27. August 2011

Radtourismus mit E-Bikes boomt

Im Schwarzwald und am Bodensee kommt der Radtourismus auch dank E-Bikes noch mehr in Fahrt

«Radfahren ist ganz klar Boomthema, das kommt noch vor dem Wandern», sagte Rainer Laubig von der Tourismus Marketing GmbH in Stuttgart. Webseiten mit Informationen zu Radfernwegen und e-bikes erhalten nach Angaben des Radtourismus-Experten der GmbH, Thomas Beyrer, «mit Abstand die meisten Klicks».

Der Bodenseeradweg sei dabei der beliebteste von ganz Baden-Württemberg, da er ohne größere Steigungen verlaufe. Auch der Donau- sowie der Rheintalradweg stünden auf der Liste weit oben.

Immer wichtiger wird nach Einschätzung Laubigs das «Genussradeln»: «Entspanntes Radfahren, möglichst in der Gruppe, mit vielen Päuschen und einem schönen Essen am Abend, steht ganz klar im Vordergrund.»

Im Schwarzwald liegt vor allem das Mountainbiken im Trend. «Mountainbiking hat sich bei uns zu einer festen Sparte entwickelt, mit starken Zuwachsraten», sagt der Geschäftsführer der Schwarzwald-Tourismus-Gesellschaft in Freiburg, Christopher Krull. Der Schwarzwald biete das mit 3000 Kilometern Länge größte Mountainbike-Routennetz Deutschlands. «Das spricht sich immer mehr herum und beschert den Beherbergungs- und Gastronomiebetrieben neue, zahlungskräftige Gäste.»

Zunehmend verlassen sich die Radler auf elektrischen Antrieb. «Elektrofahrräder sind stark im Kommen», berichtete Lucia Kamp vom Tourismus-Verein Untersee in Gaienhofen. «Das sind dann meist Leute, die Bewegung und Genuss verbinden wollen.» Nach Einschätzung Laubigs breitet sich der Trend vom Schwarzwald her nun am Bodensee aus. «Die Infrastruktur für e-bikes wächst am See rasant.» So verzeichnet der e-bike-Dienstleister movelo bereits 47 Verleih- und Akkuwechselstationen zwischen Radolfzell und Wasserburg - genügend, um das Rad im Akkuradius aufladen zu können.

Der Schwarzwald versteht sich als Vorreiter beim E-Biken. In mehr als 40 Gemeinden können Touristen an mehreren Stationen Fahrräder mit elektrischer Tretunterstützung ausleihen und an zahlreichen Stationen kostenlos aufladen. Oder sie erhalten gratis neue Akkus. Der Fuhrpark besteht aus mehr als 100 E-Rädern.

«Der Schwarzwald eignet sich mit seinen Bergen, Steigungen und Höhenmetern besonders für E-Bike», sagt Krull. Dadurch würden neue Touristen gewonnen. «Viele Menschen, vor allem Senioren, sind mit dem traditionellen Fahrrad bisher an ihre körperlichen Grenzen gestoßen. Sie können nun völlig neue Routen und Landschaften erfahren.» E-Biking habe sich zum «Sommer-Trend dieses Jahres» entwickelt.

Die Tourismusbranche profitiere davon. Die Aufladestationen seien meist bei Hotels, Gaststätten und Sehenswürdigkeiten. «Der Gast kann die kulinarischen Vorzüge unserer Region kennenlernen und die Attraktionen besuchen, während sein Fahrrad kostenlos und unkompliziert an der Steckdose neue Kraft tankt.» Der E-Bike-Trend werde anhalten. Die Investitionen in die E-Bikes rechneten sich.

Auch im hügeligen Umland des Bodensees erhoffen sich die Touristiker Aufwind durch die Elektro-Velos: «Das wird nochmal eine andere Zielgruppe ansprechen», glaubt Jutta Halder vom Bodensee-Linzgau-Tourismus in Salem. «Da ist ein Zuwachs zu erwarten, weil das e-bike die Steigungen hier erleichtert und dadurch den Radtourismus im schönen Hinterland ausbaut.» Die Radwege am See erinnerten dagegen an manchen Tagen an eine Autobahn.

Auch Volksradtouren verzeichnen nach Angaben Laubigs großen Zulauf. Bei der Tour de Ländle von 30. Juli bis 6. August beteiligten sich in diesem Jahr tausende Radler. Aus logistischen Gründen musste die Teilnehmerzahl bei der knapp 500 Kilometer langen «Schlössertour» von Göppingen nach Singen auf 2000 Radler pro Tag begrenzt werden. Neben den 1200 Dauerteilnehmern wurden die verbleibenden 800 Plätze pro Tag ausgelost. dpa

ebike-schwarzwald.de