Reise
16. November 2011

Phuket boomt der Flut zum Trotz

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Seit Monaten zeigen Fernsehbilder die schweren Überschwemmungen in Thailand. Hat das die Urlauber verunsichert? Nicht überall. Auf Phuket boomt der Tourismus. Doch die Branche fürchtet selbst auf der bei deutschen Urlaubern beliebten Insel Einbrüche

Von Nicholas Altstadt

Strandurlauber scheinen sich vom Hochwasser in Thailand kaum abschrecken zu lassen. Während die Menschen in Bangkok gegen die Fluten kämpfen, boomt der Tourismus 700 Kilometer weiter südlich der Tourismus auf der beliebten Urlaubsinsel Phuket. Die Strände sind zum Beginn der Hochsaison voll, Bars und Restaurants gut besucht. Doch die Geschäfte könnten noch besser laufen, wenn die Fluten nicht wären, sagen Branchenkenner auf der Insel. Einige fürchten selbst auf Phuket Einbußen, falls das Hochwasser anhält.

In der ersten Novemberwoche verzeichnete der Flughafen auf Phuket im Vergleich zum Vorjahr 40 Prozent mehr Besucher, wie Thailands Tourismusbehörde (TAT) mitteilte. Von den Einbrüchen im vergangenen Jahr, als die Medien von den blutigen Krawallen in Bangkok berichteten, hat sich der Insel-Tourismus inzwischen erholt.

Nun bedroht das Hochwasser Thailands Image als Urlaubsland mit Sonnengarantie. «Wenn du weit weg bist und diese Schlagzeilen liest, wählst du vielleicht einfach Indonesien, die Philippinen oder ein anderes Reiseziel», sagt Holger Schwab, Geschäftsführer der Sea Bees Diving Company mit Sitz auf Phuket. «Die Menschen verstehen nicht, dass Thailand groß ist und dass diese Ereignisse nicht das ganze Land treffen», sagt Schwab, der aus Augsburg stammt und seit 16 Jahren die Tauchresorts betreibt.

Genau beziffern könne er die Auswirkungen auf den Tourismus nicht. «Es ist schwer zu sagen, wie sehr die Fluten unser Geschäft beeinträchtigt haben. Aber ich bin sicher, dass wir weniger Buchungen hatten, als wir ohne das Hochwasser gehabt hätten.» Vieles hänge davon ab, wie schnell die Behörden die Fluten in den Griff bekommen - und davon, ob sie den internationalen Flughafen Suvarnabhumi in Bangkok trocken halten können. «Wenn es Suvarnabhumi erwischt, ist unsere Tourismus-Saison vorbei», sagt Schwab.

Leergeräumte Regale in den Supermärkten - das ist eine weitere unschöne Folge für den Tourismus auf Phuket. Lieferengpässe gibt es unter anderem bei Bier, Reis und Mineralwasser (siehe Artikel unten). Denn die Fluten blockieren Verteilungszentren und rund 100 Straßen im Land. Auch die für Phuket besonders wichtige Hauptverkehrsstraße Rama II Highway, die über Bangkok in den Süden des Landes führt, droht durch die Fluten betroffen zu werden.

«Alkohol wird knapp», sagt ein Angestellter der Supermarktkette Tesco-Lotus auf Phuket. «Ich kenne nicht die genauen Zahlen. Aber wenn wir nicht bald eine Lieferung bekommen, gehen uns einige Biermarken aus.» Und Bier sei nicht das einzig Produkt, für das das gilt. «Auch Zigaretten - die beliebtesten Marken gehen uns aus.»

Die Engpässe - ebenso wie steige Preise bei Alkohol und Zigaretten - könnten dem Tourismus auf der Insel zusetzen, erwarten einige Reisende selbst. Hotelbetreiber und die große Einzelhandelsketten geben sich aber zuversichtlich. Sie rechnen damit, dass sich die Lage bis zum Ende des Monats wieder normalisiert.

«Es ist schon schwerer als sonst. Aber für all das, was wir von unseren üblichen Lieferanten nicht bekommen können, haben wir alternative Anbieter gefunden», sagt Opas Damrongkul, Manager im Centara Grand Beach Resort. «Wir arbeiten schwerer und wir zahlen etwas mehr als sonst, aber wir vermeiden Engpässe.» Das Centara habe nach wie vor sein komplettes Alkohol-Sortiment im Angebot - viele kleine Läden und Bars auf der Insel dagegen nicht mehr.

Opas spürt nur leichte Auswirkungen des Hochwassers auf den Phuket-Tourismus. Erst wenige internationale Gäste hätten ihre Hotelbuchung abgesagt. «Aber wir haben schon gemerkt, dass einige nicht kommen, weil sie Angst haben, nicht mehr aus Bangkok zurück nach Hause fliegen zu können, falls sich die Lage verschlimmert.» dpa

Bier wird knapp in Thailand - Brauereien überflutet

In Thailand wird das Bier knapp. Die Flutkatastrophe hat die Braubranche des Urlaubslandes schwer getroffen. Einzelhandelsgeschäfte in der Hauptstadt Bangkok und anderen beliebten Tourismuszielen wie Phuket berichteten am Montag von Engpässen bei Biersorten wie dem berühmten thailändischen Bier Singha. Aber auch ausländische Marken wie Heineken oder Tiger kommen mit ihren Lieferungen nicht nach.

Die monatelangen Überschwemmungen im Land haben Milliardenschäden angerichtet. Vor allem die zentralen Provinzen Ayutthaya, Pathum Thani und Nonthaburi sind betroffen. In Ayutthaya sind große Industriezentren angesiedelt. Weil Fabriken überschwemmt sind, können einige Brauereien nicht mehr produzieren. So musste etwa der Hersteller von Singha, die Brauerei Boonrawd, nach Angaben eines Unternehmenssprechers eine große Anlage in Pathum Thani wegen dem Hochwasser stilllegen.

Andere Brauereien, wie der Hersteller von Heineken oder Tiger, Thai Asia-Pacific, produzieren zwar noch - allerdings gibt es laut Marketingsprecher Verzögerungen bei den Lieferungen.

Auf der Touristen-Insel Phuket ist Bier bereits Mangelware: Dort hat der Engpass die Preise hochschnellen lassen. Weniger Alkohol wird wegen der Engpässe aber nicht konsumiert. Die Großhändler verzeichnen eine Änderung der Nachfrage bei Verbrauchern: Anstelle von Bier wird Wein getrunken. dpa