11. Juni 2018

Public Viewing zur Fußball-WM Rudel-Gucken von Frankfurt bis Stuttgart

Spätestens seit der WM 2006 ist die Fan-Sause vor Videowänden ein Massenphänomen. Das Fußball-Turnier gilt als Geburtsstunde des Public Viewing in Deutschland. Von Donnerstag an übertragen wohl vor allem private Veranstalter im Südwesten WM-Spiele aus Russland.

Kollektives Mitfiebern beim Fußball - das ist von Donnerstag an wieder möglich: In zahlreichen Städten können sich Fans bei der Weltmeisterschaft auf Public Viewing freuen. Oft sind private Veranstalter die Organisatoren, wie eine Umfrage in ausgewählten Städten ergab. Demnach werden wohl vor allem Biergärten und Kneipen frequentiert sein, wenn die DFB-Elf unter Trainer Joachim Löw in Russland um den Titel kämpft (14. Juni bis 15. Juli).

Das größte Rudel guckt wahrscheinlich gemeinsam in der Frankfurter Commerzbank-Arena. Hier kann man alle Spiele mit deutscher Beteiligung auf einer über 400 Quadratmeter großen Leinwand sehen. Das Finale der WM 2014 erlebten im ausverkauften Stadion 50 000 Fans. Veranstalter sind der hessische Privatsender HIT RADIO FFH und die Stadion Frankfurt Management GmbH.

Nur bei einem Erfolg der deutschen Mannschaft und ihrem Einzug ins Halbfinale gibt es in Wiesbaden ein großes offizielles Public Viewing. Dann wird das Spiel auf einer Leinwand an der Konzertmuschel hinterm Kurhaus gezeigt. Ein Finale mit deutscher Beteiligung wäre dann sogar vor dem Kurhaus auf dem Bowling Green zu sehen. Für alle anderen Spiele eigneten sich die Kneipen und Restaurants gut für das gemeinsame Schauen, hieß es von der Stadt.

Mit der ganzen Sippe können Fans bei den Familienfestivals an der Bergstraße mitfiebern. Beim «Stadtparkustik» in Zwingenberger Stadtpark ist das Auftaktspiel der deutschen Nationalmannschaft am 17. Juni gegen Mexiko auf einer LED-Leinwand zu sehen. Das letzte Gruppenspiel gegen Südkorea am 27. Juni können Familien beim «Birkengarten Festival» verfolgen. Sollte es der Weltmeister ins Viertelfinale schaffen - gibt es voraussichtlich ein Public Viewing auf der Freilichtbühne in Heppenheim.

Wer beim Mitfiebern einen kühlen Kopf bewahren will, verfolgt im Seepark Weimar bei Marburg die WM. «Sogar beim Baden kann man die Spiele beobachten», sagt der Geschäftsführer der Freizeitanlage, Günter Gerkau. Rudelgucken ist aber vor allem in der Strandbar geplant, die auf und am Wasser gebaut ist. Erhitzte Gemüter können sich auch in den Freibädern in Riedstadt-Crumstadt und in Stockhausen abkühlen. Wobei das kleine Bad in Crumstadt nur die Spiele mit deutscher Beteiligung zeigt.

Jubeln statt lernen können die Studenten an der Universität Kassel. Dort werden in einem Hörsaal mit 450 Plätzen die deutschen Vorrundenspiele zu sehen sein. «Sollte Deutschland die Vorrunde überstehen, werden voraussichtlich auch alle weiteren deutschen Spiele dort übertragen», sagte ein Sprecher der Uni.

Zum Beispiel die «Meenzer Fan-Arena» auf dem Ernst-Ludwig-Platz an der Großen Bleiche in Mainz. Alle Spiele der deutschen Mannschaft in der Vorrunde und die Achtel-, Viertel- und Halbfinalspiele sowie das Finale werden auf einer großen LED-Leinwand für etwa 5000 Zuschauer übertragen.

In Koblenz können in einem Biergarten am Deutschen Eck alle Spiele der WM mitverfolgt werden. Außerdem sollen einige Partien auf der Festung Ehrenbreitstein zu sehen sein. In Trier rollt der Ball das erste Mal am 23. Juni beim Vorrundenspiel zwischen Deutschland und Schweden auf dem Viehmarktplatz über eine Großleinwand.

In Karlsruhe haben etwa 20 Gastronomen beim Ordnungsamt Anträge auf Übertragung der Spiele auf Großbildschirme oder Leinwand gestellt. «Alle Anträge wurden genehmigt», sagte Mathias Tröndle von der Stadtverwaltung. Hinzu kommt ein von einem privaten TV-Sender und einem Privatradio organisiertes Public Viewing im Wildparkstadion. «Dort werden die deutschen Spiele auf Großbildleinwand übertragen.»

In Freiburg steigt das Mitfiebern vor Videowänden unter anderem in einer Halle auf dem Messegelände. Nach Angaben des Veranstalters, der Freiburg Wirtschaft Touristik und Messe GmbH (FWTM), soll es «das größte Public Viewing in der Region» sein. Gezeigt werden die Spiele der deutschen Mannschaft auf einer 60 Quadratmeter großen Leinwand.

In Mannheim wird es wie in den vergangenen Jahren im Eisstadion am Friedrichspark eine öffentliche Übertragung der Partien geben. Die Arena mit einer 36 Quadratmeter großen Full-HD-Leinwand bietet Platz für 5000 Besucher.

Auch im benachbarten Heidelberg kommen Fans des amtierenden Weltmeisters auf ihre Kosten. Das Bürgerhaus Emmertsgrund mit einer der größten Leinwände der Romantikstadt am Neckar hält rund 600 Plätze bereit. Auch im Karlstorbahnhof (etwa 200 Plätze) werden zumindest die WM-Spiele mit deutscher Beteiligung zu sehen sein.

In Heilbronn soll es ein Public Viewing für bis zu 2000 Zuschauer auf dem Areal der Genossenschaftskellerei Heilbronn-Erlenbach-Weinsberg geben.

«Es gibt in Stuttgart ein großes Angebot an Fußball-Übertragungen. Jeder findet ein Public Viewing nach seinem Geschmack, entweder im Biergarten, vor dem Mercedes-Benz-Museum oder beim Italiener um die Ecke», sagte Martin Thronberens von der Abteilung Kommunikation der Landeshauptstadt. In Stuttgart zeigt etwa das neue Stadtmuseum WM-Spiele.

Eines der größten privaten Angebote in Erfurt dürfte das «WM Fan Festival» im Eisstadion der Black Dragons sein. Auf einer 50 Quadratmeter großen Leinwand werden alle deutschen Spiele übertragen, sagte Veranstalter Alexander Theis. Auf dem Außengelände im Erfurter Zughafen ist in diesem Jahr zum ersten Mal ebenfalls ein Public-Viewing-Angebot geplant, bei Regen oder sehr großer Nachfrage steht die bis zu 800 Personen fassende Halle zur Verfügung. Auch im Stadtgarten werden wie üblich alle Spiele zu sehen sein. dpa