern. Der Minister lobte, dass in den vergangenen Jahren meist schnell reagiert worden sei und es folglich keine fortgeschriebenen Beanstandungen gebe. dpa

Was ist Ökomonitoring?

Beim Ökomonitoring nehmen die vier Chemischen- und Veterinär-Untersuchungsämter in Baden-Württemberg seit 2002 ökologisch erzeugte Lebensmittel unter die Lupe. Ziel ist es, Verbraucher zu schützen und vorbildliche Ökoproduzenten zu stärken. Die Ämter untersuchen die Proben auf Zusammensetzung und Belastung. Sie vergleichen zudem die Ökoprodukte mit herkömmlich produzierten Waren und stellen auch Vergleiche zwischen deutschen und ausländischen Lebensmitteln an. Nach Auskunft des Ministeriums gibt es ein solches Ökomonitoring bislang nur im Südwesten Deutschlands.

Im Jahr 2010 wurden Lebensmittel etwa auf gentechnische Veränderungen, Pflanzenschutzrückstände und Schimmelpilzgifte untersucht. Näher betrachtet wurden unter anderem Kaffee, Wein und Fertiggerichte. Seit 2009 werden auch Naturkosmetik-Produkte untersucht. Die Beanstandungsquote bei Obst und Gemüse aus dem ökologischen Landbau schwankt, ist in den vergangenen Jahren tendenziell aber zurückgegangen. 2005 lag sie bei 8,4 Prozent, zuletzt 2010 bei 1,3 Prozent.